Hämoglobin: Was bedeutet der Hb-Wert?

Verena Elson Medizinredakteurin

Der rote Blutfarbstoff Hämoglobin ist überlebenswichtig für uns: Er sorgt dafür, dass alle Zellen im Körper mit Sauerstoff versorgt werden. Was bedeuten niedrige und erhöhte Hämoglobinwerte?

Eine Hand mit einem Gummihandschuh hält eine Blutprobe
Ist der Hämoglobinwert zu niedrig, liegt eine Blutarmut vor Foto:  iStock/Gab13
Inhalt
  1. Was ist Hämoglobin?
  2. Welcher Hämoglobinwert ist normal?
  3. Hämoglobin zu niedrig: Was bedeutet das?
  4. Hämoglobin erhöht: Was sind die Ursachen?
 

Was ist Hämoglobin?

Hämoglobin (Hb) ist ein Bestandteil der roten Blutkörperchen. Der Proteinkomplex verleiht dem Blut seine rote Farbe und fungiert im Körper als Transportmittel: Er transportiert den eingeatmeten Sauerstoff aus der Lunge und verteilt ihn im restlichen Körper, sodass alle Zellen mit Sauerstoff versorgt werden. Hämoglobin ist mit sogenannten Häm-Molekülen ausgestattet, die an Sauerstoffmoleküle binden können – das heißt, die Sauerstoffmoleküle können sich an dem Proteinkomplex „festhalten“ und werden so über die Blutbahn durch den Körper getragen. Hat das Hämoglobin seine Fracht abgeladen, sammelt es Kohlenstoffdiaoxid und transportiert diesen wiederum in die Lunge, wo er ausgeatmet wird. Niedrige oder erhöhte Hämoglobinwerte können auf verschiedene Erkrankungen hinweisen.

 

Welcher Hämoglobinwert ist normal?

Bei Frauen liegt ein normaler Hb-Wert zwischen 12 und 16 g/dl (Gramm pro Deziliter), bei Männern zwischen 14 und 18 g/dl. Für Kinder gelten andere Werte – der Arzt kann die Normalwerte entsprechend des Alters des Kindes aus einer Tabelle entnehmen.

 

Hämoglobin zu niedrig: Was bedeutet das?

Ein niedriger Hämoglobinwert deutet auf eine Blutarmut (Anämie) hin. Befindet sich zu wenig Hämoglobin im Blut, werden Organe und Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Das kann sich in Blässe, Müdigkeit, Schwäche, Konzentrationsproblemen, Schwindel und Kopfschmerzen äußern.

Die Ursachen einer Blutarmut lassen sich in drei Bereiche gliedern: 

  1. Starker Blutverlust
  2. Zu geringe Produktion roter Blutkörperchen
  3. Zerstörung roter Blutkörperchen

Am häufigsten führt der zweite Punkt zu einer Anämie und damit einem niedrigen Hb-Wert: Die zu geringe Produktion roter Blutkörperchen ist in der Regel auf einen Nährstoffmangel, beispielsweise einen Eisenmangel, zurückzuführen. Denn die wichtigsten „Zutaten“, die der Körper für die Herstellung der roten Blutkörperchen benötigt, sind Eisen, Folsäure und Vitamin B12. Aber auch Tumorerkrankungen wie Leukämie oder Lymphome können zu einem Mangel neugebildeter roter Blutkörperchen führen.

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Der dritte Punkt, die Zerstörung roter Blutkörperchen, kommt eher selten vor. Die roten Blutkörperchen haben eine Lebenszeit von rund 120 Tagen. Ist diese Zeit abgelaufen, sorgen spezielle Zellen im Knochenmark, der Leber und der Milz dafür, dass die Blutkörperchen „aussortiert“ und zerstört werden. Werden sie zu früh zerstört, sodass das Knochenmark den Verlust mit der Herstellung neuer Blutkörperchen nicht ausgleichen kann, spricht man von einer Hämolyse, die verschiedene angeborene oder erworbene Ursachen haben kann. Zu den typischen Symptomen einer Anämie kann dann eine gelbliche Verfärbung der Haut und der Bindehaut kommen. Diese ist auf das sogenannte Bilirubin zurückzuführen – dieser Stoff entsteht, wenn Hämoglobin abgebaut wird.

Auch eine sogenannte Hyperhydration (Überwässerung) kann einen zu niedrigen Hb-Wert zur Folge haben. Diese kommt zustande, wenn dem Körper entweder zu viel Flüssigkeit zugeführt wird, oder wenn der Körper nicht genügend Wasser ausscheidet, beispielsweise bei einem Nierenversagen. In diesem Fall ist die Anzahl der roten Blutkörperchen zwar nicht zu niedrig, doch das Blutvolumen ist erhöht, sodass das Verhältnis zwischen Blutmenge und Anzahl der Blutkörperchen nicht mehr optimal ist.

Bei einem zu niedrigen Hämoglobinwert wird der Arzt zunächst weitere Blutwerte bestimmen, um die Ursache herauszufinden. Besteht diese beispielsweise in einem Eisenmangel, reicht die Einnahme von Eisenpräparaten zur Behandlung aus. Leidet der Patient an einem starken Blutverlust, kann eine Bluttransfusion notwendig werden. Steckt eine andere Erkrankung hinter dem niedrigen Hb-Wert, wird eine entsprechende Behandlung veranlasst.

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Hämoglobin erhöht: Was sind die Ursachen?

Der Hb-Wert ist in der Regel dann erhöht, wenn der Körper einen Sauerstoffmangel ausgleichen will und aus diesem Grund vermehrt rote Blutkörperchen bildet. Das kann beispielsweise bei einem Aufenthalt im Hochgebirge der Fall sein, aber auch bei einer Lungenerkrankung. Durch die Zunahme roter Blutkörperchen (Polyglobulie) wird das Blut dicker und das Risiko für Durchblutungsstörungen und daraus folgende Gefäßverschlüsse steigt. Darum kann eine Aderlass-Therapie notwendig werden, bei der dem Patienten in regelmäßigen Abständen Blut abgenommen und durch Flüssigkeit ersetzt wird, um das Blut wieder zu „verdünnen“.

Ein erhöhter Hämoglobinwert kann auch auf eine Dehydrierung zurückzuführen sein. Die Anzahl der roten Blutkörperchen ist dann nicht wirklich zu hoch – das Blutvolumen ist vielmehr zu niedrig, sodass im Verhältnis zu viele rote Blutkörperchen vorhanden sind.

Quellen:
Beers, Mark H. (Hrsg.), 2005: Handbuch Gesundheit, München: Wilhelm Goldmann Verlag.

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