Gibt es bald ein Mittel gegen Demenz?

Redaktion PraxisVITA
Eine alte Frau puzzelt mit ihrer Pflegerin
Belgische Wissenschaftler haben auf der Suche nach einem Mittel gegen die sogenannte frontotemporale Demenz eine neuen Therapie-Ansatz erforscht © Fotolia

Weltweit forschen Mediziner nach einem Mittel gegen Demenz. Belgische Wissenschaftler sind dabei jetzt einen entscheidenden Schritt vorangekommen.

In ihrer in Stem Cell Reports veröffentlichten Studie suchten die Forscher nach einem Mittel für die sogenannte frontotemporale Demenz – etwa die Hälfte der Demenzpatienten unter 60 leidet an dieser vererbbaren Variante der Erkrankung. Bisher gibt es keine gezielte Therapiemöglichkeit.

 

 

Ein Mittel gegen die frontotemporale Demenz

Die frontotemporale Demenz entsteht durch den Abbau von Neuronen im Frontal- und Temporallappen der Großhirnrinde. Von dort aus werden unter anderem Sozialverhalten und Emotionen gesteuert – darum kommt es im Verlauf der Krankheit auch zu Persönlichkeitsveränderungen.

 

Als Ursache vermuten Mediziner seit Langem eine bestimmte Genmutation. Das bisherige Problem bei der Erforschung der Krankheit: Diese Genmutation löst bei Mäusen ein anderes Krankheitsbild aus als beim Menschen. Die sonst üblichen Tierstudien eignen sich nicht, um ein passendes Medikament zu finden. Die Forschung kommt nicht voran.

 

 

Petrischale statt Tierversuch auf der Suche nach einem Mittel gegen Demenz

 

Die Wissenschaftler des Leuven Research Institute for Neuroscience and Disease wählten darum einen anderen Weg auf der Suche nach einem Mittel gegen die Demenz: Statt Mäusen untersuchten sie menschliche Zellen in Petrischalen.

 

Dazu entnahmen sie drei Patienten mit vererbter Demenz Hautzellen und veränderten diese so, dass sie Stammzellen ähneln. Dadurch sollten die Zellen in der Lage sein, sich in jede Form von Körpergewebe zu wandeln. Die Forscher regten eine Veränderung in genau jenen Neuronen an, die bei der frontotemporalen Demenz geschädigt werden – doch genau dazu waren die Zellen nicht in der Lage. Der sogenannte Wnt-Signalweg – wichtig für die Kommunikation zwischen den Zellen – war defekt.

 

Den Forschern gelang es in ihrem Versuch, diesen Weg zu reparieren. Folge: Die Zellen konnten wieder miteinander kommunizieren. Die Stammzellen entwickelten sich zu Gehirnzellen. Dieses Ergebnis ist der erste Schritt auf dem Weg zu einem Mittel gegen Demenz, so die Studienleiter.

 

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