Gürtelrose: Wenn die Windpocken wiederkommen

Impfung gegen Windpocken
Die Gürtelrose erwischt meist Menschen ab 60 Jahren. Sie sollten sich deshalb rechtzeitig impfen lassen – die Impfung verringert das Risiko, zu erkranken, um die Hälfte © Fotolia

Wer schon mal Windpocken hatte, kann auch an Herpes zoster erkranken. 390.000 Menschen – vor allem ältere – sind jedes Jahr betroffen. Ein neuer Impfstoff beugt vor und lindert Schmerzen.

„Zuerst dachte ich, dass ich eine Grippe bekomme", erzählt Michael. Er hatte Gliederschmerzen, fühlte sich schlapp und die Haut brannte. Dann bildeten sich an seinem linken Oberarm Pusteln und Blasen. Die Haut war so empfindlich, dass jede Berührung heftig schmerzte. „Von der Schulter bis in die Fingerspitzen fühlte es sich an wie rohes Fleisch", erinnert sich der Finanzbeamte. Seine Hautärztin fragte als Erstes, ob er als Kind Windpocken gehabt habe. Als Michael S. nickte, stand die Diagnose schnell fest: Gürtelrose!

 
 

Ursache: Windpocken

Der schmerzhafte Ausschlag ist eine Spätfolge der Windpocken. Die Kinderkrankheit wird durch das Varicella-Zoster-Virus (VZV) ausgelöst, das hochansteckend ist. Auf der Haut bilden sich dann juckende Bläschen und Pusteln, die meistens nach einigen Tagen ohne Probleme wieder abheilen.

 

Bei Immunschwäche kommt das Virus zurück

Wer Windpocken hatte oder geimpft wurde, ist ein Leben lang immun gegen die Kinderkrankheit. Dennoch kann sie im Alter ein unangenehmes Nachspiel haben. Denn die Viren bleiben im Körper. Unser Abwehrsystem behält sie aber unter Kontrolle. Gefahr droht, wenn es geschwächt wird, etwa durch starke Medikamente, Stress oder eine schwere Erkrankung. Dann können die Viren wieder aktiv werden und eine Gürtelrose (Herpes zoster) auslösen. Mehr als die Hälfte der Erkrankten sind älter als 60 Jahre. Der Grund: Im Alter schwächelt das Abwehrsystem. Es trifft aber auch Jüngere. Insgesamt sind jedes Jahr circa 390.000 Menschen in Deutschland betroffen.

 

Bei Verdacht auf Gürtelrose zum Arzt

Eine Gürtelrose ist ansteckend, sehr schmerzhaft und oft langwierig. Der Ausschlag breitet sich meistens halbseitig von der Wirbelsäule über den Brustkorb aus. Es können aber auch Arme, Beine oder Gesicht betroffen sein. Bei Verdacht auf Herpes zoster: Sofort zum Arzt! Bekommen die Betroffenen innerhalb von 72 Stunden virenhemmende Medikamente und oft dazu noch starke Schmerzmittel, kann das den Krankheitsverlauf verkürzen und Nervenschmerzen mildern. Wird die Gürtelrose zu spät erkannt, besteht die Gefahr von heftigen nachinfektiösen Nervenschmerzen (postzosterische Neuralgie), die Monate oder Jahre andauern können. Dann kann nur ein Schmerztherapeut helfen. Auch hier gilt, dass er möglichst früh aufgesucht werden sollte, spätestens wenn nach vier Wochen keine Besserung eingetreten ist.

 

Impfung schützt vor Gürtelrose

Seit 2004 wird bei uns eine Windpocken-Impfung für Kinder empfohlen, die auch das Risiko für eine spätere Gürtelrose senken soll. Menschen ab 60 können von einem Impfstoff profitieren, der unter dem Namen Zostavax seit Herbst 2013 in Deutschland eingesetzt wird. Der neue Impfstoff senkt die Wahrscheinlichkeit, an Gürtelrose zu erkranken, um die Hälfte. Testpersonen, die nach der Impfung dennoch Herpes zoster bekamen, hatten weniger Schmerzen. Michael S. hatte Glück: Nach sechs Wochen Behandlung war die Gürtelrose so weit abgeklungen, dass er wieder arbeiten konnte.

 

So schlägt das Virus zweimal zu

  1. Die Viren gelangen in den Körper. Kinder infizieren sich bereits in den ersten Lebensjahren mit dem Virus.
  2. Die Viren ruhen im Körper. Einige Viren überleben in den Nervenknoten in der Nähe des Rückenmarks. Sie können dort über Jahrzehnte „schlafen".
  3. Die Viren werden wieder wach. Sie wandern über die Nervenbahnen an die Hautoberfläche. Es bilden sich äußerst schmerzhafte Bläschen.
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