Grippe oder Erkältung?

Anna Schmidt (32) liegt flach. Der Hals schmerzt, der Kopf sowieso. Dazu noch Husten, dichte Nebenhöhlen und leichtes Fieber – keine Frage, Anna ist krank. Doch hat sie eine Influenza oder nur eine harmlose Erkältung? Grippe oder Erkältung: Was ist der Unterschied?

Ihr Arzt ist trotzdem erleichtert. Er kann Entwarnung geben: Ihre Beschwerden sind Begleiterscheinung eines grippalen Infektes. Die anfänglichen Sorgen, sie könnte sich mit der Grippe infiziert haben, waren zum Glück unbegründet. „Grippe oder Erkältung – besteht da überhaupt ein Unterschied?“, fragt sich ihr besorgter Mann. Durchaus!

 

Grippe oder Erkältung: Grippaler Infekt

Hinter dem grippalen Infekt verbirgt sich nämlich nichts anderes als eine starke Erkältung. Dabei haben wir, ausgelöst durch Viren, Beschwerden wie Halsschmerzen, Schnupfen oder Husten.

Etwa 200 verschiedene Virustypen können einen solchen Infekt auslösen. Die meisten von ihnen sind sogenannte Rhinoviren. Aber auch Adeno- und Coronaviren gehören zu den klassischen Erkältungserregern. Weil sie so unterschiedlich sind, können wir auch mehrmals kurz hintereinander erkältet sein. Außerdem macht ihre Vielzahl eine Impfung leider unmöglich. Glücklicherweise sind grippale Infekte aber nach etwa neun Tagen überstanden und – obwohl quälend – allgemein nicht lebensbedrohlich. Typisch für eine Erkältung ist auch, dass sie sich langsam in den Körper schleicht. Zuerst kratzt nur der Hals. Dann läuft die Nase. Erst am zweiten oder dritten Tag werden die Beschwerden richtig schlimm, bevor sich langsam wieder eine Besserung einstellt. Ganz anders die Grippe.

 

Grippe oder Erkältung: Die echte Grippe

Zwar beginnt auch sie mit Erkältungssymptomen wie Husten, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit. Im Gegensatz zum grippalen Infekt treten diese jedoch nicht schleichend auf, sondern kommen so plötzlich wie ein Überfall: Betroffene fühlen sich von einer Minute auf die andere außer Gefecht gesetzt. Häufig können Patienten sogar die genaue Uhrzeit angeben, zu der ihre Beschwerden auftraten. Auch die Intensität unterscheidet die Grippe vom bloßen Infekt. Typisch sind ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl im ganzen Körper und hohes Fieber (bis 40 Grad). Dazu starke Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten, manchmal auch Schüttelfrost. Man kann sich kaum auf den Beinen halten und sollte das auch nicht – außer, um zum Arzt zu gehen, falls dieser keine Hausbesuche macht. Denn jetzt ist schnelles Handeln wichtig: Wenn die echte Influenza zugeschlagen hat, sollten Sie möglichst bald ein Grippemittel wie Tamiflu oder Relenza einnehmen. Diese Präparate werden vom Arzt verordnet und wirken nur bis 48 Stunden nach Beginn der Symptome. Daher rät unser Experte Dr. Rolf Kaiser: „Wenn in Ihrer Umgebung Grippefälle auftauchen und Sie Symptome bei sich bemerken, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen – und nicht noch tagelang abwarten.“

Grippeviren sind nämlich sehr aggressiv und die Ansteckungsgefahr ist dementsprechend hoch – besonders für Menschen mit schwacher Abwehr und Ältere. Bei beiden Gruppen tobt sich die Influenza meist besonders heftig aus. Das kann schlimmstenfalls sogar lebensbedrohlich werden.

 

Grippe oder Erkältung: Die Superinfektion

Vor allem, wenn sich auf einen durch Grippe geschwächten Menschen zusätzlich Bakterien stürzen – was leider keine Seltenheit ist. Ärzte sprechen dann von einer „Superinfektion“. Die Betroffenen bekommen etwa 5 bis 8 Tage nach der Erstinfektion wieder höheres Fieber, die Erkrankung scheint erneut auszubrechen.

Das Problem: Durch Bakterien verursachte Infektionen müssen mit Antibiotika behandelt werden. Diese schwächen das Immunsystem zusätzlich, der Krankheitsverlauf wird dadurch noch langwieriger und gefährlicher. Besser: Den Grippeviren von vornherein einen Strich durch die Rechnung machen – mit einer Impfung. Weil Influenza-Erreger sehr wandlungsfähig sind, werden die Impfstoffe regelmäßig angepasst. Für größtmöglichen Schutz sollte die Grippeimpfung daher jedes Jahr erneuert werden. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen.

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