Gut leben trotz Histaminintoleranz

Frische, unverarbeitete Produkte enthalten meistens wenig Histamin
Frische, unverarbeitete Produkte enthalten meistens wenig Histamin. Durch Reifung und Lagerung nimmt der Gehalt aber stark zu © shutterstock

Histamin ist lebenswichtig: Als Nervenbotenstoff ist es an der Reizweiterleitung beteiligt. Im Verdauungstrakt reguliert es die Magensaftproduktion und die Eigenbewegung des Darms, im zentralen Nervensystem den Schlaf-Wach-Rhythmus. Fehlt dem Körper ein bestimmtes Enzym, können histaminreiche Lebensmittel heftige Beschwerden verursachen.

Auch an der Bekämpfung von Krankheitserregern ist das Gewebshormon Histamin beteiligt. Gelangt es jedoch mit der Nahrung unverdaut in den Dünndarm, löst es eine Vielzahl von Beschwerden aus. Mit einer Allergie hat das nichts zu tun. Der Grund ist ein Mangel an dem histamin-spaltenden Hormon Diamino-Oxidase.

 

Auslöser

Der Histamin-Gehalt in Lebensmitteln schwankt stark. Frische, unverarbeitete Lebensmittel enthalten sehr wenig Histamin. Durch Prozesse wie Räuchern, Gärung und Reifung sowie lange Lagerung steigt der Gehalt jedoch stark an. Je länger also ein Lebensmittel gelagert wird oder reift, desto höher ist sein Gehalt an Histamin. Deswegen ist bei Käse, Wein, Sekt, aber auch Sauerkraut, Geräuchertem und Gepökeltem Vorsicht geboten.

Doch es gibt auch Lebensmittel, die – obwohl sie selbst kaum Histamin enthalten – die Histaminausschüttung im Darm begünstigen oder die Diamino-Oxidase blockieren. Diese werden Histamin-Liberatoren genannt. Dazu zählen z.B. Kakao und Schokolade, Pilze, Nüsse sowie Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Ananas und Kiwi.

 

Symptome

Die Symptome einer Histamin-Intoleranz machen sich vielfältig bemerkbar. Auch deswegen werden Sie leicht mit anderen Erkrankungen wie Reizdarm oder Allergien verwechselt. Sie haben den Verdacht, dass Sie an einer Nahrungsmittel-Intoleranz leiden? Dann schreiben Sie zwei Wochen lang alles auf, was Sie wann zu sich nehmen – auch Naschereien, Zwischenmahlzeiten und Getränke. Oft lässt sich erst durch ein solches Ernährungs-Tagebuch eine Verbindung zwischen bestimmten Lebensmitteln und Beschwerden herstellen.

 

Verdauungstrakt

Blähungen, Bauchschmerzen, Krämpfe, Durchfall und Völlegefühl können viele Ursachen haben. Hier helfen oft wirklich nur Ihre Aufzeichnungen – oder der Gang zum Arzt. Dieser sollte in jedem Fall erfolgen, wenn Beschwerden immer wieder auftreten oder länger als zwei Wochen anhalten. Denn im Extremfall kann hinter solchen Symptomen auch eine Krebserkrankung stecken.

 

Haut

Die meisten Menschen verbinden Hautausschläge, Quaddeln und Juckreiz mit allergischen Reaktionen. Ein Allergietest gibt Sicherheit. Doch auch wenn dieser positiv ist, sollte man den Verdacht der Histamin-Intoleranz im Hinterkopf behalten.

 

Atemwege

Reaktionen der Atemwege sind besonders angsteinflößend. Auch, weil sich ein harmloser Juckreiz im Rachen schnell zu Atembeschwerden und regelrechten Asthmaanfällen auswachsen kann.

 

Kopf

Die wenigsten Menschen mit wiederkehrenden Kopfschmerzen und Migräne denken daran, dass auch eine Histamin-Intoleranz Ursache dafür sein könnte.

 

Diagnose

Nehmen Sie Ihr Ernährungs-Tagebuch mit zu Ihrem Arzt. Erhärtet sich der Verdacht auf eine Histamin-Intoleranz, lässt der Arzt die Aktivität des histaminabbauenden Enzyms Diamino-Oxidase im Blut von einem entsprechenden Labor bestimmen. Doch auch eine Diät kann zur Diagnose beitragen: Verzichten Sie für drei Wochen konsequent auf histaminreiche Lebensmittel. Tritt eine Besserung ein, ist die Sache klar. Wenden Sie sich am besten mit Ihrem Verdacht an einen erfahrenen Allergologen.

 

Histaminarme Diät

Bevorzugen Sie unverarbeitete, frische Lebensmittel. Gut vertragen werden allgemein Getreideprodukte wie Brot, Brötchen, Müsli oder Nudeln sowie Kartoffeln und Reis. Auch Milchprodukte wie Buttermilch, Joghurt, Quark und Frischkäse sind unbedenklich. Bei Gemüse können Sie aus dem Vollen schöpfen: Salate, alle Kohlsorten, Gurken, Möhren, Knoblauch, Paprika, Spargel und Zwiebeln. Auch Obstsorten wie Äpfel, Pfirsiche, Pflaumen, Kirschen, Melonen und Blaubeeren werden gut vertragen. Fleisch, Geflügel, Fisch und Wurst sollten Sie nur frisch verwenden.

 

Medikamente

Histaminarme Ernährung ist oft kompliziert. Die Lösung für alle, die häufig oder regelmäßig auswärts essen müssen: Diamino-Oxidase-Enzymtabletten. Sie werden vor dem Essen eingenommen und können Beschwerden bei bestehender Histamin-Intoleranz verhindern. Entsprechende Medikamente erhalten Sie rezeptfrei aus der Apotheke.

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