Gibt es bald Kinder mit drei leiblichen Eltern?

Künstliche Befruchtung
Das britische Parlament hat diese Woche über eine neue Art der künstlichen Befruchtung abgestimmt, bei der die DNA von drei Elternteilen zum Einsatz kommt © Shutterstock

In Großbritannien könnte es bald die ersten Babys mit zwei leiblichen Müttern und einem Vater geben. Wie das funktionieren soll? Wir verraten es.

Diese Woche hat das britische Parlament über eine neue Variante der künstlichen Befruchtung abgestimmt. Wenn das Oberhaus, wie erwartet wird, nächsten Monat seine Zustimmung gibt, könnte es bald britische Babys mit drei leiblichen Elternteilen geben.

Das Verfahren soll zum Einsatz kommen, wenn eine Frau mit Kinderwunsch an einer sogenannten Mitotochondriopathie leiden – diese Erkrankung wird durch eine Fehlfunktion der Mitochondrien (der „Kraftwerke“ der Zelle) verursacht. Sie äußert sich unter anderem durch Störungen des Nervensystems und der Muskulatur und durch extreme Schwäche und Müdigkeit. Sie wird von der Mutter vererbt – darum kommt bei der neuen Technik eine „Spendermutter“ zum Einsatz.

 

So funktioniert die 3-Eltern-Technik

Das Verfahren funktioniert folgendermaßen: Zwei weibliche Eizellen – die der Mutter und die einer Spenderin – werden mit den Spermien des Vaters befruchtet. Anschließend wird aus beiden Eizellen der Zellkern entnommen – das ist der Teil der Eizelle, der entscheidende Erbinformationen enthält, also beispielsweise bestimmt, welche Haar- und Augenfarbe das Kind haben wird. Es ist außerdem der einzige Teil der Zelle, der keine Mitochondrien enthält. Darum wird im nächsten Schritt der Zellkern der Mutter in die Eizelle der Spenderin verpflanzt. Das bedeutet: Das Baby wird die gesunden Mitochondrien der Spenderin erben, aber Eigenschaften wie Haar- und Augenfarbe von der Mutter. In Fachkreisen spricht man bei dieser Technik von einem mitochondrial DNA transfer (Mitochondrialer DNA-Transfer).

 

Umstrittenes Verfahren

Die neue Methode hat viele Kritiker: So bemängeln etwa Mediziner, sie sei wissenschaftlich nicht ausreichend erforscht und ihre Wirksamkeit nicht bewiesen. Die anglikanische Kirche von England sieht eine ethische Gefahr: Ihrer Meinung nach werde so der Weg zur Schaffung von „Designerbabys“ geebnet.

Hamburg, 6. Februar 2015

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