Fällt die Grippewelle 2020 aus? Das spricht dafür!

Mona Eichler Health-Redakteurin

Wird die Grippewelle 2020 vielleicht gar keine Welle? Die strengen Corona-Maßnahmen weltweit scheinen dafür zu sorgen, dass sich die Influenza nicht groß verbreitet.

Zustimmen & weiterlesen
Um diese Story zu erzählen, hat unsere Redaktion ein Video ausgewählt, das an dieser Stelle den Artikel ergänzt.

Für das Abspielen des Videos nutzen wir den JW Player der Firma Longtail Ad Solutions, Inc.. Weitere Informationen zum JW Player findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bevor wir das Video anzeigen, benötigen wir Deine Einwilligung. Die Einwilligung kannst Du jederzeit widerrufen, z.B. in unserem Datenschutzmanager.

Weitere Informationen dazu in unserer Datenschutzerklärung .
Inhalt
  1. Grippewelle 2020: Im Vergleich kürzer als zu den Vorjahren
  2. Corona vs. Grippewelle
  3. Grippe weltweit? Fehlanzeige! 
  4. Mehrfachinfektionen: Ärzte empfehlen eine Grippeimpfung 2020

Die Grippewelle 2020 könnte wesentlich milder verlaufen als ihre Vorgänger – wenn sie nicht gleich ganz ausfällt. Grund dafür sind die strengen Corona-Maßnahmen, die neben einer Ausbreitung von SARS-CoV-2 auch die Influenzaviren in ihre Schranken weisen. Es gibt Hinweise, die auf ein Ausbleiben der Grippewelle 2020 hindeuten. 

Person bekommt Impfstoff in den Arm
Familie Grippeimpfung sinnvoll oder nicht? Darauf kommt es an

 

Grippewelle 2020: Im Vergleich kürzer als zu den Vorjahren

Die Grippewelle 2020 ist – wie das gesamte Jahr – eine Ausnahmeerscheinung. Laut Robert Koch-Institut setzte die Influenzasaison in der zweiten Kalenderwoche (ab 6. Januar) ein, war aber schon nach KW 12 (ab 16. März) wieder vorbei. In der letzten Märzwoche (KW 13) brachen die Infektionszahlen dramatisch ein: von 9.878 Neuansteckungen in der Woche zuvor auf 3.528 gemeldete Fälle. Damit lässt sich sagen: Die Grippewelle 2020 war deutlich kürzer als ihre Vorgänger. In seinem vorläufigen Influenza-Bericht aus dem April 2020 schlussfolgerte das RKI:

"In der vergleichenden Betrachtung der Grippewellen der letzten 3 Saisons ist für 2020 das schnelle Abklingen der Influenzaaktivität und eine um mindestens zwei Wochen kürzere Dauer der Grippewelle auffällig. Zu dieser Verkürzung, die sich auch in dem abrupten Rückgang der ARE-Raten [Akute Respiratorische Erkrankungen] in der Bevölkerung bei GrippeWeb zeigte, dürften die bundesweiten Maßnahmen zur Eindämmung und Verlangsamung der COVID-19-Pandemie in Deutschland erheblich beigetragen haben. Da Kinder für die Verbreitung der jährlichen Grippe eine wesentliche Rolle spielen, sind hier insbesondere die Schulschließungen ab der 12. KW 2020 zu nennen."

RKI-Definition von ARE

Akute respiratorische Erkrankungen (ARE) sind neu aufgetretene akute Atemwegserkrankungen mit Fieber oder Husten oder Halsschmerzen.

 

Corona vs. Grippewelle

In Deutschland griffen erste strenge Corona-Maßnahmen in der 11. KW (ab 9. März). Damals wurden Großveranstaltungen untersagt. Knapp eine Woche später mussten Schulen schließen. In KW 13 folgten erste Kontaktverbote und Ausgangssperren. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich Hygienemaßnahmen wie häufiges Händewaschen, Abstandhalten und Niesen in die Armbeuge bereits etabliert. Wenige Tage später verebbte die Grippewelle 2020. 

Das Coronavirus wie auch die Influenzaviren werden überwiegend durch Tröpfcheninfektion übertragen. Gegenmaßnahmen wie ein Mund-Nasen-Schutz, eine gründliche Handhygiene und eingeschränkte Sozialkontakte verhindern also die Ausbreitung beider Virenarten.  

 

Grippe weltweit? Fehlanzeige! 

Nicht nur in Deutschland verläuft die Grippewelle 2020 atypisch. Auch die Fallzahlen auf der Südhalbkugel weisen auf ein Ausbleiben der Grippewelle 2020 hin. Ende August berichtete "News.com.au", dass es in Australien seit Mai keinen einzigen Influenza-Toten zu beklagen gegeben habe. Auch aus Neuseeland und Südafrika wird eine nicht existente Grippewelle 2020 gemeldet. Zum Vergleich: In den vorangegangenen fünf Grippesaisons hatte Südafrika noch durchschnittlich 25 Todesfälle pro 100.000 Einwohner zu verzeichnen. 

Müssen für den Impfstoff gegen COVID-19 tausende Haie sterben?
Service Coronavirus: Müssen für den Impfstoff tausende Haie sterben?

 

Mehrfachinfektionen: Ärzte empfehlen eine Grippeimpfung 2020

Trotz des milden Verlaufs der Grippewelle 2020 steht uns im Herbst und Winter eine neue Infektionszeit bevor. Aktuell raten viele Ärzte dazu, sich trotz – oder gerade wegen – Corona bis Ende des Jahres gegen Influenza impfen zu lassen, um Mehrfachinfektionen zu vermeiden. Das rührt vor allem daher, dass die Corona-Maßnahmen längst nicht mehr so streng sind wie zu Beginn des Jahres 2020 und damit auch keinen so wirksamen Schutz während der Grippesaison bieten. 

Frau liegt im Bett und schnupft die Nase aus
Krankheiten & Behandlung Corona und Grippewelle: Was passiert, wenn beides zusammenkommt?

Laut RKI sollten sich vor allem Menschen, die einer Risikogruppe angehören, impfen lassen. Diese sind bei Corona und Influenza sehr änhlich: 

  • Personen, die älter als 60 Jahre alt sind 
  • Schwangere 
  • Medizinisches Personal
  • Patienten mit einer chronischen Krankheit (Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma etc.)
  • Bewohner in Altenheimen
  • Kinder mit Diabetes

Manche Ärzte und Kinderärzte raten derzeit sogar dazu, die gesamte Bevölkerung in Deutschland, inklusive Kinder, gegen Influenza impfen zu lassen – unabhängig davon, ob die Grippewelle 2020 nun mild verläuft oder nicht. Da allerdings nicht genügend Impfstoffdosen bereitstehen, könnte ein generelles Impfen zu einem Versorgungsengpass führen. Lässt man sich impfen, ist der richtige Zeitpunkt laut RKI im Oktober und November 2020. 

Quellen:
Nebeneffekt der Corona-Maßnahmen: Fällt die Grippewelle diesmal flach?, in: n-tv.de/wissen
Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2018/19, in: edoc.rki.de
Epidemiologisches Bulletin 16/2020. in: rki.de
Review of the 2018–2019 influenza season in the northern hemisphere, in: who.int

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.