Halsschmerzen, Fieber, Übelkeit – Es ist wieder Scharlach-Zeit!

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: "Es gibt mindestens vier A-Streptokokkentypen, die Scharlach verursachen können. Dadurch können Betroffene auch mehrfach an Scharlach erkranken." © privat

Scharlach gehört zu den häufigsten Kinderkrankheiten, aber worum handelt es sich dabei eigentlich genau? Wie können Eltern erkennen, ob ihr Kind erkrankt ist? Und was ist dann zu tun?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Gerade in der Winterzeit tritt Scharlach besonders häufig auf. Der Grund: Die bakteriellen Auslöser, bestimmten Streptokokken der Gruppe A, können sich im Winter einfach leichter in den Atemwegen festsetzen. Durch trockene Heizungsluft und Kälte nimmt die Durchblutung und Schleimproduktion im Hals ab und die Bakterien haben leichtes Spiel. Nach etwa einem bis fünf Tagen kommt es dann zu Fieber, Halsschmerzen, oft auch zu Übelkeit und Erbrechen, begleitet von ausgeprägtem Krankheitsgefühl. Bereits am ersten oder zweiten Krankheitstag tritt ein feinfleckiger, nicht juckender Ausschlag auf, der oft in der Leiste beginnt und sich dann auf den ganzen Körper ausbreitet.

Scharlach-Symptom "Himbeerzunge": Die Zunge wird leuchtend rot und zeigt geschwollene Geschmackspapillen© Corbis

Lediglich die Region um den Mund bleibt ausgespart. Der Ausschlag bleibt meist über eine Woche lang sichtbar. Die Zunge ist anfangs meist weißlich belegt, im Verlauf dann aber hochrot mit gut sichtbaren Geschmackspapillen– die sogenannte Himbeerzunge (siehe Foto). Nach Verschwinden des Ausschlages kommt es zu Hautauschuppungen an den Fingern und Zehen. Diese gesundheitlichen Probleme werden ausgelöst durch bestimmte Giftstoffe (Toxine), die als Stoffwechselprodukt von Streptokokken-Bakterien der Gruppe A ausgeschieden werden. Da jedoch nicht alle Streptokokken dieser Gruppe dies tun, bedeutet nicht jede Infektion, dass zwangsläufig Scharlach entsteht. Die Kehrseite der Medaille: Es gibt mindestens vier A-Streptokokkentypen, die Scharlach verursachen können. Dadurch können Betroffene auch mehrfach an Scharlach erkranken.

Eine Infektion sollte allerdings – unabhängig von einer Scharlach-Erkrankung – immer behandelt werden, da Komplikationen wie Entzündungen der Herzklappen, Gelenke und eine bestimmte Form der Nierenentzündung, die Poststreptokokken-Glomerulonephritis, möglich sind. Dies alles kann und sollte mit einer konsequenten antibiotischen Therapie verhindert werden. Penicillin ist immer noch Mittel der ersten Wahl, bislang sind keine Resistenzen von A-Streptokokken gegen Penicillin in Deutschland bekannt. Die Behandlung muss unbedingt für 10 Tage durchgeführt werden, sonst droht ein Rückfall. Bei einer Allergie gegen den Wirkstoff, die relativ weit verbreitet ist, kann auf ein sogenanntes Makrolidantibiotikum wie beispielsweise Erythromycin ausgewichen werden. Dabei ist eine fünftägige Behandlung angebracht. Das Mittel sollte jedoch nur bei einer Penicillin-Unverträglichkeit oder –Allergie eingenommen werden, da es die Gefahr von resistenten Keimen erhöht*. Eine Behandlung mit Cephalosporinen ist ebenfalls möglich.

Video: Diese 7 Tipps helfen gegen Halsschmerzen

 

 

 

* van Driel, et al. (2013): Different antibiotic treatments for group a streptococcal pharyngitis. Cochrane Database Syst. Rev.; April 30; 4

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