Haben Sie das „Kaffee-Gen“?

Verena Elson Medizinredakteurin

Ob wir zur Gruppe der Kaffeejunkies gehören, die kaum ein paar Stunden ohne den Wachmacher überbrücken können, liegt in unseren Genen, wie australische Forscher jetzt herausfanden. Dabei stießen sie auf einen kuriosen Zusammenhang.

Eigentlich sollte Kaffee uns gar nicht schmecken. Warum tut er es trotzdem? Eine australische Studie liefert darauf eine mögliche Antwort
Eigentlich sollte Kaffee uns gar nicht schmecken. Warum tut er es trotzdem? Eine australische Studie liefert darauf eine mögliche Antwort Foto:  AleksandarNakic/iStock

Ein bitterer Geschmack ist eigentlich ein Warnzeichen, das unserem Körper signalisiert: Ausspucken, das ist giftig! Doch obwohl das in Kaffee enthaltene Koffein bitter schmeckt, sind einige von uns geradezu abhängig davon. Das Kuriose: Gerade Menschen, die den bitteren Geschmack im Kaffee besonders intensiv wahrnehmen, sind häufig leidenschaftliche Kaffeetrinker – das fanden Daniel Hwang und seine Kollegen an der University of Queensland im australischen Brisbane heraus.

In ihrer aktuellen Studie untersuchten sie den Zusammenhang zwischen den Geschmacksrezeptoren für Bitterstoffe und die Vorlieben für Kaffee und Tee. Beide Getränke enthalten das bitter schmeckende Koffein, während Kaffee zusätzlich den Bitterstoff Chinin enthält. Zunächst machten die Wissenschaftler sich in einer Gendatenbank auf die Suche nach Genvarianten, die uns Koffein oder Chinin intensiver schmecken lassen – und fanden eine Genvariante für jede der beiden Geschmacksnuancen.

Eine Frau hält einen Pappbecher mit Kaffee
Service Diese Wirkung von Kaffee kannten wir noch nicht

 

Wer Koffein intensiver schmeckt, trinkt mehr Kaffee

Nun könnte man annehmen, dass Menschen, für die Koffein besonders bitter schmeckt, Kaffee eher verschmähen und – wenn überhaupt – eher zu Tee greifen. Doch die Auswertung der Daten von mehr als 430.000 Briten ergab genau das Gegenteil: Menschen mit besonders empfindlichen Rezeptoren für Koffein gehören mit einer um 20 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit zur Gruppe der „starken Kaffeetrinker“ – das heißt, sie trinken mehr als vier Tassen pro Tag. Gleichzeitig trinken sie seltener Tee als Menschen mit anderen Genvarianten.

Woher kommt dieser Zusammenhang? Das kann die Studie nicht beantworten, die Forscher haben jedoch eine Vermutung. Demnach handelt es sich dabei um eine Art Konditionierung: Menschen mit dem „Kaffee-Gen“ haben gelernt, den bitteren Geschmack des Getränks mit seiner positiven Wirkung – also dem muntermachenden Effekt – in Verbindung zu bringen. Womöglich reagieren sie auch allgemein empfindlicher auf Koffein, was seine positive Wirkung und damit auch den Trink-Anreiz für sie verstärken würde.

Quelle:
Hwang, D. L.D. et al. (2018): Understanding the role of bitter taste perception in coffee, tea and alcohol consumption through Mendelian randomization, in: Scientific Reports.

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