Grippewelle 2020 gefährlicher als Coronavirus? Schon mehr als 200 Tote

Verena Elson Medizinredakteurin

Die Grippewelle 2020 hat bereits mehr als 200 Tote in Deutschland gefordert. Ist die Grippe in Wirklichkeit gefährlicher als das so gefürchtete Coronavirus?

Eine Frau sitzt krank im Bett und putzt sich die Nase
Die Grippewelle scheint ihren Höhepunkt zwar inzwischen überschritten zu haben – allerdings ist die Zahl der Neuinfizierten in der vergangenen Woche noch einmal angestiegen Foto:  iStock/:evrim ertik

Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland hat eine regelrechte Welle der Panik in Bewegung gesetzt. Gleichzeitig rollt die Grippewelle 2020 durchs Land – ohne große Beachtung zu finden. Dabei sind in dieser Saison bereits 202 Deutsche an Influenza gestorben. Vor welchem Virus sollten wir denn jetzt mehr Angst haben?

 

Grippewelle 2020: Mehr Menschen in Deutschland erkrankt als weltweit an COVID-19

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Fest steht jedoch: Für die allermeisten Menschen in Deutschland ist die Grippe die konkretere Bedrohung. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnet für die Grippewelle 2020 bisher 119.280 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle in Deutschland. Zum Vergleich: Weltweit gibt es bisher 98.698 bestätigte Coronavirus-Infektionen. Und die wirkliche Zahl der Grippekranken dürfte sogar noch deutlich höher liegen, da nicht alle Arztpraxen Influenzaproben an das Institut schicken. Die Hochrechnung, wie viele Patienten tatsächlich betroffen waren, erfolgt erst nach Ende der Grippewelle.

Eine Frau liegt krank auf der Couch und hält sich den Kopf
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Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Influenzavirus zu infizieren, ist hierzulande also deutlich höher als sich mit dem Coronavirus anzustecken – es sei denn, man gehört zu den Bezugspersonen eines mit COVID-19 Infizierten.

 

Ist das Coronavirus tödlicher als die Grippe?

Laut einer Ende Februar abgegebenen Einschätzung des Robert-Koch-Instituts ist die Sterberate bei dem Coronavirus höher als bei der Grippe. Während bei der Grippe von einer Sterberate von 0,1 bis 0,2 Prozent auszugehen sei, liege sie bei dem Coronavirus beinahe zehnmal so hoch (bei ein bis zwei Prozent), wie der RKI-Präsident Lothar Wieler mitteilte.

Allerdings ist es schwierig, die Sterberate des Coronavirus genau zu berechnen. Das liegt vor allem daran, dass für eine korrekte Berechnung wirklich alle Infizierten erfasst werden müssten, auch die mit nur leichten oder gar keinen Symptomen – und das ist ein nahezu unmögliches Unterfangen.

So ergeben sich nach bisherigen Berechnungen in verschiedenen von dem Coronavirus betroffenen Regionen ganz unterschiedliche Ergebnisse: Die WHO schätzt die Sterberate für das Virus in China ohne die Region Hubei auf 0,7 – in der Provinz Hubei geben die chinesischen Behörden dagegen eine Sterberate von 2,9 Prozent an.

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Infektion mit dem Coronavirus zu sterben, ist also möglicherweise etwas höher als bei der Grippe – allerdings ist davon auszugehen, dass der Unterschied nicht so deutlich ist wie zunächst angenommen.

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Grippe und Coronavirus: Wie häufig sind schwere Verläufe?

Schwere Verläufe treten bei beiden Erkrankungen ähnlich häufig auf: An dem Coronavirus erkranken offiziellen Angaben zufolge etwa 15 Prozent schwer, etwa mit einer Lungenentzündung. Im Zuge der Grippewelle 2020 mussten bisher etwa 17 Prozent der Infizierten im Krankenhaus behandelt werden.

Quellen:

Influenza-Wochenbericht Kalenderwoche 9/2020, in: rki.de.

Robert-Koch-Institut: Sars-CoV-2 tödlicher als Influenzavirus, in: aerzteblatt.de.

Coronavirus COVID-19 Global Cases by Johns Hopkins CSSE, in: gisanddata.maps.arcgis.com.

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