Haben Sie Angst vor dem Chlorhuhn? – Behörde kritisiert „intuitive“ Verbraucherangst

Huhn gechlort
Der Verzehr von Chlorhühnern ist gesundheitlich völlig unbedenklich. Deutsche Behörden kritisieren nun den deutschen Verbraucher als zu intuitiv und unsachlich, wenn es um Lebensmittel geht © Fotolia

Deutsche Behörden halten den Verzehr von gechlorten Hühnchen für gesundheitlich unbedenklich. Nach Aussagen von Behördenvertretern sei das in den USA übliche Verfahren, Fleisch in einem Chlorbad zu desinfizieren, sogar für die Lebensmittelhygiene von Vorteil. Die Angst deutscher Verbraucher sei dagegen unsachlich und fehlgeleitet. Hintergrund ist die Einfuhr von amerikanischem Hühnerfleisch auf dem deutschen Markt im Zuge des geplanten Freihandelsabkommen (TTIP).

Für den Verbraucher ist der Verzehr von gechlortem Hühnerfleisch völlig unbedenklich. Das erklärten Forscher und leitende Vertreter des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und bezeichneten die Angst der Verbraucher vor dem Chlorhuhn als nicht sachgerecht, überzogen und fehlgeleitet. Viel mehr sei die Behandlung von keimanfälligem Hühnerfleisch mit Chlorverbindungen als weitere Desinfizierungsmaßnahme eine Methode, die zu einer größeren Produkthygiene führen würde und somit zur Verbrauchersicherheit beitragen könne.

Lüppo Ellerbroek – Fachgruppenleiter für Lebensmittelhygiene beim BfR – forderte von deutschen Verbrauchern, die Debatte um das Chlorhuhn und der Möglichkeit des Imports von gechlortem Fleisch aus den USA, zu versachlichen. "Das Chlorhühnchen ist nach unserer Auffassung nicht gesundheitsschädlich für den Verbraucher", erklärte der Wissenschaftler weiter.

 

Der Verbraucher ist beim Chlorhuhn zu intuitiv

In den USA wird nach Aussagen des BfR Hühnerfleisch seit jeher gechlort. Für Verbraucher entstehen durch den Verzehr von so behandeltem Fleisch keine gesundheitlichen Risiken. Vielmehr müsse man erkennen, dass „das deutsche Huhn auf keinen Fall gesünder als das US-Chlorhuhn sei“, berichtigt Ellerbroek. Damit stellt sich das BfR hinter die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa, die nach Aussagen des Forschers das Chlorhuhn ebenfalls als gesundheitlich unbedenklich bewertet.

Der Präsident des BfR, Andreas Hensel, ging sogar noch einen Schritt weiter und äußerte sich im Gespräch mit der dpa kritisch gegenüber der unsachlichen Ablehnung des US-amerikanischen Chlorhuhns durch den Verbraucher. Gesundheitsgefahren durch bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln betrachtet der Mensch „vor allem intuitiv“. Diese – nach Meinung von BfR-Präsident Hensel – eher emotionale und oft zu lebensmittelkritische Herangehensweise habe „mit Statistik und Toxikologie oft wenig zu tun.“

 

Freihandelsabkommen soll das Chlorfleisch bringen

Hintergrund der Debatte ist das geplante Freihandelsabkommen mit den USA. Mit diesem Abkommen würde sich der europäische Lebensmittelmarkt öffnen müssen. Kritiker befürchten, dass dadurch die strengeren Richtlinien zur Lebensmittelhygiene aufgeweicht werden könnten.

Hamburg, 11. Juni 2014

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