Gigantismus – Warum manche Menschen riesig sind

Manche Menschen sind riesig
Der offiziell größte Mensch aller Zeiten war Robert Wadlow. Von den Fußspitzen bis zum Scheitel maß er 2,72 Meter. Seine Armspannweite betrug 2,88 Meter und seine Schuhe hatten die Größe 76 – Weltrekord bis heute. Der Grund für seinen extremen Wachstum wa © Imago

Es gibt Menschen, gegen die wirken selbst vermeintliche Riesen wie Basketball-Spieler Dirk Nowitzki (2,13 Meter) mickrig. Echte „Giganten“ – im Sinne ihrer Körpergröße – überragen mindestens die 2,40 Meter. Das medizinische Phänomen dahinter nennt sich Gigantismus (Hypersomie) und ist nicht in allen Fällen angeboren.

Gigantismus ist weniger eine Krankheit, als viel mehr ein Symptom. Mediziner unterscheiden zwischen zwei Ursachen: Dem erblich bedingten Gigantismus und (konstitutionelle Hypersomie) oder dem hormonell verursachten Riesenwuchs (hypophysären Hyersomie). Dabei handelt es sich um eine Überfunktion einer Drüse im Gehirn (Hypophyse), die Wachstumshormone produziert. Diese Funktionsstörung der Hypophyse steht in vielen Fällen mit anderen Erkrankungen in Zusammenhang, wie z.B. einem gutartigen Tumoren am sogenannten Hypophysen-Vorderlappen.

Die genetischen Ursachen für eine konstitutionelle Hypersomie dagegen waren lange Zeit nicht bekannt. Doch in einer aktuellen Studie zeigen US-amerikanische und belgische Forscher, dass eine Genmutation auf dem X-Chromosom für den riesigen Körperwuchs mancher Menschen verantwortlich sein könnte.

 

Liegt die Ursache auf dem X-Chromosom?

Die Forscher fanden in den vergangenen Jahren bei zwei US-amerikanischen Personen mit Gigantismus eine Verdopplung (Genduplikation) des Gens GPR101 auf dem X-Chromosom (Xq26.3). Die Wissenschaftler hatten den Verdacht, dass diese bisher unbekannte Genmutation Auslöser war.

Das war der Startschuss für die nun veröffentlichte großangelegte Studie, bei der die Forscher die DNA von insgesamt 43 Personen mit Riesenwuchs untersuchten. Nach der Sequenzierung der Gene des X-Chromosoms stellte sich heraus, dass sich bei 13 der 43 Probanden die entsprechende Genduplikation nachweisen ließ. Für eine genetische Ursache sprach bei diesen Fällen zudem, dass bei diesen Personen der Riesenwuchs bereits in den frühen Kindheitsjahren aufgetreten war. Umgekehrt hatten alle Betroffenen, die keine Genduplikation auf dem X-Chromosom hatten, den Gigantismus erst im Erwachsenenalter entwickelt.

 

Verdacht bestätigt sich

Bisher ist nicht abschließend geklärt, welche Funktion das GPR101-Gen im Körper hat. Nach Aussagen der Forscher deuten die nun vorgestellten Ergebnisse aber daraufhin, dass es eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Körperwachstums übernimmt.

Neben dem Riesenwuchs gibt es auch den sogenannten Zwergwuchs (Nanosomie). Dass Betroffene nicht zwangsläufig unter ihrer außergewöhnlichen Körpergröße leiden, sondern sie besonderes dadurch schaffen, zeigt die folgende Bildergalerie.

Hamburg, 7. Dezember 2014

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