Guillain-Barré-Syndrom: Ursachen, Symptome, Behandlung

Michelle Kröger

Körpereigener Angriff auf die Nerven: Das Guillain-Barré-Syndrom (kurz: GBS-Syndrom) geht mit Symptomen wie Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen an Füßen oder Händen einher. Es handelt sich um eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die recht selten vorkommt.

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Guillain-Barré-Syndrom – was ist das?

Unter dem Guillain-Barré-Syndrom versteht man eine akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (=AIDP). 1916 beschrieben drei französische Ärzte (Guillain, Barré und Strohl) das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) zum ersten Mal. “Es handelt sich um eine akute Entzündung zahlreicher Nerven des peripheren Nervensystems, bei der es durch Zerstörung der Isolierung der Nervenfasern – die sogenannte Myelinscheide – zu einer Funktionsstörung der Nerven kommt”, erklärt Dr. med. Cay Cordes, Fach- und Chefarzt der Neurologie  an der Dr. Becker Kiliani-Klinik in Bad Windsheim.

In Deutschland erkranken zirka 1.600 Menschen im Jahr an GBS. “Eine mittelgroße neurologische Akutklinik (60 Betten mit Intensivstation) behandelt pro Jahr mehrere Fälle, manchmal über viele Wochen.” 

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GBS-Syndrom: Mögliche Ursachen

“Das Guillain-Barré-Syndrom kann durch eine virale, mitunter auch bakterielle Infektion ausgelöst werden. Deshalb gibt es zu kühleren Jahreszeiten auch mehr GBS-Betroffene – dann, wenn es gehäuft zu mehr Atemwegsinfekten und Magen-Darm-Infekten kommt”, erläutert Dr. Cordes. Nach einer Infektion mit einem Erreger kommt es zur Immunreaktion, bei der der Betroffene Antikörper zur Bekämpfung der Infektion bildet. “Wenn die Erreger weg sind, richtet sich das Immunsystem gegen die eigenen Nervenzellen, da deren Oberfläche nun als fremd und nicht mehr körpereigen vom Immunsystem wahrgenommen wird”, so Dr. Cordes.

 

Was sind mögliche Symptome?

Je nach Form der GBS-Erkrankung können die Symptome des Syndroms ganz unterschiedlich sein, genauso wie der GBS-Krankheitsverlauf. Neurologe Dr. Cordes sagt: “Ein typischer Verlauf beginnt mit einem Infekt, dann nach zirka vier Wochen kommt es anfangs zu leichten Kribbelgefühlen in den Beinen und Armen und dann zu rasch aufsteigenden Lähmungen der Beine und Arme, die bis zur vollständigen Lähmung, auch der Atemmuskulatur führen können. Bis dahin dauert es meist wenige Tage, manchmal aber auch nur 24 Stunden.” Dann können die Patienten laut dem Experten nur noch die Augen bewegen und müssen beatmet werden.

Bei manchen sei auch das vegetative Nervensystem schwer betroffen mit Störungen von Kreislauf und/oder Puls. “Typischerweise sind die Patienten dabei aber bei vollem Bewusstsein und nehmen alles um sich herum wahr. Es ist so, als seien sie in ihrem eigenen Körper gefangen, was manchen Patienten große Angst macht”, sagt Dr. Cordes. 

Foto: iStock
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Formen des Guillain-Barré-Syndroms

Es gibt verschiedene Ausprägungen der GBS-Krankheit. “Das typische Guillain-Barré-Syndrom ist überwiegend mit motorischen Störungen verbunden, da vor allem motorische Nerven geschädigt werden”, so der Experte Dr. Cordes. Es könne dann zu schweren Lähmungen kommen. “Die Patienten müssen sich zurück ins Leben kämpfen – laufen und greifen wieder neu erlernen. Ein so drastischer Verlauf ist jedoch nicht zwangsläufig gegeben.”

Auf der anderen Seite gibt es aber auch besonders schwere Verläufe, bei denen es zu schweren Störungen von Atmung, Herz und Kreislauf kommt und bei denen die Patienten vorübergehend einen Herzschrittmacher benötigen. Eine andere Sonderform sei außerdem das Miller-Fisher-Syndrom, das Augenbewegungsstörungen versursache. 

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Lässt sich das Guillain-Barré-Syndrom behandeln?

Die gute Nachricht: Ja, das Guillain-Barré-Syndrom lässt sich therapieren. Chefarzt Dr. Cordes dazu: “Bei der Akutbehandlung im Krankenhaus werden Immunglobuline, also Antikörper, intravenös verabreicht. Alternativ ist auch eine Plasmapherese, also ein Blutwäsche-Verfahren, mit dem man fehlgeleitete Antikörper entfernt, möglich.” Die Patienten benötigen über diese Zeit eine intensivmedizinische Überwachung, gegebenenfalls auch eine Beatmung und Herzschrittmacher.

Nach Abschluss der akuten intensivmedizinischen Therapie erfolge dem Facharzt zufolge die Rehabilitation entweder in einer neurologischen Frührehabilitationsklinik (z.B. die Dr. Becker Kiliani-Klinik Bad Windsheim) mit Fortführung von Beatmung und frühestmöglichem Beginn von Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie. Oder die Patienten können direkt in eine normale neurologische Rehabilitation (Phase C oder D, auch in Bad Windsheim möglich), um die verloren gegangenen Funktionen durch hochfrequentes und intensives Training über Wochen und Monate wieder aufzubauen.

Ob eine Frührehabilitation oder normale neurologische Rehabilitation angebracht ist, hängt von der Schwere des Krankheitsverlaufs ab. “Im Zweifel beraten hier die Medizinerinnen und Mediziner oder der Sozialdienst im Krankenhaus”, so Dr. Cordes. Nach der intensiven Rehabilitation ist ein normales Leben möglich. Denn die Prognose zu einer Wiederherstellung der Funktionen ist beim Guillain-Barré-Syndrom im Gegensatz zu anderen chronischen neurologischen Erkrankungen gut. 

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Unser Experte: Dr. med. Cay Cordes, Chefarzt der Neurologie der renommierten Dr. Becker Kiliani-Klinik in Bad Windsheim.

Quellen:

Experteninterview mit Chefarzt der Neurologie Dr. med. Cay Cordes

Das akute Guillain-Barré-Syndrom, in: Deutsches Ärzteblatt

Guillain-Barré-Syndrom (GBS), in: MSD Manual

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