Grippewelle 2018 – was Sie jetzt wissen müssen

Virus
Der Subtyp A(H3N2) des Grippevirus wird Voraussagen zufolge die Grippewelle 2018 dominieren © iStock

Wie hart wird die Grippewelle 2018 Deutschland treffen? Wer sollte sich impfen lassen und welche Impfstoffe gibt es? Praxisvita hat alle Fakten zur Grippewelle 2018.

 

+++02.03.: Grippewelle greift noch stärker um sich+++

In der achten Kalenderwoche wurden 35.284 neue Grippefälle gemeldet, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) im aktuellen Influenza-Wochenbericht bestätigt. Das sind etwa 10.000 Neuinfektionen mehr als noch in der Vorwoche. Das Institut stuft die Aktivität des Virus im Bundesgebiet inzwischen als "stark erhöht" ein, das entspricht der höchsten Stufe auf der Aktivitätsskala.

Insgesamt gab es seit der 40. Kalenderwoche 2017 119.533 bestätigte Fälle von Influenza. Laut Angaben des RKI kam es seit Beginn der Grippewelle zu 53 Grippe-Ausbrüchen in Krankenhäusern, 45 in Kindergärten, 29 in Schulen und 17 in Alten- und Pflegeheimen. Bisher starben 216 Menschen in dieser Saison an Grippe, 83 Prozent davon waren 60 Jahre oder älter.

 

+++21.02.: EU ruft offiziell zum Impfen auf+++

Die Grippewelle ist in vollem Gang: Nach aktuellen Zahlen sind zehntausende Deutsche erkrankt, 102 Personen sind bislang an den Folgen der Influenza gestorben. Deshalb fordert die Europäische Union nun offiziell zum Impfen auf: „Ich appelliere an alle Bürger in der Europäischen Union, sich selbst und ihre Kinder impfen zu lassen. Damit schützt man nicht nur die eigene Person, sondern auch die Mitbürger“, so EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis in der Zeitung „Die Welt“. Andriukaitis fordert, den „Mythen und Fehleinschätzungen über Impfungen nicht zu glauben“ und weist daraufhin, dass die Maßnahme wichtig zur Erhaltung der öffentlichen Gesundheit sei und daher eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

 

 Warum eine Vierfachimpfung ratsam ist

Bisher zahlen Krankenkassen in der Regel einen Dreifachimpfstoff gegen bestimmte Grippeerreger. Das Problem: Aktuell kursieren vor allem sogenannte B-Viren vom Typ Yamagata, die bei der Dreifachimpfung nicht abgedeckt werden. Deshalb sollte beim Hausarzt gezielt nach der Vierfachimpfung gefragt werden, durch die man auch vor den B-Viren geschützt ist. Diese Impfvariante meist selbst bezahlt werden. Allerdings bieten viele gerade größere Firmen über den Betriebsarzt auch den Vierfachimpfstoff kostenlos an – hier lohnt es sich also, sich vorab zu informieren.

 

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Impfung?

Eine Studie zeigte kürzlich, dass ältere Probanden nach der Grippeimpfung am besten geschützt waren, wenn sie vormittags geimpft wurden. Allerdings: Laut einer anderen Untersuchung ist die Konzentration von Grippeerregern, die nach der Impfung ausgeatmet werden, um mehr als das sechsfache erhöht — es besteht also Ansteckungsgefahr für die Mitmenschen. Hier gilt es im Einzelfall abzuwägen, ob es die Möglichkeit gibt, sich nach der Impfung zurückzuziehen, damit sich die Erreger nicht verbreiten.

 

+++08.02.: Erkrankungszahlen "deutlich erhöht"+++

Die Grippewelle erreicht üblicherweise im Februar ihren Höhepunkt – das scheint auch 2018 so zu sein. 15.188 Neuansteckungen wurden vergangene Woche an das Robert-Koch-Institut (RKI) übermittelt und damit deutlich mehr als in allen Wochen zuvor seit Beginn der Grippesaison. Das RKI stuft die Influenza-Aktivität darum als "deutlich erhöht" ein. Insgesamt sind seit Oktober 2017 in Deutschland 36.075 Menschen an Grippe erkrankt (offiziell gemeldete Fälle). Besonders den Nord-Westen der Republik hat es schwer erwischt: Dort stuft das Institut die Influenza-Aktivität sogar als "stark erhöht" ein.

 

+++09.01.: Australische Grippewelle schwappt nach Europa+++

Großbritannien bereitet sich auf die schlimmste Grippewelle seit 50 Jahren vor: Das gefürchtete H3N2-Virus breitet sich rasant auf der Insel aus. Mehr als 170.000 Fälle wurden bisher gemeldet, einige der Patienten müssen auf Intensivstationen behandelt werden. Medienberichten zufolge wurden sogar Routineoperationen im Januar abgesagt, um sich auf den Grippe-Ansturm auf die Krankenhäuser vorzubereiten.

Droht Deutschland eine ähnliche Entwicklung? Davon ist nicht auszugehen, beruhigen Experten. Der Verlauf der Grippewelle in Australien oder Großbritannien gilt demnach nicht zwangsläufig als Indikator für den Verlauf hierzulande. In Deutschland kursierte das H3N2-Virus darüber hinaus bereits in der Grippesaison 2016/2017 stark. Die bisher gemeldeten Fälle lassen eher darauf schließen, dass diese Saison andere, weniger gefährliche Virustypen dominieren werden.

 

Heftige Grippewelle 2017 in Australien

In Australien ist die Grippewelle bereits fast geschafft – denn in Down Under hat gerade der Frühling begonnen. Die Australier hat es diesen Winter besonders hart getroffen: Rund 2,5 mal so viele Grippeinfektionen wie im vergangenen Jahr zählten die Behörden. Während die vergangene Grippesaison in Australien 27 Menschenleben kostete, erlagen in diesem Winter 52 Menschen dem Virus.

In Australien wurde die aktuelle Grippesaison von einem Virusstamm mit dem Namen A(H3N2) dominiert. Dieser Subtyp ist bekannt dafür, überdurchschnittlich häufig schwere Komplikationen auszulösen, besonders bei älteren Menschen. In Australien war er für 81 Prozent der grippebedingten Todesfälle verantwortlich.

 

Grippewelle 2018 – wer sollte sich impfen lassen?

Die vergangene Grippesaison traf in Deutschland vor allem ältere Menschen schwer – so lautet das Fazit des aktuellen Influenza-Saisonberichts des Robert-Koch-Instituts (RKI). „Leider sind gerade bei den Senioren die Impfquoten mit rund 35 Prozent besonders niedrig“, sagt Professor Dr. Lothar H. Wieler, Präsident des RKI. „Trotz der schwankenden Impfeffektivität ist die Impfung die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor einer Erkrankung.“

Abgefüllter Impfstoff
Die Grippewelle 2018 steht bevor und die Arztpraxen sind gewappnet: Rund 17 Millionen Impfdosen stehen bereit© iStock

Neben Menschen über 60 Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen anderen Personengruppen mit einem erhöhten Risiko für schwere Krankheitsverläufe die Influenzaimpfung. Dazu zählen Schwangere und chronisch kranke Menschen. Aber auch Medizin- und Pflegepersonal sollte sich impfen lassen – zum Eigenschutz, aber auch, um die betreuten Personen zu schützen. Auch hier sind die Impfquoten bisher zu niedrig, wie eine Pilotstudie des RKI ergab: Nur knapp 40 Prozent der Klinikmitarbeiter sind demnach geimpft. Bei den Ärzten sind es 56 Prozent, beim Pflegepersonal 34 Prozent und in den therapeutischen Berufen 27 Prozent. Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA): „Die wichtigsten Ansprechpersonen bei der Impfaufklärung sind nach unseren Studiendaten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sowie das medizinische Personal. Diese Berufsgruppen sollten mit gutem Beispiel vorangehen, sich selbst auch gegen Grippe impfen lassen und diese Information weitergeben.“

 

Grippewelle 2018 – wann ist der richtige Zeitpunkt für die Impfung?

Mediziner raten, sich im Oktober, spätestens aber im November gegen Grippe impfen zu lassen. Das Immunsystem braucht nach der Impfung mindestens acht Tage, um einen wirksamen Schutz vor dem Virus aufzubauen.

Etwa 17 Millionen Impfdosen hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel die Qualität aller Impfstoff-Chargen prüft, bereits für die Grippewelle 2018 freigegeben. „Neben den Impfstoffen zur intramuskulären Injektion in den Oberarm gibt es in dieser Saison auch einen Impfstoff, der auch unter die Haut, also subkutan, injiziert werden kann. Zusätzlich gibt es einen Nasenspray-Impfstoff für Kinder und Jugendliche ab einem Lebensalter von zwei bis einschließlich 17 Jahren und einen Impfstoff für Personen über 65 Jahren mit Wirkverstärker“, erläutert Professor Dr. Klaus Cichutek, Präsident des PEI, das Impfstoff-Angebot für die Grippewelle 2018.

Einen hühnereiweißfreien Impfstoff gibt es laut Angaben des Instituts in dieser Saison nicht. „Dies braucht Menschen mit einer Hühnereiweißallergie jedoch nicht zu beunruhigen“, so Cichutek. Zahlreiche Studien wiesen darauf hin, dass es bei Personen mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß nicht häufiger zu schwerwiegenden allergischen Reaktionen auf die Influenzaimpfung komme als bei Personen ohne Allergie. Allerdings solle bei einer bekannten Hühnereiweißallergie in jedem Fall vor der Impfung der Arzt informiert werden.

Wer besonders gut für die Grippewelle 2018 gewappnet sein will, sollte sich nicht nur impfen lassen, sondern zusätzlich bestimmte Regeln einhalten, die für den Impftag gelten – denn Studien haben gezeigt, dass der Geimpfte mit beeinflussen kann, wie gut die Impfung wirkt. Was Sie selbst für einen optimalen Impfschutz tun können, erfahren Sie hier.

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