Hämorrhoiden in der Schwangerschaft: Welche Behandlung hilft?

Verena Elson Medizinredakteurin

Nicht gefährlich, aber lästig: Hämorrhoiden in der Schwangerschaft sind ein weit verbreitetes Phänomen. Warum trifft es Schwangere so häufig und was hilft?

Eine Schwangere sitzt auf dem Bett
Etwa jede zweite Schwangere leidet an Hämorrhoiden Foto:  iStock/gpointstudio
Inhalt
  1. Schwangerschaft: Hämorrhoiden durch Hormonumstellung  
  2. Hämorrhoiden nach der Schwangerschaft: Wie lange bleiben die Hämorrhoiden nach der Geburt?
  3. Hämorrhoiden in der Schwangerschaft: Hausmittel und Tipps

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft betreffen etwa die Hälfte aller werdenden Mütter. Im Zuge der Schwangerschaft kommt es zu Veränderungen im Körper, die die Entstehung sogenannter Hämorrhoidalleiden begünstigen. In der Regel lassen sich die Beschwerden aber mit einfachen Hausmitteln schnell lindern.

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Schwangerschaft: Hämorrhoiden durch Hormonumstellung  

Der Begriff Hämorrhoiden bezeichnet eigentlich das Gefäßpolster um den Darmausgang – dieses sorgt zusammen mit dem Schließmuskel dafür, dass der Darm „abgedichtet“ wird.

Umgangssprachlich bezieht sich der Begriff Hämorrhoiden auf ein Leiden, bei dem dieses Gewebe vergrößert oder entzündet ist; die korrekte Bezeichnung dafür ist „Hämorrhoidalleiden“. Es äußert sich in der Regel durch Blutungen, Jucken oder Schmerzen am After; es kann aber auch symptomfrei ablaufen.

Dass Schwangere besonders häufig davon betroffen sind, hat folgende Gründe:

  • Wachsender Druck auf den Beckenboden: Der wachsende Bauch sorgt für einen höheren Druck auf den Beckenboden und damit auf die Blutgefäße des stark durchbluteten Hämorrhoidialpolsters. Die Folge: Das Blut kann von dort schlechter ablaufen und staut sich auf. Zusätzlich ist der Blutzufluss während der Schwangerschaft aus hormonellen Gründen sogar noch verstärkt, was einen Blutstau noch zusätzlich fördert.
  • Verstopfung: Die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft sowie mit wachsendem Bauch auch der Druck des Babys auf den Darm fördern die Entstehung von Verstopfung. Durch den harten Stuhl und angestrengtes Pressen kommt es leichter zu Verletzungen des Gewebepolsters um den After – die Folge sind häufig entzündete Hämorrhoiden.
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Hämorrhoiden nach der Schwangerschaft: Wie lange bleiben die Hämorrhoiden nach der Geburt?

Bei manchen Frauen, die noch „hämorrhoidenfrei“ durch die Schwangerschaft gekommen sind, entsteht durch das starke Pressen während der Geburt ein Hämorrhoidalleiden. Hämorrhoiden, die während der Schwangerschaft oder der Geburt entstanden sind, verschwinden häufig innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt wieder – in anderen Fällen bilden sich die unliebsamen Begleiter nicht vollständig wieder zurück.

 

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft: Hausmittel und Tipps

Bei schmerzenden und brennenden Hämorrhoiden in der Schwangerschaft oder im Wochenbett können pflanzliche Mittel die Symptome lindern – dazu gehören beispielsweise Salben oder Zäpfchen aus der Apotheke, etwa mit dem Wirkstoff Zaubernuss (Hamamelis virginiana).

Auch folgende Hausmittel und Tipps können bei schmerzenden Hämorrhoiden Linderung verschaffen und einer Verschlimmerung vorbeugen:

  • Sitzbäder: Ein Sitzbad mit Badezusätzen aus Kamille oder Eichenblütenextrakt empfinden viele Betroffene als wohltuend – ob das Wasser dabei körperwarm oder eher kühler sein soll, ist eine Frage des persönlichen Empfindens.
  • Kompressen: Eine kühlende Kompresse, etwa aus einem in abgekühlten Salbei- oder Kamillentee getunkten Wattepad, kann akute Beschwerden wie Jucken und Brennen schnell lindern.
  • Ballaststoffreiche Ernährung: Um Hämorrhoiden in der Schwangerschaft vorzubeugen oder eine Verschlimmerung der Symptome zu verhindern, hilft alles, was gegen Verstopfung wirkt – dazu gehört allem voran eine ballaststoffreiche Ernährung. Vollkornprodukte, Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte sollten darum täglich auf dem Speiseplan stehen.
  • Ausreichend trinken: Auch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme fördert Verstopfung – daher sollten Schwangere etwa zwei Liter täglich trinken.
  • Regelmäßige Bewegung: Bewegung hilft dabei, den Darm in Schwung zu bringen – dazu reicht schon ein regelmäßiger, flotter Spaziergang. Aber auch Sportarten wie etwa Yoga oder Schwimmen wirken verdauungsanregend.
  • Richtiges Toilettenverhalten: Auf der Toilette heißt es, starkes Pressen nach Möglichkeit zu vermeiden. Dazu sollten Schwangere dem Stuhldrang baldmöglichst nachgeben und beim Stuhlgang auf einen entspannten Beckenboden achten. Hilfreich dabei ist etwa ein Toilettenschemel, auf dem die Füße abgestellt werden – die so entstandene Körperhaltung erleichtert dem Stuhl die „Wanderung“ Richtung Darmausgang. Die Reinigung mit Wasser nach dem Toilettengang ist sinnvoll – auf parfümhaltiges feuchtes Toilettenpapier sollte aber verzichtet werden.
  • Langes Sitzen und Stehen vermeiden: Beim Stehen und Sitzen wird ein erhöhter Druck auf den Beckenboden ausgeübt – dieser kann die Hämorrhoiden-Beschwerden verschlimmern.

Verursachen die Hämorrhoiden starke Beschwerden, die sich nicht mit Hausmitteln lindern lassen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der eine alternative Behandlung vorschlagen kann. Eine Operation ist bei Hämorrhoiden in der Schwangerschaft nur in seltenen Fällen notwendig – und wenn doch, wird sie frühestens einige Monate nach der Geburt durchgeführt.

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Quellen:

What can I do to treat hemorrhoids during pregnancy?, in: mayoclinic.org

Hemorrhoids and what to do about them, in: health.harvard.edu

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