Guter Schlaf schützt vor Frühgeburten

Verena Elson Medizinredakteurin
Ein Neugeborenes im Arm seiner Mutter
Die meisten Kinder kommen zum geplanten Zeitpunkt oder wenige Tage oder Wochen früher oder später zur Welt. Neben einem gesunden Lebensstil hilft auch ein gesunder Schlaf, einer Frühgeburt vorzubeugen, zeigt eine aktuelle Studie © iStock

Schlafstörungen in der Schwangerschaft erhöhen das Risiko einer Frühgeburt, lautet das Ergebnis einer großangelegten US-amerikanischen Studie. Was können Schwangere tun um vorzubeugen?

Jedes Jahr kommen weltweit 15 Millionen Babys als Frühgeburt zur Welt (vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche), das ist mehr als jedes zehnte Baby. Diese Kinder haben nicht nur weniger Zeit, sich im Mutterleib zu entwickeln, es ist für sie auch im weiteren Leben häufig schwer – Lernschwierigkeiten, Gehörschäden und die zerebrale Kinderlähmung (entsteht im Gegensatz zur infektiösen Kinderlähmung durch Funktionsstörungen des Gehirns) sind einige der möglichen Folgen einer Frühgeburt.

Das Team um Jennifer Felder von der University of California in San Francisco wertete die Daten von fast drei Millionen Frauen aus, die zwischen 2007 und 2012 in Kalifornien Kinder zur Welt brachten. Bei rund 2.300 von ihnen war während der Schwangerschaft eine Schlafstörung diagnostiziert worden – darunter in den meisten Fällen Ein- und Durchschlafprobleme oder Schlafapnoe (starkes Schnarchen mit Atemaussetzern).

 

Schlafstörungen erhöhen Frühgeburt-Risiko

Bei 14,6 Prozent der Frauen mit diagnostizierten Schlafstörungen kam es zu einer Frühgeburt. In der Gruppe der Frauen ohne Schlafstörungen waren es 10,9 Prozent. Demnach erhöhen Ein- und Durchschlafstörungen in der Schwangerschaft das Risiko einer Frühgeburt um 30 Prozent, eine Schlafapnoe um 40 Prozent.

Doch wie hängen Schlaflosigkeit und Frühgeburten zusammen? Diese Frage kann die Studie nicht beantworten. Studienleiterin Felder hält es für unwahrscheinlich, dass die Frühgeburten eine direkte Folge der Schlafstörungen sind. Aber sie könnten andere Prozesse wie Entzündungen fördern, die schließlich die Frühgeburt verursachen.

 

Was können Schwangere tun?

Schwangere, die an Ein- und Durchschlafstörungen leiden, sollten ihrem behandelnden Arzt davon erzählen. Denn es gibt Therapiemaßnahmen, die ohne Medikamente auskommen. Als effektiv hat sich die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie erwiesen. Das Ziel dieser Therapieform ist es, festgefahrene Gedankenmuster, die die Betroffenen am Ein- und Durchschlafen hindern, zu durchbrechen und das Denken „umzulernen“. Auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training können Schwangeren helfen, besser zu schlafen. Weitere Maßnahmen gegen Schlafstörungen in der Schwangerschaft sind:

  • Eine gute Schlafhygiene
  • Ein warmes Bad vor dem Zubettgehen – mit Kräuterextrakten von Melisse oder Lavendel
  • Eine schlaffreundliche Ernährung
  • Pflanzliche Mittel, beispielsweise mit Hopfen (Schwangere sollten mit ihrem Arzt besprechen, was für sie in Frage kommt)
  • Sport
  • Alleine schlafen: Schwangere, deren Partner sie durch Bewegungen, Schnarchen oder laute Atemgeräusche am Einschlafen hindert, sollten ihn bitten, für die Dauer der Schwangerschaft ein anderes Schlafquartier zu beziehen – in einigen Fällen ist das die Lösung für die Ein- und Durchschlafprobleme

Schwangere Frauen, die stark schnarchen oder eine diagnostizierte Schlafapnoe haben, sollten ebenfalls mit ihrem Arzt sprechen. Gegebenenfalls kommt für sie das nächtliche Tragen einer Atemmaske infrage, die durch Überdruck auf den Atemtrakt der Verengung der Atemwege und Atemaussetzern entgegenwirkt.

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