Gibt es bald Opium-Brauereien?

Schlafmohn
Bisher benötigt die Pharmaindustrie Schlafmohn, um Opiate wie Morphium herzustellen – das könnte sich bald ändern © Fotolia

Für die Herstellung von starken Schmerzmitteln wie Morphium benötigen Mediziner bisher eine spezielle Pflanze: den Schlafmohn. Doch US-Forschern ist jetzt ein Durchbruch gelungen: Sie haben Opiate aus Hefe „gebraut“.

Der Schlafmohn ist eine wertvolle Pflanze für die Medizin. Und das liegt an einem bestimmten Bestandteil des Gewächses – dem sogenannten Reticulin. Denn daraus lassen sich Schmerzmittel wie Morphium herstellen, aber auch Antibiotika und zahlreiche Krebsmittel.

Wissenschaftlern der US-amerikanischen University of California ist es jetzt gelungen, Reticulin im Labor herzustellen. Dazu manipulierten sie Bierhefe so, dass sie die beispielsweise in der Zuckerrübe enthaltene Glukose in Reticulin umwandelte.

 

Heroin im Heimset herstellen

In Wissenschaftskreisen gilt diese Entdeckung als bahnbrechend. Doch bei zahlreichen Experten weckt sie auch Bedenken: Denn mit diesem Durchbruch eröffnen sich nicht nur neue Möglichkeiten für die Pharmaindustrie, sondern auch für die Drogenszene. Denn aus Reticulin lässt sich beispielsweise auch Heroin herstellen. Mit dem richtigen Hefestamm und den nötigen Kenntnissen könne prinzipiell jeder zuhause fortan Opiate brauen, warnen Mediziner in der Fachzeitschrift „Nature“. Darum fordern sie, die Hefestämme streng zu überwachen und nur geprüften Wissenschaftlern auf Antrag zugänglich zu machen.

Hamburg, 20. Mai 2015

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