Grapefruitkernextrakt: Wirkung, Nebenwirkung und Dosierung

Grapefruitkernextrakt wird nachgesagt, eine Wirkung gegen Bakterien, Viren und Pilzen zu haben. Aber stimmt das? Alles zur Wirkung und Nebenwirkungen von Grapefruitkernextrakt.

Grapefruitkernextrakt mit frischen Grapefruits
Grapefruitkernextrakt Foto: iStock/5PH

Grapefruitkernextrakt wird oft als natürliches Antibiotikum gelobt. Es soll dank seiner Inhaltsstoffe schädliche Bakterien, Viren und Pilze im Körper eliminieren. Die Wissenschaft kann diesen Hype allerdings nicht stützen. Wird die Grapefruitkernextrakt-Wirkung überschätzt?

Grapefruitkernextrakt: Wirkung durch Flavonoide

Grapefruitkernextrakt (auch GKE oder GSE, engl. Grapefruit Seed Extract) wird aus den zermahlenen Kernen und den weißen Teilen der Schale der Grapefruit gewonnen. Das Nahrungsergänzungsmittel soll vor allem wegen der enthaltenden Flavonoide so gesund sein.

Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidativ, antibakteriell und antiviral wirken sollen und so helfen, das körpereigene Immunsystem zu stärken. Die Grapefruitkernextrakt-Wirkung stützt sich angeblich auch auf die Flavonoide Naringin, Rutin, Quercetin, Hesperidin und weitere.

Grapefruitkernextrakt-Wirkung auf dem Müll entdeckt

Der US-amerikanische Arzt Dr. Jakob Harich gilt als Entdecker der gesundheitlichen Wirkung von Grapefruitkernextrakt. Er hatte bemerkt, dass die übrig gebliebenen Kerne einer verzehrten Grapefruit auf seinem Komposthaufen nicht wie der Rest des Biomülls verrotteten. Schimmel & Co. konnten ihnen nichts anhaben. Fortan forschte er an dieser sichtbaren antimikrobiellen Wirkung, die er den Flavonoiden zusprach.

Grapefruitkernextrakt: Wirkung beim Menschen nicht wissenschaftlich bewiesen

Trotz einiger vielversprechender Studien und der breit gefächerten Forschung ist die Wirkung von Grapefruitkernextrakt wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Zumindest nicht im Hinblick auf den Menschen. Deswegen dürfen Hersteller nicht mit einer konkreten Grapefruitkernextrakt-Wirkung werben.

Zwei Studien aus den Jahren 2003 und 2005 zeigten die positive Wirkung von Grapefruitkernextrakt bei Ratten. In der früheren Studie konnte nachgewiesen werden, dass GSE bei Ratten antibakteriell wirkt und gegen Pilzinfektionen eingesetzt werden kann. 2005 zeigte sich in der Studie eine schützende Wirkung auf den Verdauungstrakt der Nagetiere.

Die Wirkung von Grapefruitkernextrakt bleibt Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. 2019 konnte im Rahmen einer Studie beispielsweise nachgewiesen werden, dass GKE gegen E. coli-Bakterien wirkt. Die Untersuchungen wurden auf rostfreiem Stahl durchgeführt.

Grapefruitkernextrakt: Anwendungsgebiete

Befürworter:innen verwenden Grapefruitkernextrakt aufgrund seiner vermeintlichen antimikrobiellen Wirkung als natürliches Antibiotika. Der Vorteil liegt neben der Wirkung an sich vor allem darin, dass der Körper gegen die natürlichen Inhaltsstoffe des Grapefruitkernextrakts keine Resistenzen aufbaut – anders als es bei den klassischen Antibiotika der Fall ist, wo Resistenzen zu einem lebensbedrohlichen Faktor geworden sind.

Typische Grapefruitkernextrakt-Anwendungsgebiete sind:

  • Infektionskrankheiten

  • Entzündliche Prozesse

  • Hautunreinheiten

  • Pilzinfektionen

In mehreren Studien wurden zudem die Grapefruitkernextrakt-Einnahme bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, gegen den Magenkeim Heliobacter pylori, der eine Gastritis auslösen kann, und gegen MRSA untersucht. MRSA steht für Methicillin-resistente Staphylococcus aureus-Stämme und meint Staphylokokken, die gegen das Antibiotikum Methicillin resistent sind. Trotz Hinweisen darauf, dass GKE gegen diese Erreger wirkt, sollte sich eine Behandlung nie auf die Anwendung von Grapefruitkernextrakt beschränken.

Innerliche Anwendung von Grapefruitkernextrakt

Die Anwendungsgebiete von Grapefruitkernextrakt umfassen Infektionen und Entzündungsprozesse, die durch Bakterien, Viren oder Pilze hervorgerufen werden. Dazu gehören Erkältungen, Schnupfen, Husten, Herpes, der Hefepilz Candida und Entzündungen auf der Haut oder im Mund-Rachen-Raum.

Innerlich angewendet trinkt man das Extrakt mit viel Flüssigkeit, die dabei helfen soll, die abgestorbenen Pilze, Viren und Bakterien auszuleiten. Da Grapefruitkernextrakt sehr bitter schmeckt, trinkt man es am besten mit Fruchtsaft statt mit Wasser.

Grapefruitkernextrakt-Dosierung langsam steigern

Wichtig bei der Anwendung von Grapefruitkernextrakt ist die richtige Dosierung, um eventuelle Nebenwirkungen zu vermeiden.

Zu Beginn nimmt man dreimal täglich 1 bis 3 Tropfen Grapefruitkernextrakt mit jeweils mindestens 250 ml Fruchtsaft zu sich. Verträgt man diese Dosierung, kann die Menge über mehrere Tage hinweg langsam erhöht werden.

Erfahrungsberichte raten zu dreimal täglich 15 Tropfen – also 45 Tropfen GKE pro Tag. Die täglichen Höchstdosis von 60 Tropfen sollte nicht überschritten werden.

Grapefruitkernextrakt: Anwendung auf der Haut

Befürworter:innen schwören nicht nur auf die innerliche, sondern auch auf die äußerliche Anwendung von Grapefruitkernextrakt. Denn Grapefruitkernextrakt wird eine antientzündliche Wirkung auf die Haut nachgesagt.

  • Einige Tropfen direkt auf die Problemzone gegeben, sollen gegen unreine Haut, Akne sowie Fuß- und Nagelpilz helfen.

  • Schuppen und juckende Kopfhaut gehören ebenfalls zu den äußerlichen Anwendungsgebieten von Grapefruitkernextrakt. Dazu 10 bis 15 Tropfen GKE ins Shampoo mischen und wie gewohnt waschen und ausspülen.

  • Um Schweißfüße zu behandeln, etwa 30 Tropfen Grapefruitkernextrakt für ein Fußbad in etwas lauwarmes Wasser tröpfeln und die Füße fünf Minuten darin baden.

Grapefruitkernextrakt bei äußerlicher Anwendung

Zusätzlich zur Wirkung auf der Haut soll Grapefruitkernextrakt bei Entzündungen im Mund-Rachen-Raum und gegen Schnupfen helfen. Dazu werden dreimal täglich 1 bis 3 Tropfen in lauwarmen Wasser gelöst und zum Gurgeln beziehungsweise für ein Nasenspray-Fläschchen verwendet.

Kann ich mit Grapefruitkernextrakt abnehmen?

Unterschiedliche Hersteller werben damit, dass Grapefruitkernextrakt beim Abnehmen hilft. Viele beziehen sich dabei auf eine Studie, bei der Mäuse, die zusätzlich zu stark fetthaltiger Kost auch Grapefruitkernextrakt erhielten, weniger Fett ansetzten als die Versuchstiere, die kein GKE bekamen.

Da aber auch hier wieder Studienergebnisse beim Menschen fehlen, lässt sich sagen: Wer mit Grapefruitkernextrakt abnehmen möchte, sollte es lediglich unterstützend zu einer gesunden Ernährung und ausreichend Sport einsetzen. Als alleinige Maßnahme lässt GKE keine Kilos schmelzen.

Hat Grapefruitkernextrakt Nebenwirkungen?

Mit Bezug auf den Menschen ist wissenschaftlich weder bewiesen, dass Grapefruitkernextrakt Nebenwirkungen hat, noch dass es keine hat. In einer Studie aus dem Jahr 2013 zeigte sich an Ratten, dass hohe Dosen von GKE entzündliche Prozesse im Körper begünstigen können.

Eine der Nebenwirkungen von Grapefruitkernextrakt, vor der auch Befürworter:innen warnen, ist die sogenannte Heilkrise. Diese tritt auf, wenn der Körper Probleme hat, die absterbenden Pilze, Viren und Bakterien zu verkraften. In der Folge kann Grapefruitkernextrakt folgende Nebenwirkungen hervorrufen:

  • Allgemeines Unwohlsein

  • Kopfschmerzen

  • Verdauungsbeschwerden

  • Müdigkeit

Kann Grapefruitkernextrakt eine Wechselwirkung mit Medikamenten hervorrufen?

Seit Jahren ist bekannt, dass Grapefruitsaft eine Wechselwirkung mit Medikamenten auslösen kann. Die komplette Liste dieser Medikamente stellt der Pharmaindex "Gelbe Liste" online zur Verfügung. Dem entgegen ist nicht bekannt, dass Grapefruitkernextrakt eine Wechselwirkung mit Medikamenten hervorruft. Trotzdem sollte man vor der geplanten Einnahme des Extrakts mit seiner Ärztin/seinem Arzt darüber sprechen.