Häusliche Krankenpflege Häusliche Krankenpflege: Besser versorgt dank passgenauer Hilfen

Redaktion PraxisVITA
Häusliche Krankenpflege
Die häusliche Krankheitspflege stellt eine optimale Versorgung durch geeignetes Pflegepersonal sicher © istock/shapecharge
Inhalt
  1. Pflegegrad 1: Bis zu 500 000 neue Anspruchsberechtigte
  2. Hierfür kann der Entlastungsbetrag eingesetzt werden
  3. Betroffene erhalten für die häusliche Krankenpflege deutlich mehr Geld
  4. Häusliche Krankenpflege: Wer seine Angehörigen pflegt, ist nun endlich auch sozial besser abgesichert

Für den Großteil der Pflegebedürftigen gibt es seit Jahresbeginn mehr Geld, gut 200 000 Betroffene haben erstmals einen Anspruch. Welche Leistungen die häusliche Krankenpflege umfasst, lesen Sie hier.

Wer Hilfe und Unterstützung im Alltag braucht, möchte in der Regel am liebsten zu Hause betreut werden. Die häusliche Krankenpflege betrifft nicht nur Senioren, die altersbedingt allein nicht mehr gut zurechtkommen. Pflegebedürftige gibt es in allen Altersgruppen, denn auch Kinder und junge Erwachsene können durch Krankheit oder Unfälle eingeschränkt sein. Dank der Pflegereform wird die häusliche Krankenpflege stärker gefördert als je zuvor. Für viele Familien heißt das: mehr Leistungen, Geld und Rentenvorteile – und weniger bürokratische Hürden.

 

Pflegegrad 1: Bis zu 500 000 neue Anspruchsberechtigte

Wer aus Sicht der Pflegekasse keine erhebliche Unterstützung benötigt, ging bei dem bisherigen System der Pflegestufen leer aus. Mit der Einführung von Pflegegrad 1 steht ab sofort 200 000 Menschen erstmals Unterstützung zu. Das Gesundheitsministerium rechnet damit, dass in den kommenden Jahren bis zu einer halben Million mehr Menschen Ansprüche geltend machen können. Erkennt der Gutachter eine „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ an, hat man mit Pflegegrad 1 Anspruch auf den zweckgebundenen Entlastungsbetrag von 125 Euro.

Zusätzlich steht jedem Pflegebedürftigen eine ausführliche Pflegeberatung oder eine Beratung im häuslichen Umfeld zu, Zuschüsse für einen barrierefreien Umbau („Verbesserung des Wohnumfelds“) sowie die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln. Sogenannte Senioren-WGs und das betreute Wohnen werden ebenfalls finanziell gefördert.

Häusliche Krankenpflege – Ernährung
Die häusliche Krankenpflege kann neben der medizinischen Versorgung auch die Ernährung, Körperpflege, Mobilität und den Haushalt des Patienten umfassen © istock/Halfpoint
 

Hierfür kann der Entlastungsbetrag eingesetzt werden

Der zweckgebundene Entlastungsbetrag von 125 Euro ist eine sogenannte Sachleistung für Pflegedienste. Mit allen Pflegegraden kann der Betrag je nach dem individuellen Bedarf genutzt werden. Zum Beispiel für eine teilstationäre Tages- oder Nachtpflege, für die hauswirtschaftliche Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst oder auch für sogenannte niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote. Dazu zählen Beschäftigungsprogramme für Demenzkranke, Einzelbetreuung von Alzheimer-Patienten (z. B. Singen, Vorlesen), Angebote für haushaltsnahe Dienstleistungen und die Betreuung von Pflegebegleitern. Die Anerkennung dieser Angebote ist Ländersache. Über die Pflegekasse erfährt man, was jeweils in Anspruch genommen werden kann.

Pflegebegleiter etwa sind oft Ehrenamtliche, die schon selbst einen Angehörigen gepflegt haben und ihre gesammelten Erfahrungen weitergeben. Sie zeigen Entlastungsmöglichkeiten auf und ermuntern die pflegenden Angehörigen dazu, Hilfen auch anzunehmen (mehr Infos im Internet unter www.pflegeberater.de). Alle Kosten, die über die 125 Euro hinausgehen, trägt der Pflegebedürftige selbst.

Da Betroffene mit Pflegegrad 1 außer dem Entlastungsbetrag keine weiteren Pflegesachleistungen beziehen, können sie den Betrag flexibler einsetzen als Menschen mit höheren Pflegegraden. Sie können ihn etwa auch für Körperpflege-Leistungen nutzen, die von einem Pflegedienst erbracht werden. Bei allen anderen Pflegegraden wird die Körperpflege schon durch die Sachleistungen für Pflegedienste finanziert. Zur Körperpflege zählen etwa das An- und Auskleiden, die „Große Toilette“ (z. B. Ganzkörperwaschung und Kämmen) oder die „Kleine Toilette“ (z. B. Teilwaschung, Mund- und Zahnpflege).

Für die Abrechnung des Entlastungsbetrags reicht es aus, wenn nach der Inanspruchnahme der Leistung bei der Pflegekasse ein Antrag auf Kostenerstattung gestellt wird. Quittungen und Abrechnungen werden als Beleg mit eingereicht. Man kann auch mehrere Leistungen über den gleichen ambulanten Pflegedienst bestellen und ihn beauftragen, direkt mit der Kasse abzurechnen. Praktisch: Der Entlastungsbetrag kann über mehrere Monate zu einer größeren Summe angespart und ins Folgejahr übertragen werden.

 

Betroffene erhalten für die häusliche Krankenpflege deutlich mehr Geld

Durch die Neuregelungen wird vieles leichter. Besonders in den niedrigen Pflegegraden erhalten Betroffene für die häusliche Krankenpflege deutlich mehr Geld. Entsprechend können sie sich von den Pflegesachleistungen häufiger den Besuch von ambulanten Diensten erlauben. Auf Antrag erlaubt die Pflegekasse auch, einen Teil der Sachleistungen für Unterstützung im Alltag einzusetzen. Das ist vor allem dann interessant, wenn der Pflegebedürftige besonders viel Betreuung braucht, etwa bei dementiellen Erkrankungen oder bei pflegebedürftigen Kindern mit einem straffen Therapieplan. Bis zu 40 Prozent der Sachleistungen können dann für ehrenamtliche Betreuungskräfte, Putzhilfen oder Pflegebegleiter genutzt werden.

Häusliche Krankenpflege
Betroffene erhalten für die häusliche Krankenpflege deutlich mehr Geld. Entsprechend können sie sich häufiger den Besuch von ambulanten Diensten erlauben © istock/SilviaJansen

Neu ist auch: Über die sogenannte Kombinationsleistung kann man Pflegegeld (die Geldleistung für Angehörige, siehe Tabelle) und Pflegesachleistung miteinander verknüpfen. Schöpft man dann nur einen Teil der Sachleistungen für Pflegedienste aus, überweist die Pflegekasse den Restbetrag am Monatsende aufs Konto.

Vereinfacht wurde darüber hinaus die Versorgung mit Hilfsmitteln: Empfiehlt der Gutachter der Pflegekasse beim Hausbesuch zum Beispiel Gehhilfen oder Duschstühle, um die Selbstständigkeit zu verbessern, gilt der Antrag damit als gestellt. Es müssen keine Formulare ausgefüllt oder ärztliche Atteste eingereicht werden.

Weitere Infos bietet der „Praxisratgeber Pflegeversicherung“ von André Wieprecht und Annett Wieprecht-Kotzsch, selbst Eltern eines pflegebedürftigen Kindes. Das Buch fasst alle Ansprüche und Leistungen nach neuem Recht verständlich zusammen (19,95 Euro, Walhalla Rechtshilfen).

 

Häusliche Krankenpflege: Wer seine Angehörigen pflegt, ist nun endlich auch sozial besser abgesichert

Pflegende Angehörige profitieren ebenfalls von der Reform. Sie werden nun stärker unterstützt. Zum Beispiel bekommen sie seit Januar mehr Rentenbeiträge gutgeschrieben. Künftig müssen sie ihren Angehörigen nur noch mindestens zehn Stunden pro Woche pflegen statt bisher 14 Stunden, um Rentenpunkte zu erhalten. Je mehr Pflege selbst übernommen wird, desto mehr Rente erhält man später. Voraussetzungen: der Pflegebedürftige hat mindestens Pflegegrad 2, die Pflege muss sich auf mindestens zwei Tage erstrecken und die Pflegeperson darf höchstens 30 Wochenstunden arbeiten. Wichtig zu wissen: Der Rentenanspruch wird nur auf Antrag bei der Pflegekasse gewährt. Pflegen mehrere Angehörige mindestens zehn Stunden, kann jeder Rentenbeiträge erhalten. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach dem Wohnort und Pflegegrad des Pflegebedürftigen (Spanne: 5,22 Euro bis 29,30 im Monat).

Häusliche Krankenpflege – mehr Geld
Pflegende Angehörige werden zukünftig stärker unterstützt und bekommen mehr Rentenbeiträge © istock/dolgachov

Die Pflegekasse zahlt auch Arbeitslosen-Beiträge, wenn jemand der Pflege wegen seinen Job aufgibt. So hat man nach Beendigung der Pflege sofort Anspruch auf Arbeitslosengeld. Auch hier muss die Pflege wenigstens zehn Stunden wöchentlich und an zumindest zwei Tagen stattfinden

Über mehr Entlastung im Alltag können sich pflegende Angehörige ebenfalls freuen. Zum einen können sie sich durch die höheren Beiträge eher Unterstützung durch eine teilstationäre Tages- und Nachtpflege leisten. Zum anderen sind dank des jährlichen Zuschusses für stationäre Kurzzeitpflege (alle Pflegegrade, max. 1 612 Euro) oder ambulante Ersatzpflege (ab Pflegegrad 2, max. 1 612 Euro) Verschnaufpausen flexibler nutzbar.

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