Glukosetoleranztest: So wird ein erhöhtes Diabetes-Risiko festgestellt

Michelle Kröger

Mittels eines Glukosetoleranztests erfahren Patienten, ob Diabetes mellitus oder bei Schwangerschaftsdiabetes vorliegt. Aber auch Nicht-Schwangeren mit einem erhöhten Diabetes-Risiko wird dazu geraten. 

Frau wird Blut abgenommen
Eine Blutabnahme gibt Aufschluss über das Diabetesrisiko Foto:  iStock/Pratchaya
Inhalt
  1. Glukosetoleranztest: Was ist das genau?
  2. Wann wird ein Glukosetoleranztest durchgeführt?
  3. Welche Formen des Glukosetoleranztests gibt es?
  4. Ablauf des Glukose-Challenge-Tests
  5. Ablauf des oralen Glukosetoleranztests (oGTT)
  6. Birgt der Glukosetoleranztest Risiken?
 

Glukosetoleranztest: Was ist das genau?

Ein Glukosetoleranztest dient dazu, herauszufinden, ob der Körper Glukose (Traubenzucker) normal verwerten kann. “Der orale Glukosetoleranztest ist ein Verfahren zur Aufdeckung einer gestörten Zuckerverstoffwechselung, eines beginnenden Diabetes Mellitus Typ II sowie Schwangerschaftsdiabetes”, sagt der Hamburger Diabetologe und Bestsellerautor Dr. Matthias Riedl. “Während des Tests wird der Blutzuckerverlauf vor und nach oraler Aufnahme einer definierten Glukoselösung in einem bestimmten Zeitintervall überprüft und nach genau definierten Grenzwerten ausgewertet.” Andere Testverfahren wie die Nüchtern-Glukose seien dagegen häufig noch unauffällig oder im Graubereich. 

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Wann wird ein Glukosetoleranztest durchgeführt?

“Die Indikation zur Durchführung eines Glukosetoleranztests in der Diabetologie ist bei erhöhtem Risiko zur Entwicklung eines Diabetes Mellitus Typ II gegeben”, sagt Dr. Riedl.

Faktoren, die zu einem erhöhten Diabetesrisiko führen: 

  • ein erhöhter Nüchternglukose- (< 100mg/dl) oder HbA1c (Langzeitzucker)-Wert,
  • Risikosituationen wie erstgradige Verwandte mit Typ-II-Diabetes,
  • Übergewicht mit BMI >27 kg/m^2,
  • Bluthochdruck,
  • eine Fettstoffwechselstörung und
  • eine zurückliegende Schwangerschaftsdiabetes.

In der Gynäkologie dient der Glukosetoleranztest außerdem als Vorsorgeuntersuchung zum Ausschluss einer Schwangerschaftsdiabetes. “Der Test kann auch zur Abklärung eines unerfüllten Kinderwunsches bei zumeist Insulinresistenz im Rahmen eines PCO-Syndroms durchgeführt werden.”

 

Welche Formen des Glukosetoleranztests gibt es?

Es gibt laut dem Experten aktuell zwei unterschiedliche Formen der Glukosetoleranztests: Den sogenannten 50g-Screening-Test, der durch die Gynäkologen im Rahmen der Schwangerenvorsorge durchgeführt wird, sowie den 75g-Glukosetoleranztest, der den Standard in der Diabetologie ausmacht. Heißt: eine Kurzvariante (auch: Glukose-Challange-Test) und einen längeren vollständigen oralen Glukosetoleranztest (oGTT). Beide Testverfahren werden oft auch einfach Zuckertest genannt.

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Ablauf des Glukose-Challenge-Tests

Die beiden Testvarianten unterscheiden sich im Ablauf entscheidend voneinander: Der Glukose-Challenge-Test ist bedeutend kürzer in der Anwendung. Er kann quasi zu jeder Tageszeit durchgeführt werden. Der Ablauf ist simpel: Der Patient trinkt ein großes Glas konzentrierte Zuckerlösung: 50 Gramm Glukose (Traubenzucker) aufgelöst in 250 bis 300 Milliliter Wasser. Nach der einstündigen Wartezeit erfolgt eine Blutabnahme, um die Höhe des Blutzuckers zu bestimmen.

 

Ablauf des oralen Glukosetoleranztests (oGTT)

Erscheinen Sie nüchtern in der Arztpraxis, wenn der Glukosetoleranztest ansteht. Heißt: nicht frühstücken, die letzte Mahlzeit war am letzten Abend. Selbiges gilt für Getränke (außer Wasser). “Zunächst erfolgt die Bestimmung der Nüchtern-Glukose”, sagt Dr. Riedl. Es wird Blut abgenommen (aus Vene, Finger oder Ohrläppchen), um den Blutzucker im nüchternen Zustand bestimmen zu können. “Daraufhin erhält der Patient eine 300 Milliliter umfassende Lösung mit 75 Gramm Glukose zu trinken. Nach zwei Stunden wird dann erneut der Blutzucker gemessen. Daraufhin erfolgt die Auswertung”, erklärt der Diabetologe. Kinder erhalten eine Glukose-Menge, die an ihr Körpergewicht angepasst wird.

Wird der Test aufgrund eines Verdachts auf Diabetes mellitus durchgeführt, erfolgt nach rund zwei Stunden eine erneute Blutentnahme bzw. Messung des Blutzuckers. Besteht der Verdacht auf Schwangerschaftsdiabetes, nimmt der Arzt eine Stunde nach dem ersten Test nochmals Blut ab und dann erneut nach zwei Stunden. Die Ergebnisse des oralen Glukosetoleranztests in den Einheiten Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben.

Der Glukosetoleranztest sollte im Liegen oder Sitzen durchgeführt werden. Außerdem wird empfohlen bis zur letzten Blutentnahme nicht zu essen, nicht zu trinken und nicht zu rauchen. “Voraussetzung zur Durchführung des Tests ist, dass der Patient zuvor über zehn Stunden nüchtern ist”, betont der Experte. Achten Sie an den Tagen vor dem Test auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Diäten bzw. Abweichen der normal üblichen Ernährungsweise können die Aussagekraft des Testverfahrens verfälschen.

Auch spezielle Medikamente können das Ergebnis beeinflussen. “Außerdem sollte kein akuter Krankheitszustand vorliegen. Ein Diabetes mellitus Typ I stellt eine Kontraindikation dar”, sagt Dr. Riedl. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber und lassen Sie sich genau erklären, worauf Sie achten sollten.

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Birgt der Glukosetoleranztest Risiken?

Der Glukosetoleranztest ist generell eine sehr risikoarme Untersuchung. Ein spezielles Risiko ist die Gefahr der Überzuckerung durch zu hohe Zuckerbelastung”, sagt Dr. Riedl. Dies sollte aber durch das Messen der Nüchtern-Glukose weitestgehend ausgeschlossen sein, da der Test bei eindeutig pathologischer Nüchtern-Glukose (< 126mg/dl) nicht durchgeführt wird. “Ansonsten können allgemeine Risiken wie Unverträglichkeit der Glukoselösung natürlich nicht ausgeschlossen werden.”

Unser Experte

Dr. Matthias Riedl, Diabetologe, Ernährungsmediziner, Internist, Bestsellerautor, Geschäftsführer und ärztlicher Direktor im MEDICUM HAMBURG, Europas größtes und ältestes Zentrum für Diabetes und Ernährungsmedizin. Gerade feierte die Diabetesabteilung 75-jähriges Jubiläum.

Quellen:
Deutsche Diabetes Gesellschaft
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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