Guido Westerwelle ist tot

Rasmus Cloes
Guido Westerwelle
Der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle ist im Alter von 54 Jahren in Folge seiner Leukämie-Erkrankung gestorben © Imago

Der ehemalige Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle erlag am Freitag im Alter von 54 Jahren seiner Leukämie-Erkrankung, wie die Westerwelle Foundation mitteilte.

Im Sommer wurde bei ihm Akute Myeloische Leukämie (AML) diagnostiziert – jetzt hat der Ex-Außenminister Guido Westerwelle den Kampf gegen die Krankheit verloren. Wie die Westerwelle Foundation mitteilte, verstarb er am Freitag mit 54 Jahren.

 

Kurze Rückkehr in die Öffentlichkeit

Im Herbst 2014 wurde bei Westerwelle eine Knochenmarktransplantation durchgeführt. Im Sommer des darauffolgenden Jahres kehrte er ins öffentliche Leben zurück, im November 2015 erschien sein Buch „Zwischen zwei Leben – von Liebe, Tod und Zuversicht“.

Auf der Website der Guido Westerwelle Foundation heißt es: „Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt.“

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Foto: westerwelle-foundation.com

 

Leukämie: Die Chancen auf Heilung steigen

Die Diagnose Blutkrebs betrifft meist ältere Menschen - und Kinder. Doch sie ist heute kein Todesurteil mehr, die Heilungschancen steigen. Ein großes Problem ist allerdings, dass die Symptome oft lange übersehen werden. Denn die Symptome wie Müdigkeit oder Gewichtsverlust können auch auf ungefährliche Leiden hinweisen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 10 000 Menschen neu. Doch die Wissenschaft entwickelt immer wirkungsvollere Medikamente. Die Überlebenschancen steigen! Über den aktuellen Stand der Forschung gibt Prof. Dr. Arnold Ganser Auskunft. Der Internist ist u. a. Mitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark-und Blutstammzelltransplantation.

Was löst Leukämie eigentlich aus?

"Das wissen wir nicht genau. Aber eins ist sicher: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einer Leukämie zu erkranken."

Muss sie immer tödlich enden?

"Nein, wir finden immer bessere Wege, sie aufzuhalten und ihre Entwicklung zu bremsen."

Wie sieht die Behandlung aus?

"Das hängt zum Teil von der Art der Leukämie ab. Es gibt viele unterschiedliche Formen. Zum Beispiel die chronische Leukämie: Sie wird oft bei einer Routineuntersuchung festgestellt, ihr Krankheitsverlauf ist sehr langsam. In diesem Fall beobachtet man zunächst nur. Verschlechtern sich die Blutwerte, wird mit Medikamenten behandelt. Manchmal erhalten die Patienten zusätzlich Infusionen mit Abwehrstoffen, so genannte Immunglobuline."

Welche Leukämieformen gibt es noch?

"Die akute Leukämie, sie ist besonders aggressiv. Und ihre Behandlung sieht anders aus. Hier wird zuerst eine Chemotherapie gemacht. Meist geben wir eine Kombination verschiedener Zytostatika. Das ist der Fachbegriff für Medikamente, die das Zellwachstum hemmen. Bestimmte Patientengruppen erhalten zusätzlich Vitamin A oder eine Immuntherapie mit Antikörpern."

Und das reicht aus, um den Blutkrebs aufzuhalten?

"Leider nicht immer. Bei so genannten Hochrisikogruppen raten wir zur Stammzelltherapie, der Knochenmarkspende"

Wer gehört zur Hochrisikogruppe?

"Das sind u. a. Patienten mit einer bestimmten Genveränderung sowie jene, die auf eine Chemotherapie nicht ansprechen. Das sehen wir schon nach wenigen Wochen am Blutbild und am Knochenmark."

Gibt es denn genügend freiwillige Spender für so eine Knochenmark- oder Stammzelltransplantation?

"Nein. Da die Familien immer kleiner werden, fehlt es an Spendern. Denn innerhalb der Familie finden sich am ehesten geeignete "Geber". Und wer nur wenige oder gar keine Geschwister hat, bei dem verringert sich die Chance auf die richtige Spende. In diesem Fall schauen wir im Fremdspender-Register. Werden wir dort auch nicht fündig, können wir mittlerweile auf Stammzellen aus Nabelschnurbanken zurückgreifen. Grundsätzlich ist es aber so, dass die Knochenmarkspende eines Familienmitglieds immer den größten Erfolg verspricht."

 

Knochenmarkspende

Eine Knochenmark- oder Stammzelltransplantation verspricht große Heilungschancen bei Leukämie. Spender und Empfänger müssen fast identische Zellmerkmale aufweisen. Die Übertragung erfolgt ähnlich einer Bluttransfusion über die Vene. Die Zellen finden ihren Weg ins Knochenmark allein, bilden dort gesunde Blutzellen.

 

INFOS

Die Deutsche Krebshilfe, www.krebshilfe.de

Dt. José Carreras Leukämie-Stiftung e. V., www.carreras-stiftung.de

Deutsche Leukämie-& Lymphom-Hilfe e. V., www.leukaemie-hilfe.de

Zentrales Knochenmarkspender-Register Deutschland, www.zkrd.de

Hamburg, 18. März 2016

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