Hält mich das Trend-Spiel „Pokémon Go“ gesund?

wie wirkt sich Pokémon Go auf die Gesundheit aus
Schädlich oder nützlich – wie wirkt sich Pokémon Go auf die Gesundheit aus? © Alamy

Seit dieser Woche ist das Smartphone-Spiel „Pokémon Go“ erhältlich – und sorgt dafür, dass Kinder, Teenager und Erwachsene gleichermaßen in der Stadt und auf dem Land unterwegs sind, um kleine virtuelle Monster einzufangen. Praxisvita erklärt, welche gesundheitlichen Vor- und Nachteile das Spiel haben kann.

Momentan sieht man sie überall: Menschen, die auf ihr Smartphone starren, um die nächste Ecke huschen und dort in leisen Jubel ausbrechen. Der Grund: Die Smartphone-App „Pokémon Go“. Darin suchen die User kleine virtuelle Monster – die sogenannten Pokémon – und versuchen sie einzufangen. Pokémon können sich überall verstecken: In der Stadt, auf dem Land oder am Meer. Per GPS-Signal werden die Spieler zu  den Verstecken der kleinen Monster geführt. Um sie einzufangen, wird über den Bildschirm gewischt und so ein virtueller Pokéball geworfen. „Pokémon Go“ bricht derzeit alle Rekorde: Mittlerweile hat das Spiel täglich mehr Nutzer als der Kurznachrichtendienst „Twitter“. Doch welche gesundheitlichen Vor- und Nachteile hat die Trend-App? Praxisvita gibt einen Überblick.

 

Beeinflusst „Pokémon Go“ mein Gehirn?

„Pokémon Go“ spricht das Belohnungssystem in unserem Gehirn an. Fängt man ein neues, seltenes Pokémon, werden vermehrt Botenstoffe freigesetzt, die Glücksgefühle auslösen, darunter auch den Botenstoff Dopamin. Der aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn und löst ein Wohlgefühl aus.

Spielt man regelmäßig „Pokémon Go“, werden Verknüpfungen zwischen Nervenzellen gestärkt und die Lernfähigkeit des Gehirns auf diese Weise trainiert. Je häufiger man es wiederholt, desto stärker wird diese Verknüpfung. Spürt man also das Vibrieren des Handys in der Tasche, sobald ein neues Pokémon in der Nähe ist, reagiert das Gehirn auf diesen Reiz und aktiviert das Belohnungssystem.

Gleichzeitig spielt bei „Pokémon Go“ allerdings auch der Suchtfaktor eine große Rolle. Denn wie auch beim Glücksspiel fordert das Gehirn zum Weiterspielen auf, um erneut das Wohlgefühl durch Dopamin zu bekommen. Mit fortlaufender Spieldauer fällt es dann immer schwerer, dieser Forderung zu widerstehen und es kommt zu einem Suchtverhalten.

 

Mehr Bewegung dank einer Spiele-App

Auch die körperliche Gesundheit kann von „Pokémon Go“ profitieren: Wenn Sie die virtuellen Charaktere fangen möchten, müssen Sie sich nämlich auch selbst auf den Weg machen. Das Spiel ermuntert auf diese Weise kleine und große Fans zur Bewegung. „Pokémon Go motiviert die Leute, rauszugehen, einen Spaziergang zu machen und mit anderen zu sprechen“, urteilt der Psychologe  John M. Grohol im Magazin PsychCentral. Eine niederländische Studie konnte zeigen, dass körperlich Aktive deutlich länger leben als Bewegungsmuffel. Bewegung fördert aber nicht nur die Gesundheit und Entwicklung von Kindern – sie macht auch glücklich und lindert sogar Depressionen. Die Erklärung: Bei körperlicher Aktivität produziert das Gehirn nämlich ein Glückshormon namens VGF – und das wirkt wie ein natürliches Antidepressivum.  Außerdem stärkt sanfte Bewegung das Herz. Sie senkt Blutdruck, Körpergewicht, Cholesterinspiegel und das Stresslevel – alles wichtige Faktoren für die Herzgesundheit. Regelmäßige Bewegung beugt sogar Krebs vor – „Pokémon Go“ kann also Leben retten. Übrigens: viele Leute mussten schon feststellen, dass Sonne zu Sonnenbrand führen kann. Denken Sie also an den richtigen Sonnenschutz, wenn Sie das nächste Mal auf der Jagd nach den kleinen Taschenmonstern sind.

 

„Pokémon Go“ schweißt zusammen

Auch die soziale Interaktion fördert „Pokémon Go“: Spieler treffen sich durch Zufall auf der Straße oder gehen gemeinsam auf die Suche nach Pikachu & Co. Diese spontanen Begegnungen halten gesund! Laut einer Untersuchung der University of North Carolina hat Einsamkeit ungefähr die gleichen Effekte auf die Lebenszeit, wie das regelmäßige Zigarettenrauchen.  

Andere Studien konnten zeigen, dass soziale Interaktion den Blutdruck senkt, das Immunsystem stärkt und sogar vor Krebs schützt. Demzufolge haben Menschen mit einem festen Freundes- und Bekanntenkreis eine durchschnittlich 7,5 Jahre höhere Lebenserwartung als die, die in einem schwachen sozialen Umfeld leben. 

 

Handy-Nacken und Smartphone-Daumen

Wer es mit dem Pokémon-Zocken übertreibt, riskiert einen sogenannten Handy-Nacken. Die Krankheit entsteht, wenn der Gamer stundenlang mit herabhängendem Kopf auf das Display blickt und versucht, die virtuellen Monster einzufangen. In einer Beugung der Halswirbelsäule von etwa 15 Grad nach vorn wirken statt der vier bis sechs Kilo Kopfgewicht zusätzlich 13 Kilo auf den Rücken. Je weiter der Kopf nach vorne geneigt wird, desto stärker ist die Belastung. Beim Blick aufs Smartphone senkt der Zocker seinen Kopf meist um mehr als 45 Grad – somit wirken Kräfte von über 20 Kilo. Wer täglich und mehrere Stunden auf der Suche nach Pokémon ist, strapaziert seine Muskeln, Sehnen und Bandscheiben. Auch die Halswirbelsäule wird überlastet. Muskelverhärtungen, Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich, Kopfschmerzen und Verschleißerscheinungen sind die Folge.

Übrigens: Seit die Smartphone-Nutzung ständig weiter ansteigt, treten auch immer neue Krankheitsbilder auf, wie zum Beispiel der Smartphone-Daumen. Personen, die stundenlang auf ihrem Display herumtippen, leiden öfter unter einer Sehnenscheidenentzündung im Daumen, als Gelegenheits-Tipper. Auch zeitweise taube Daumen oder Dellen in den Fingern von den Smartphone-Kanten sind keine Seltenheit mehr. Unser Tipp um Handy-Nacken und Co. entgegen zu wirken: Öfter mal die Körperhaltung wechseln und Lockerungsübungen für die Finger machen.

Hamburg, 14. Juli 2016

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