Häusliche Krankenpflege gibt es nicht für jeden!

Redaktion PraxisVITA
Die Intensität der häuslichen Krankenpflege hängt vom Pflegegrad ab
Die Intensität der häuslichen Krankenpflege hängt vom Pflegegrad ab

Wenn der Gutachter zur Feststellung eines Pflegegrades kommt, geht es um die Frage: „Was kann die Person noch allein?“ – Dabei wird auch festgestellt, wie viel häusliche Krankenpflege in Anspruch genommen werden kann.

Wer einen Antrag auf Pflegeleistungen stellt, bekommt in der Regel innerhalb von 25 Arbeitstagen Besuch von einem Gutachter. Für gesetzlich Versicherte ist der MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) zuständig. Medicproof übernimmt die Begutachtung für privat Versicherte. Aktuell kann es jedoch länger dauern, da die Frist bis zum 31.12. ausgesetzt wurde. Der Gutachter soll ermitteln, in welchen Bereichen die Selbstständigkeit noch vorhanden und wo sie eingeschränkt ist. Insgesamt fließen sechs Lebensbereiche, sogenannte Module, in die Bewertung ein. Um die anschließende häusliche Krankenpflege besser planen zu können, schaut sich der Gutachter aber auch die Haushaltsführung und die Fähigkeit, an außerhäuslichen Aktivitäten teilnehmen zu können, an. Übrigens: Welche Pflegehilfsmittel Ihnen gesetzlich zustehen und wie diese eingesetzt werden können, erfahren Sie in unserem Artikel „Pflegehilfsmittel: Was Ihnen gesetzlich zusteht.“

 

Die Stufen der Selbstständigkeit

In den meisten Modulen erfolgt die Bewertung auf einer vierstufigen Skala: selbstständig, überwiegend selbstständig, überwiegend unselbstständig sowie unselbstständig. Selbstständig bedeutet, dass die Person eine Aktivität komplett ohne fremde Hilfe erledigen kann. „Dabei ist völlig egal, wie viel Zeit sie dafür benötigt“, erklärt Katrin Buntrock, Pflegeberaterin bei der Krankenkasse BKK VBU. Dauert die morgendliche Körperpflege beispielsweise eine Stunde, ist die Person dennoch selbstständig. „Das gilt auch, wenn sie nur dank Hilfsmittel wie Duschhocker und Haltegriffen allein duschen kann“, führt Katrin Buntrock weiter aus.

                                                                                                                                             

 

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© curablu

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Wie viel häusliche Krankenpflege für welche Bedürftigen?

Erst wenn die Hilfe einer anderen Person benötigt wird, ist die Selbstständigkeit eingeschränkt. Bei überwiegend selbstständigen Menschen besteht für die Pflegekraft nur ein geringer Aufwand. „Für das Beispiel der Körperpflege könnte das bedeuten, dass die Pflegeperson die Seife von der Ablage nehmen und dem Pflegebedürftigen in die Hand geben muss, damit er sich waschen kann“, so die Expertin. Auch demente Menschen, die daran erinnert werden müssen, sich die Zähne zu putzen, sind überwiegend selbstständig. Reicht eine Aufforderung nicht mehr aus, sondern muss die Pflegekraft zeigen, wie man sich die Zähne putzt und Teilhandlungen übernehmen, wird die Person als überwiegend unselbstständig eingestuft. „Das kann zum Beispiel heißen, dass ich dem Pflegebedürftigen die Zähne putze, er aber allein ausspült. Erst wenn der Pflegebedürftige sich gar nicht mehr an der Handlung beteiligen kann, gilt er als unselbstständig“, erklärt Katrin Buntrock.

 

Der Begriff Selbstversorgung

Die Körperpflege ist nur einer von vielen Aspekten, die der Gutachter bewerten muss. Dafür hat er in der Regel eine Stunde Zeit. „Anders als bisher geht es jedoch nicht nur darum, einen Pflegegrad festzustellen. Überprüft wird auch, ob durch Reha-Maßnahmen oder Hilfsmittel eine Pflegebedürftigkeit abgewendet oder reduziert werden kann“, sagt die Expertin. Die Körperpflege gehört zum Modul Selbstversorgung, das bei der Berechnung des Pflegegrades am stärksten gewichtet wird. Weitere Kriterien, die hier betrachtet werden, sind das An- und Auskleiden und ob die Person ihre Nahrung mundgerecht zubereiten und Getränke eingießen kann. Die Fähigkeiten zu essen und zu trinken bilden eigene Kriterien. „Beim Essen geht es um die Teilhandlungen Abbeißen, Kauen und Schlucken. Jemand der sich regelmäßig verschluckt und daher beim Essen beobachtet werden muss, gilt beispielsweise als überwiegend unselbstständig“, so die Beraterin. In einem solchen Fall, ist die häusliche Krankenpflege dann unabdingbar.

Ab einem gewissen Pflegegrad ist die häusliche Krankenpflege unabdingbar
Ab einem gewissen Pflegegrad ist die häusliche Krankenpflege unabdingbar
 

Fragen an Antragsteller und die Angehörigen

Bei seinem Besuch wird der Gutachter zunächst den Antragsteller selbst befragen – auch wenn aufgrund einer Demenz eine Unterhaltung nur eingeschränkt möglich ist. So kann er sich ein Bild von den kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten machen. Dazu zählt unter anderem, ob Aufforderungen wie „Geh bitte ins Bad und wasch dir die Hände“ verstanden werden und wie gut die räumliche und zeitliche Orientierung ist. Ein Gespräch mit den Angehörigen findet ebenfalls statt. Darin werden auch psychologische Problemlagen wie aggressives Verhalten, Antriebslosigkeit oder nächtliche Unruhe thematisiert.

Der Gutachter stellt auch viele Fragen zum Umgang mit krankheits- und therapiespezifischen Anforderungen etwa: Werden die Medikamente selbstständig eingenommen? „Kann jemand das nicht, ist es für die Bewertung unerheblich, ob er Hilfe benötigt, weil er die Tabletten nicht aus dem Blister bekommt oder weil er sich die Dosierung nicht merken kann“, erläutert Katrin Buntrock. In beiden Fällen gilt die Person als unselbstständig.

 

Fähigkeiten überprüfen

Im Modul Mobilität geht es hingegen nur um die körperlichen Aspekte wie Kraft, Balance und Koordination; nicht um zielgerichtete Fortbewegung. Die Folgen kognitiver Beeinträchtigungen auf Planung, Steuerung und Durchführung motorischer Handlungen werden also nicht abgebildet. Einige Punkte aus diesem Bereich kann der Gutachter abhaken, ohne sie konkret anzusprechen. So sieht er beispielsweise, ob die Person eine stabile Sitzposition halten kann und wie sie sich durch die Wohnung bewegt. Ein weiteres Kriterium ist die Fähigkeit, selbstständig Treppen zu steigen. „Und das unabhängig davon, ob es in der Wohnung überhaupt Treppen gibt“, betont Katrin Buntrock, „das ist eine Revolution in der Pflegebegutachtung!“ Wer beim Treppensteigen gestützt oder gar festgehalten werden muss, gilt als überwiegend unselbstständig. Die häusliche Krankenpflege kann in solchen Fällen wegweisend sein, um den Bedürftigen einen geregelten Alltag zu ermöglichen.

 

Unterstützung durch Experten

Um sich bestmöglich auf den Besuch des Gutachters vorzubereiten, sollte man das Beratungsangebot der bundesweit rund 550 Pflegestützpunkte in Anspruch nehmen, empfiehlt Katrin Buntrock. Diese bieten zudem Unterstützung bei einem Widerspruch gegen die Einstufung in einen Pflegegrad an.

 

Bewertung der Pflegebedürftigkeit

10 % Mobilität

15 % Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Verhaltensweisen und deren Problemlagen

40 % Selbstversorgung (z. B. Körperpflege, Ernährung)

20 % Umgang mit krankheitsspezifischen/ therapiebedingten Anforderungen

15 % Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte

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