Gliederschmerzen: Ursachen und Tipps zur Selbsthilfe

Verena Elson

Ziehende und beißende Schmerzen in Armen und Beinen: Gliederschmerzen können extrem unangenehm sein. Die Ursachen der Arm- und Beinschmerzen sind unterschiedlich. Medikamente und Hausmittel helfen, die Gliederschmerzen zu lindern.

Inhalt
  1. Gliederschmerzen: Alle Infos im Überblick
  2. Was sind die Gliederschmerzen-Ursachen?
  3. Was hilft gegen Gliederschmerzen?
 

Gliederschmerzen: Alle Infos im Überblick

Was löst Gliederschmerzen aus? Meist eine Infektionserkrankung, z.B. Erkältung oder Grippe. Andere mögliche Ursachen sind Erkrankungen der Knochen, Sehnen, des Bindegewebes oder der Gelenke, wie etwa Rheuma oder Osteoporose.
Warum hat man bei einer Erkältung Gliederschmerzen? Die bei einer Erkältung aktivierten Immunzellen schütten Botenstoffe aus, die im gesamten Körper verteilt werden und Schmerzen auslösen.
Was hilft gegen Gliederschmerzen? Schmerzmittel (sparsam eingesetzt) und Hausmittel.
Wann zum Arzt mit Gliederschmerzen? Nach drei Tagen ohne Besserung.

 

Was sind die Gliederschmerzen-Ursachen?

Gliederschmerzen können viele Ursachen haben. Die Bandbreite reicht von kurzfristigen Überlastungen durch zu viel oder ungewohnte Bewegung über nahende Infekte bis zu chronischen rheumatischen Erkrankungen.

Gliederschmerzen bei Erkältung: Das Immunsystem läuft auf Hochtouren

Gliederschmerzen bei einer Erkältung oder einem anderen Infekt sind ein gutes Zeichen – denn sie signalisieren, dass das Immunsystem hart arbeitet, um die Krankheitserreger wieder loszuwerden. Die Immunzellen, die sich über das Blut im ganzen Körper verteilen, schütten bei ihrer „Arbeit“ Botenstoffe aus, um untereinander zu kommunizieren. Diese Botenstoffe reagieren auch mit den Nervenzellen – was zur Folge hat, dass wir die im Körper ablaufenden Abwehrprozesse als schmerzhaft empfinden.

Warum treten Kopf- und Gliederschmerzen häufig zusammen auf?

Bei einer Virusinfektion klagen viele Betroffene über eine Kombination von Kopf- und Gliederschmerzen. Der Grund für die mit den Gliederschmerzen einhergehenden Kopfschmerzen ist folgender Prozess: Die Blutgefäße weiten sich, damit die Immunzellen schneller durch das Blut transportiert werden können. Die Folge ist ein Absinken des Blutdrucks – was wiederum Kopfschmerzen auslöst.

Was steckt hinter Gliederschmerzen ohne Fieber?

Starke Gliederschmerzen gehen häufig mit Fieber einher – etwa bei einer Grippe. Bei einer Erkältung können Gliederschmerzen durchaus auch ohne Fieber auftreten. In der Regel sind sie dann nach spätestens drei Tagen wieder überstanden. Treten immer wieder Gliederschmerzen ohne Fieber und ohne Infekt auf oder halten diese über längere Zeit an, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Denn hinter chronischen Gliederschmerzen kann eine andere Grunderkrankung stecken.

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Erkrankungen der Blutgefäße verursachen Gliederschmerzen

Oft verursachen krankhafte Veränderungen an den arteriellen oder venösen Blutgefäßen Gliederschmerzen. Werden zum Beispiel bestimmte Bereiche nicht mehr oder nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, können teils heftige Gliederschmerzen entstehen. Gründe für eine verminderte Blutversorgung sind vollständige oder teilweise Gefäßverschlüsse (z. B. durch Thrombosen) unterschiedlicher Ursache sowie sogenannte Kompressionssyndrome, bei denen Blutgefäße durch verschiedene Ursachen so stark zusammengedrückt werden, dass kaum mehr Blut hindurch fließt. Ebenso können entzündlich-rheumatische Entzündungen der Blutgefäße (Vaskulitiden) Gliederschmerzen verursachen.

Gliederschmerzen durch Überlastungen, Verletzungen und Erkrankungen der Muskulatur

Ein häufiger Grund für Gliederschmerzen sind Überlastungen, Verletzungen und Erkrankungen der Extremitäten. Ein typisches Beispiel für eine Überlastung ist Muskelkater, der durch ein Übermaß an Bewegung oder ungewohnte Bewegungen entstehen kann. Außer den Muskeln können auch Bänder, Sehnen und weitere Bindegewebsstrukturen auf Überlastungen mit Schmerzen reagieren. Ein Beispiel hierfür sind Sehnenscheidenentzündungen, die beispielsweise durch übermäßig langes Schreiben am Computer entstehen können. Darüber hinaus gibt es verschiedene Erkrankungen der Muskulatur, die zu Gliederschmerzen führen (septische Myositis). Ebenso können Verletzungen einzelner Strukturen – zum Beispiel ein Muskelfaserriss oder ein Sehnenriss – Gliederschmerzen verursachen.

Gliederschmerzen durch Erkrankungen der Gelenke und Knochen

Eine weitere mögliche Ursache chronischer Gliederschmerzen sind Erkrankungen der Gelenke und Knochen. Zu den weiter verbreiteten Gelenkerkrankungen gehören unter anderen Gelenkverschleiß (Arthrose) und Gelenkentzündungen (Arthritiden) verschiedener Ursache. Gelegentlich vorkommende Knochenerkrankungen sind Knochenschwund (Osteoporose), Knochenerweichung (Osteomalazie) und Knochenmarkentzündung (Osteomyelits). Auch Knochen(an)brüche kommen bei Gliederschmerzen als Ursache infrage. Zu den seltenen Ursachen von Gliederschmerzen zählen bösartige Tumoren im Knochengewebe.

Wenn Gliederschmerzen in Wahrheit ausstrahlende Schmerzen sind

Arm- und Beinschmerzen können auch durch Rücken-, Nacken- und Schulterprobleme entstehen. Die Schmerzempfindungen des gesamten Körpers – und damit auch der Extremitäten – entstehen in Wechselwirkung zwischen dem jeweiligen Organ/Körperteil und dem Gehirn. Die Verbindung zwischen diesen wird über ein Geflecht von Nervenfasern hergestellt. Das Gehirn ist mit weiten Teilen des Körpers über Nervenbahnen verbunden, die zunächst im Innern des Wirbelkörpers (Spinalkanal) verlaufen.

An den Wirbelkörpern treten einzelne dieser Nervenbahnen aus dem Spinalkanal aus. Von dort gliedern sie sich im Verlauf immer weiter auf, sodass sie schließlich den ganzen Körper durchziehen. Werden die Nervenfasern (z. B. durch Verspannungen der Rückenmuskulatur) gequetscht oder irritiert, können dadurch Empfindungsstörungen entstehen. Diese reichen von leichten Missempfindungen wie Kribbeln, beispielsweise in den Fingern, bis zu unerträglichen Schmerzen und Lähmungserscheinungen. Schmerzen, die bis in die Gliedmaße ausstrahlen, kommen auch bei Schäden an inneren Organen vor. Ein bekanntes Beispiel ist der schmerzende Arm bei einem akuten Herzinfarkt.

Gliederschmerzen durch Störungen des Hormon- und Mineralstoffhaushalts

Produziert die Schilddrüse zu viele oder zu wenig Schilddrüsenhormone (Hyper-, Hypothyreose), kann dies ebenfalls Gliederschmerzen auslösen. Gelegentlich führt auch eine Unterversorgung des Körpers mit wichtigen Mineralstoffen wie Kalzium, Kalium oder Natrium zu Muskelschmerzen in Armen und/oder Beinen. Diese Unterversorgung kann wiederum zahlreiche Ursachen (z. B. Nierenprobleme) haben. Weitere mögliche Ursachen von Gliederschmerzen sind:

 

Was hilft gegen Gliederschmerzen?

Bei Gliederschmerzen helfen Schmerzmittel wie Acetylsalicysäure, Ibuprofen oder Paracetamol. Diese sollten allerdings nur sparsam eingesetzt werden: Bei einem Infekt lindern sie zwar die Schmerzen – dies tun sie allerdings, indem sie die Produktion der an der Abwehrreaktion beteiligten Botenstoffe drosseln und damit auch die Immunreaktion hemmen. Unterstützend können Hausmittel bei Gliederschmerzen lindernd wirken:

  1. Warmes Bad: Bei Gliederschmerzen ohne Fieber wirkt ein warmes Bad mit krampflösenden Zusätzen wie Fichtennadeln wohltuend. Es entspannt die Muskeln und wirkt schmerzlindern. Bei Fieber sollte auf das Baden verzichtet werden.
  2. Ingwertee trinken: Ingwer enthält den Pflanzenstoff Gingerol, der der Wurzel ihren scharfen Geschmack verleiht und gleichzeitig schmerzstillend wirkt. Zusätzlich stärkt Ingwer das Immunsystem. Tipp: Für den Ingwertee keine großen Stücke verwenden, sondern dünne Scheiben – durch die größere Schnittfläche gelangen mehr der schmerzstillenden Scharfstoffe in den Tee.
  3. Warme oder kalte Wickel: Viele Betroffene empfinden warme oder kühlende Wickel bei Gliederschmerzen als wohltuend. Dafür einfach ein Tuch je nach Vorliebe in kaltes oder warmes Wasser tauchen und um die Waden wickeln.


Quellen:

Black, Christopher D. et al. (2010): Ginger (Zingiber officinale) reduces muscle pain caused by eccentric exercise. In: The Journal of Pain.

Häuser, W., et al. (2008): Schritte zu einer symptombasierten Diagnose des Fibromyalgiesyndroms. In: Zeitschrift für Rheumatologie.

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