Gibt es einen Migräne-Antikörper?

Antikörper linder Migräneschmerz
Nicht bei allen Migräne-Patienten wirken Schmerzmittel. Diesen Menschen könnte nun ein spezieller Antikörper helfen © Fotolia

In Deutschland leiden rund acht Millionen Menschen an unterschiedlich starken Migräneschmerzen. Bisher wurden solche Migräne-Attacken vor allem mit Schmerzmitteln (z.B. Triptane) behandelt. Nun haben Wissenschaftler einen Antikörper entwickelt, der eine alternative Behandlungsmöglichkeit bieten könnte. Praxisvita hat die Fakten.

Mediziner gehen davon aus, dass Migräne-Schmerzen durch die Freisetzung eines bestimmten Eiweißmoleküls (CGRP), das die Arterien im Gehirn erweitert, verstärkt werden. Ein internationales Forscherteam um Professor David W. Dodick von der Mayo Clinic Arizona (USA) hat nun einen speziellen Antikörper (ALD403) entwickelt, der die Freisetzung dieses schmerzsteigernden Peptids während eines Migräneanfalls verhindern soll. Veröffentlicht wurden die Studien-Ergebnisse kürzlich in dem Fachmagazin „The Lancet Neurology“.

 

Antikörper nach 12 Wochen aktiv

Für die Studie bekamen Probanden im Alter von 18 bis 55 Jahren einmalig eine 1.000 Milligramm-Dosis des CGRP-Antikörpers per Injektion verabreicht. Gleichzeitig wurde eine Kontrollgruppe mit einem Placebo behandelt. Die Häufigkeit der Migräneanfälle war bei den Patienten vor der ALD403-Behandlung unterschiedlich stark ausgeprägt. Manche Teilnehmer zeigten in einem Messzeitraum von 28 Tagen an fünf Tagen Migränesymptomen, andere an bis zu 14 Tagen.

Die Verabreichung der Antikörper erwies sich nach fünf bis acht Wochen als wirksam. Nach 12 Wochen hatten sich die Tage, an denen die Probanden an Migräneschmerzen litten, – pro Messzeitraum von 28 Tagen – um durchschnittlich 5,6 Tage verringert. Innerhalb der Placebo-Gruppe nahmen dagegen die Anzahl der Kopfschmerztage im Schnitt nur um 4,6 Tage ab.

 

Die Risiken und Nebenwirkungen

Hauptaufgabe der Studie war es – neben der Bestimmung der Wirksamkeit der Antikörper auf Migräneschmerzen – die Anwendungssicherheit von ALD403 zu überprüfen. Dabei stellte sich heraus, dass bei den mit dem Antikörper behandelten Probanden – im Vergleich zur Placebo-Gruppe – Nebenwirkungen nicht häufiger auftraten. Deswegen haben die an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftler auch keine Sicherheitsbedenken.

 

Der Migräne-Selbsttest

Viele Menschen wissen nicht, dass sie Migräne haben– und sind deshalb nicht in ärztlicher Behandlung. Mit den folgenden Fragen können sie in drei Schritten überprüfen, ob Sie an migränetypischen Symptomen leiden. Die Erkennungsrate liegt bei über 90 Prozent. Sollten sie alle Fragen bejahen, ist es ratsam einen Arzt aufsuchen und sich über mögliche Behandlungsmöglichkeiten beraten lassen.

1) Hatten Sie in den vergangenen drei Monaten so starke Kopfschmerzen, dass Sie für einen Zeitraum von mindestens 12 Stunden alltäglichen Aktivitäten nicht mehr oder nur stark eingeschränkt nachgehen konnten?

2) Treten bei Ihnen starke Kopfschmerzen im Zusammenhang mit Übelkeit und Erbrechen auf?

3) Reagieren Sie empfindlicher auf Licht, Helligkeit oder weiße Flächen, wenn Sie an Kopfschmerzen leiden?

Hamburg, 13. Dezember 2014

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