Haare glätten: Wie schädlich ist es wirklich?

Michelle Kröger

Glänzendes, seidig-glattes Haar – davon träumt wohl jede Frau. Doch nicht jeder ist von Natur aus mit solch einer glatten Mähne gesegnet. Wer krauses, welliges oder lockiges Haar hat, muss sich zu helfen wissen, um sein Ziel zu erreichen. In diesem Zusammenhang greifen die meisten von ihnen zum Glätteisen. Haare glätten klingt so einfach. Aber: Was passiert dabei mit dem Haar? Ist es wirklich so schädlich, wie viele behaupten? Und muss man beim Haare glätten etwas Bestimmtes beachten? Make-Up Artist und Hairstylist Sabine Overbeck weiß, was das Haareglätten für unsere Mähne bedeutet.

Frau werden Haare geglättet
Beim Haare glätten sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass ein Hitzeschutz vorab ins Haar gegeben wird Foto:  iStock/MilanMarkovic
Inhalt
  1. Haare glätten: Was passiert dabei mit dem Haar?
  2. Was kann ich machen, damit das Glätten nicht schädlich ist?
  3. Sollten strapazierte Haare lieber kraus bleiben?
  4. Allgemeine Tipps fürs Haareglätten: Wie klappt’s am besten?
  5. Muss ich mein Glätteisen reinigen?
 

Haare glätten: Was passiert dabei mit dem Haar?

“Beim Haareglätten werden die Hornschuppen der Haare durch die Hitze des Glätteisens aneinandergepresst”, sagt Expertin Sabine Overbeck, seit über 20 Jahren in der Beauty-, Medien- und Modebranche tätig. Lockige Haare werden demnach durch die Wärme des Glätteisens verformt. “Beim Auskühlen kommt es zu starkem Glanz der Haare, hervorgerufen durch die nun glatte Oberfläche.” Da die Wärme des Glätteisens die Haare jedoch strapaziert, sollte nicht zu häufig zum Glätteisen gegriffen werden. Da der sogenannte Sleek-Look meist ein paar Tage lang hält, ist es ohnehin nicht nötig, täglich zum Glätteisen zu greifen. Wenn ein paar Haare aber nicht so liegen, wie sie sollten, empfiehlt es sich, nur die oberste Partie etwas nacharbeiten, um das restliche Haar zu schonen. Ein Hitzeschutz sollte vor dem Glätten jedoch immer ins Haar gearbeitet werden, rät Expertin Sabine Overbeck.

 

Was kann ich machen, damit das Glätten nicht schädlich ist?

Auch wenn die Verwendung eines Hitzeschutzes schon einmal vor größeren Schäden bewahrt, können regelmäßige Glättmanöver zu Haarschäden führen. “Wichtig ist, dass die Haare wirklich total trocken sind. Zwischen dem Föhnen und dem Glätten sollte man eine halbe Stunde warten”, sagt Overbeck. Außerdem sollte der individuelle Haartyp berücksichtigt werden. “Bei feinem Haar kann man mit einem Glätteisen arbeiten, welches eine Stufenregulierung hat”, sagt sie.

Bei der Anschaffung eines Glätteisens sollte man unbedingt auf die Qualität achten. “Man sollte gute, wertige Produkte benutzen und nicht am falschen Ende sparen”, so die Hairstylistin. Zudem helfen regelmäßig verwendete Feuchtigkeitsmasken dabei, das Haar bestmöglich zu pflegen und vor Schäden zu schützen.

 

Sollten strapazierte Haare lieber kraus bleiben?

Bei strapazierten Haaren muss nicht komplett auf das Haare glätten verzichtet werden, aber zumindest ist Vorsicht bei der Verwendung des Eisens geboten. “Strapazierte Haare sollten vor dem Glätten in den Spitzen mit einer schützenden Haarlotion (oder Creme) extra behandelt werden“ sagt Overbeck. Außerdem sollte das Glätteisen nicht heißer sein, als 100 Grad, wenn feines Haar behandelt wird.

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Allgemeine Tipps fürs Haareglätten: Wie klappt’s am besten?

Haare glätten ist einfach, wenn man ein paar Dinge beachtet:

  • Das Waschen und Trocknen: Haare nach der Wäsche ausreichend lange föhnen und vollständig trocknen lassen. Am besten nach dem Föhnen noch weitere 30 Minuten mit der Glättung warten. Außerdem beim Föhnen eine Bürste verwenden, die (teilweise) natürliche Borsten (z.B. Wildschweinborsten) enthält. So kann man verhindern, dass sich die Haare aufladen und abstehen.
  • Der Hitzeschutz: Je nach Produkt sollte vor dem Föhnen (ins handtuchtrockene Haar) oder vor dem Glätten (ins trockene Haar) ein Hitzeschutzprodukt gegeben werden. Diese gibt es zum Beispiel in Spray- oder Lotion-Form.
  • Das Glätteisen: Wie bereits erwähnt, sollten Sie lieber nicht sparen, wenn es um ein Glätteisen geht. “Wichtig ist es, gute Glätteisen zu benutzen. Mit Hitzeregulierung und guten Wärmeplatten, in Markenqualität”, so die Haar-Expertin.
  • Das Abteilen: Nun sollten Sie die Haare in Partien abteilen und hochstecken. Am besten beginnen Sie damit, am unteren Hinterkopf eine etwa zwei Zentimeter breite Partie abzuteilen. Das restliche Haar stecken Sie einfach locker am Oberkopf fest, sodass es sie nicht beim Glätten stört. Dann arbeiten Sie sich von Partie zu Partie – von unten nach oben.
  • Die Technik: Strähne spannen und mit sanften Druck das Glätteisen über das Haar gleiten lassen. Wichtig: “Bitte immer von dem Haaransatz zu den Haarspitzen arbeiten”, so Overbeck. Tipp: Je feiner die Haarsträhne, desto näher kommen Sie an den Ansatz heran. “Die einzelnen Strähnen außerdem immer im rechten Winkel halten, dadurch fällt das geglättete Haar fülliger auf die Schultern.”
  • Die Geschwindigkeit: Schnell ist nicht gleich besser! Nehmen Sie sich Zeit: “Das Eisen langsam durchziehen und dabei einen Führungskamm benutzen, der die Strähne vorher noch richtig glättet”, empfiehlt die Spezialistin.
  • Die Abschlusspflege: Am Ende sollte noch etwas Pflegendes in die Spitzen gegeben werden. “Zum Beispiel eine pflegende Stylingcreme. Oder Haarwachs, das sieht cool aus und die Haare fliegen nicht.” Auch nährende Haaröle sind empfehlenswert.
 

Muss ich mein Glätteisen reinigen?

Die Reinigung des Glätteisens ist essenziell. Alle Hair-Tools müssen regelmäßig von Staub und Produktresten befreit werden. Dazu mit einem sanften Mikrofasertuch über die Platten gehen und Rückstände entfernen. Bei ganz hartnäckigen Flecken können Sie ein wenig warmes Wasser hinzunehmen. Wichtig: Die Reinigung des Glätteisens darf nur in kaltem – heißt: ausgeschaltetem – Zustand geschehen, wenn es nicht an den Strom angeschlossen ist.

Unsere Expertin

Sabine Overbeck ist Make-Up Artist und Hairstylist. In ihrer Hamburger Visagistenschule lehrt sie die Kunst des Make-Ups und Hairstylings.

Quellen:

Interview S. Overbeck

Zhou, Y., et al. (2011): The effect of various cosmetic pretreatments on protecting hair from thermal damage by hot flat ironing, in: Journal of cosmetic science 62.2, 265

Hahn, Jaesik, et al. (2015): Integrating Design Methodology, Thermal Sciences, and Customer Needs to Address Challenges in the Hair Care Industry, in: ASME 2015 International Design Engineering Technical Conferences and Computers and Information in Engineering Conference. American Society of Mechanical Engineers

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