"Gott sei Dank kann ich wieder gut sehen"

Betroffene hat Sehstörungen überwunden
Bei Gudrun Handschke löste sich die Netzhaut ab. Ein Silikonschwamm konnte das Loch in der Netzhaut schließen und die Sehstörungen heilen © Fotolia

Beim Lesen verschwammen die Worte, dann tauchten Fusseln vor dem Auge auf – eine neue Operationsmethode half der Patientin, die Sehstörungen zu heilen.

Die Beschwerden begannen Anfang des Jahres: „Als ich abends ein Buch lesen wollte, waren auf einmal einige Buchstaben undeutlich. Ich beachtete das aber nicht weiter und dachte, das gibt sich wieder", erzählt Gudrun Handschke*. Doch es wurde schlimmer: In den nächsten Tagen tauchten Fusseln vor dem rechten Auge auf. „Ich rieb das Auge. Aber die Fussel blieben", berichtet die ehemalige Anwaltssekretärin. Gudrun Handschke konnte sich die Sehstörungen nicht erklären. Bis dahin hatte sie keine Beschwerden gehabt, denn als Kurzsichtige trug sie schon seit vielen Jahren Kontaktlinsen. Als die Sehstörungen wieder auftauchten, ging Gundula Handschke doch zum Augenarzt. Dieser untersuchte sie, konnte aber keine Ursache für das Problem finden. Die Patientin erinnert sich: „Der Augenarzt sagte, das sei vorübergehend. So etwas passiere bei älteren Leuten schon mal."

 

Ein durchgeschnittener Ball, der hin- und herrutschte

Es entwickelte sich leider anders: „Es wurden immer mehr Fusseln, die vor meinem rechten Auge herumschwirrten", berichtet Gudrun Handschke. „Wie man sich denken kann, wird man davon völlig nervös, vor allem wenn man keine Erklärung dafür hat." Der Alltag wurde zunehmend beschwerlich. Vor allem das Laufen bereitete der Rentnerin Schwierigkeiten. Aufgrund der ständigen Sehfeldeinschränkung war auch ihr Gleichgewichtssinn gestört: „An Bürgersteigen kam ich fast ins Stolpern. Ich traute mich auch nicht mehr, Auto zu fahren. Langsam bekam ich es mit der Angst zu tun." Ganz schlimm wurde es an einem Montagmorgen: „Plötzlich sah ich einen durchgeschnittenen Ball, der hin- und herrutschte. Die Fusseln waren zwar weg, aber dieser Ball war bedrohlicher. Da wusste ich, hier stimmt definitiv etwas nicht", erinnert sich Gundula Handschke.

Als der Ball weiter vor ihrem Auge störte, stand ihr Entschluss fest: „Ich konnte nicht länger warten. Ich musste ins Krankenhaus fahren, wenn ich mein Augenlicht nicht riskieren wollte." Sie bestellte ein Taxi und ließ sich in das Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf bringen. In der Augenklinik wurde sie sofort gründlich untersucht. Die Diagnose: Netzhautablösung. Dr. Lars Wagenfeld, Oberarzt in der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, erklärte ihr dazu: „Das Ziel der Behandlung bei einer Netzhautablösung ist, die Netzhaut wieder fest anzulegen."

Netzhaut-Ablösung

Die Netzhaut ist ein extrem dünnes Häutchen. Sie kleidet das Auge wie eine Tapete von innen aus. Durch angeborene Schwachpunkte des Gewebes, Alterserscheinungen und Verletzungen können Risse und Löcher in der Netzhaut entstehen. Flüssigkeit kann so hinter die Netzhaut laufen und sie von der Wand abheben. Kurzsichtige Menschen sind besonders gefährdet, ihr Augapfel ist zu lang. Durch das Längenwachstum kann es zu dünnen Stellen in der Netzhaut kommen, wodurch sie leichter einreißen kann.

 

Ein Schwamm aus Silikon half, die Sehstörungen zu bekämpfen

Dafür gibt es ein sehr gutes Operationsverfahren: „Auf der äußeren Hülle des Auges, der Lederhaut, wird ein winziger Silikonschwamm angenäht. Genau an die Stelle, wo das Loch in der Netzhaut ist. Spannt man dann die Fäden, nähern sich Netzhaut und Lederhaut zwangsläufig aneinander an. Das ist gewollt, denn dadurch wird das Loch in der Netzhaut von der Plombe geschlossen." Dabei wird die äußere Wand der abgelösten Netzhaut „entgegengebeult", deswegen spricht man auch von „Buckelchirurgie".

Schon am nächsten Tag wurde Gundula Handschke operiert. Der Eingriff fand unter Vollnarkose statt. „Man kann es auch in örtlicher Betäubung machen, aber ich wollte davon nichts mitbekommen", erzählt die Patientin. Rund eine Stunde dauerte die Operation. Als Gundula Handschke aufwachte, war ihr rechtes Auge verbunden. Bereits am nächsten Tag konnte der Verband abgenommen werden. „Die Fusseln und der durchgeschnittene Ball waren verschwunden. Dennoch sah ich die erste Zeit alles etwas verschwommen. Das gab sich aber schnell", berichtet sie erleichtert.

Heute ist Gundula Handschke froh, alles so gut überstanden zu haben: „Ich kann wieder sehr gut sehen. Mir geht es ganz wunderbar. Ich kann sogar wieder sorglos Auto fahren."

*Name von der Redaktion geändert

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