Gibt es bald keine Nierentransplantationen mehr?

Verena Elson Medizinredakteurin
Im Kampf gegen die Autoimmunkrankheit Lupus unterzog sich die Sängerin Selena Gomez 2017 einer Nierentransplantation. Bei Instagram (rechts im Bild) zeigte sie sich nach dem Eingriff mit ihrer Spenderin
Im Kampf gegen die Autoimmunkrankheit Lupus unterzog sich die Sängerin Selena Gomez 2017 einer Nierentransplantation. Bei Instagram zeigte sie sich (rechts im Bild) nach dem Eingriff mit ihrer Spenderin © instagram

Britischen Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, im Labor Nierengewebe zu züchten, das Urin produzieren kann. Was bringt diese Entdeckung Patienten?

Unsere Nieren leisten unverzichtbare Arbeit für den Körper: Eine ihrer Aufgaben ist es, das Blut von Gift- und Abfallstoffen zu befreien. Zudem sind die Nieren an der Regulierung des Blutdrucks und des Sauerstoffgehalts im Blut beteiligt.

Versagt das komplexe System der Niere, wird es für die Betroffenen lebensbedrohlich. Etwa 8.000 Menschen warten in Deutschland zurzeit auf eine neue Niere, die Wartezeit beträgt im Schnitt sechs bis sieben Jahre. Wenn es klappt mit der Transplantation, müssen die Patienten lebenslang Medikamente einnehmen, die ihr Immunsystem unterdrücken, um eine Abstoßungsreaktion des Körpers zu vermeiden.

 

Nieren aus Stammzellen des Patienten

Die optimale Lösung für dieses Problem wäre es, eine neue Niere aus körpereigenen Zellen des Patienten "herzustellen" - denn dieses Organ würde das Immunsystem nicht als Fremdkörper betrachten und somit auch nicht bekämpfen. 

Wissenschaftlern der University of Manchester ist nun der erste Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel gelungen. Im Labor züchteten sie sogenannte Nephrone aus menschlichen Stammzellen, also Vorstufen neuer Zellen. Nephrone sind die winzigen Untereinheiten, aus denen die Nieren zusammengesetzt sind. 

 

Neue Niere in zwölf Tagen

Die britischen Forscher brachten Stammzellen im Labor mit sogenannten Signalmolekülen zusammen, die den Zellen die "Anweisung" gaben, sich zu Nephronen zu entwickeln. Nach zwölf Tagen hatte sich Gewebe entwickelt, das mit den Grundbestandteilen von Nephronen ausgestattet war.

Dieses Gewebe injizierten die Forscher nun unter die Haut von Mäusen, deren Immunsystem zuvor unterdrückt worden war - dort sollte es sich weiterentwickeln. Nach drei Monaten zeigte die Untersuchung des Gewebes beachtliche Ergebnisse, wie die Forscher in dem Fachmagazin "Stem Cell Reports" berichten: Winzige Blutgefäße hatten begonnen, das neue Gewebe mit Nährstoffen versorgten. Die Mini-Nieren hatten sich sogar so weit entwickelt, dass sie die ersten Filteraufgaben übernahmen und Urin produzierten.

 

Noch keine funktionierenden Ersatznieren

Eines konnten die neuen Nieren allerdings nicht: sich mit den ableitenden Harnwegen verbinden - das heißt, sie konnten den produzierten Urin nicht ausscheiden. Sie eignen sich demnach noch nicht als Ersatznieren für Patienten, die ein neues Organ benötigen.

Die Forscher glauben allerdings, dass es die Nierenfunktion erkrankter Menschen verbessern könnte, die im Labor hergestellten Nephrone in die Nieren injiziert zu bekommen. Zudem erhoffen sie sich durch ihre Entdeckung neue Möglichkeiten bei der Erforschung von Nierenerkrankungen und der Entwicklung von Medikamenten.

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