Goldene Eltern-Regel: Wie Sie Ihr Kind von Drogen und Alkohol fernhalten

Richtige Erziehung
Wie streng sollen Eltern in der Erziehung ihrer Kinder sein? Was lässt man durchgehen? Und wie hält man sie von Drogen fern? Forscher fanden nun heraus, dass nur die goldene Mitte einen effektiven Weg darstellt – doch der muss erst gefunden werden © Fotolia

Wie können Eltern verhindern, dass ihre Kinder Drogen und Alkohol verfallen? Ein internationales Forscherteam zeigt in einer aktuellen Studie, dass weder ein zu strenger noch ein zu lockerer Erziehungsstil den gewünschten Erfolg bringen. Den größten Einfluss gewinnen Eltern über einen goldenen Mittelweg – doch der ist nicht immer einfach zu finden. Praxisvita erklärt Ihnen worauf Sie dabei achten müssen und zeigt Ihnen ausführlich welche Hinweise auf einen Drogenkonsum Ihres Kindes hinweisen könnten.

Wie viel Kontrolle und Zuneigung benötigen Kinder und Jugendliche, damit sie nicht dem Alkohol oder anderen Drogen verfallen? Das fragte sich ein internationales Forscherteam des European Institute of Studies on Prevention (IREFREA) in einer kürzlich veröffentlichten Studie. Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler von über 7.000 Jugendlichen aus sechs europäischen Ländern das Verhältnis zu den Eltern, das Konsumverhalten von Drogen und Alkohol sowie die Erziehungsmethoden der Eltern. Dabei stellte sich heraus, dass sich extreme Erziehungsweisen nicht eignen, um Einfluss auf Kinder und Jugendliche zu nehmen. Ein zu strenger Umgang mit den Kindern und Jugendlichen eigne sich nach Aussagen der Forscher ebenso wenig als Erziehungsmethode wie ein zu nachgiebiger.

 

Auf der Suche nach einen Mittelweg

Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler empfehlen deswegen eine Beziehung zum jeweiligen Kind und eine darauf basierende Erziehung zwischen den Extremen Autorität und Nachgiebigkeit auszurichten. Mit anderen Worten: Eltern sollten nach einem goldenen Mittelweg suchen – doch das gestaltet sich in der Praxis nicht immer einfach.

Um einen solchen Mittelweg zu finden, müsse nach Meinung von Studienleiter Prof. Amador Calafat zuerst an der „Herstellung einer guten Beziehung zwischen Kind und Eltern“ gearbeitet werden. Das gehe aber nicht einseitig. Eine klare, faire und argumentative Kommunikation zwischen Eltern und Kindern sei ebenso wichtig wie „das Vermitteln von klaren Regeln und Grenzen“. Faustregel ist hier, Kinder mit Argumenten zu überzeugen, nicht aber über den grundsätzlichen Charakter der Regeln zu verhandeln.

Die Studie zeigte, dass Eltern, die von ihren Kindern weder als autoritär noch als antiautoritär wahrgenommen wurden, den besten Einfluss auf das Suchtverhalten der Kinder hatten.

Der erfolgversprechendste Weg, so erklärt Professor Calafat, Kinder von Drogen, Alkohol und anderen Abwegen fern zu halten, ist die „unmissverständliche Aussprache klarer Regeln und die liebevolle und flexible Anwendung dieser Regeln in der Praxis.“ Regeln sollten zudem immer begründet sein, das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie von den Kindern und Jugendlichen angenommen werden.

 

Kinder wollen Regeln – und Verständnis

Kinder, die von ihren Eltern keine klaren Regeln bekommen, empfinden das häufig sogar als mangelnde Zuwendung durch die Eltern – sie fühlen sich vernachlässigt. Drogenkonsum kann dann Ausdruck des Bedürfnisses nach Aufmerksamkeit sein. Außerdem, so betonen die Forscher, habe die Studie eindeutig gezeigt, dass es bei den Kindern und Jugendlichen nicht zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Drogen kommt, wenn Eltern auf strenge Kontrollmaßnahmen verzichten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder mit nachgiebigen Eltern im Laufe ihrer Jugend Abhängigkeiten entwickeln, ist statistisch ebenso hoch, wie bei Kindern, deren Eltern eine autoritäre Erziehung vertreten.

Nach Aussagen der Forscher sind elterliche Einflussmöglichkeiten immer begrenzt. Mütter und Väter sollten sich stets vor Augen halten, dass sie mit ihrer Erziehung nicht der einzige Einflussfaktor für die Entwicklung ihrer Kinder sind. Geschwister, Schulfreunde, Internet, Fernsehen und viele andere Faktoren können bei der Entscheidung für oder gegen Drogen eine große Rolle spielen.

 

Eltern sind immer Vorbilder

Das Verhalten eines Kindes kann in diesem Sinne nicht komplett durch elterliche Erziehungsmaßnahmen modelliert werden. Kinder und Jugendliche treffen eigene Entscheidungen. Aber durch die Modellierung des eigenen Verhaltens können Eltern nachweislich einen signifikanten Einfluss auf ihre Kinder nehmen. So sind z.B. Kinder, deren Eltern regelmäßig Alkohol oder Drogen konsumieren, in erheblich größerem Maße gefährdet selbst entsprechende Abhängigkeiten zu entwickeln.

Die Studie zeigt zudem, wie wichtig es ist, dass Eltern hinsichtlich ihrer Erziehung einen konsistenten Weg beschreiten. Sie sollten diesselben Verhaltensregeln anwenden. Egal welcher Elternteil glaubt, mehr Zugang oder Einfluss auf das Kind zu haben, letztlich verringert sich bei abweichenden Erziehungsmaßnahmen immer die Glaubwürdigkeit für beide Eltern. Dies gelte für zusammenlebende Eltern genauso wie für Eltern, die getrennt voneinander die Erziehung gestalten.

 

Warnzeichen – woran Sie erkennen, ob ihr Kind Drogen nimmt

Es gibt sehr viele mögliche Anzeichen für einen Drogenmissbrauch bei Ihrem Kind – und ebenso viele Möglichkeiten solche Hinweise falsch zu deuten. Wenn Sie eines oder mehrere der folgenden Zeichen bei Ihrem Kind bemerken, sollten Sie ein ruhiges Gespräch suchen und gegebenenfalls einen Arzt oder Drogenberater um Rat fragen.

Äußerliche Anzeichen gehören oft zu den ersten und mitunter deutlichsten Zeichen, an denen Sie bemerken können, dass Ihr Kind eine Droge missbraucht. Auffällig ist oft ein Absacken in der Schule. Wenn die Noten Ihres Sprösslings plötzlich schlechter werden, sollten Sie genau hinschauen. Weitere Hinweise könnten häufiger Geldmangel, seltsamer – z.B. süßliche Geruch – an der Kleidung oder im Zimmer Ihres Kindes, lädierte Zigarettenschachteln sowie verdächtige Bemerkungen aus dem Umfeld Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter sein.

Körperliche Merkmale, die Sie glauben bei Ihrem Kind beobachten zu können, sind die vielleicht trügerischsten Hinweise. Sollten Sie bei Ihrem Sohn oder Tochter aber z.B. dauerhafte Appetitlosigkeit, chronische Müdigkeit, Schlaflosigkeit, rote oder schwarz unterlaufene Augen, starker Husten oder Gewichtsverlust bemerken, sollten Sie ein klärendes Gespräch suchen.

Wesensveränderungen sind sehr typische, aber letztlich auch sehr schwer zu erkennende Anzeichen für eine Drogensucht. Bedenken Sie welche Gründe noch für die beobachteten Auffälligkeiten in Frage kommen könnten. Gerade in der Pubertät sind kleinere, emotionale Krisen – wie Liebeskummer – oder rebellisches Verhalten nicht selten Anlass für teilweise tragische Wesenseinbrüche. Achten Sie aber dennoch auf Hinweise wie auffällige Gleichgültigkeit oder Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Apathie, depressive Verstimmungen und der Rückzug aus sozialen Kontakten. Auch wenn plötzlich der Freundeskreis wechselt – z.B. mit Personen, von denen Sie in den Jahren davor noch nie gehört haben – sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten.

Die wohl auffälligsten Hinweise für eine Drogensucht sind bestimmte Utensilien. Finden Sie angekohlte Löffel, Joint-Stummel, Long-Papers, Pfeifen, Spritzen oder leere Klipp-Tütchen handelt sich es um einen deutlichen Hinweis auf Drogenmissbrauch. Aber auch Ihnen unbekannte Pflanzen, Samen, Pulver oder Tabletten sollten Ihre Aufmerksamkeit wecken.

Hamburg, 14. Juni 2014

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