Gibt es in 40 Jahren keine Schokolade mehr?

Verena Elson
Eine Frau isst Schokolade
Diese Nachricht ist schwer zu verkraften – zum Trost sollten wir Schokolade essen, so lange es noch geht © iStock/Eva-Katalin

Plötzlich wird der Klimawandel für uns alle zur persönlichen Bedrohung: Schon in 40 Jahren könnte es keine Schokolade mehr geben, so lautet ein von Wissenschaftlern gezeichnetes Horrorszenario. Stirbt der Kakaobaum tatsächlich aus, geht mit ihm ein wertvolles Heilmittel verloren.

Schmelzende Polkappen, Artensterben, Dürren und Hungersnöte – negative Schlagzeilen über den Klimawandel können uns kaum noch schocken. Anders bei einer Meldung, die zurzeit um die Welt geht: Die veränderten klimatischen Bedingungen könnten dazu beitragen, dass es schon im Jahr 2050 keine Kakaobäume mehr gibt.

 

Trockenes Klima bedroht Kakaopflanzen

Der Grund: Der Kakaobaum ist für sein Überleben auf sehr spezifische Bedingungen angewiesen. Dazu gehören eine hohe Luftfeuchtigkeit, reichlich Regen, ein stickstoffreicher Erdboden und Schutz vor Wind. Diese Bedingungen sind nur in wenigen Regenwaldgebieten rund um den Äquator gegeben. Pilzbefall, für den der Kakaobaum besonders anfällig ist, sorgte in der Vergangenheit bereits dafür, dass die Bestände in Mittelamerika, der Ursprungsregion des Kakaos, stark zurückgingen.

Heute stammt mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Kakaos aus Ghana und der Elfenbeinküste. Für diese Region prophezeien Klimaexperten bis 2050 einen Temperaturanstieg von rund 2,1° Celsius. Für den Kakaobaum könnte das zum Problem werden: Nicht die steigende Hitze alleine, aber die damit einhergehende Trockenheit. Denn um das feuchte Klima zu gewährleisten, das die Pflanze zum Überleben benötigt, müssten die steigenden Temperaturen mit vermehrtem Niederschlag einhergehen – und damit ist nicht zu rechnen.

 

Kakao als Heilpflanze

Sollte der Kakaobaum tatsächlich von der Erde verschwinden, hätten wir den Verlust einer Heilpflanze mit vielen Talenten zu beklagen. Die Polyphenole (pflanzliche Aromastoffe) im Kakao sorgen beispielsweise für eine bessere Durchblutung – eine halbe Stunde nach dem Verzehr von 40 Gramm (etwa fünf Stücke) dunkler Schokolade können Patienten mit Durchblutungsstörungen in den Beinen längere Strecken beschwerdefrei zurücklegen, wie italienische Forscher zeigen konnten.

Ebenfalls wissenschaftlich belegt ist die positive Wirkung der im Kakao enthaltenen Flavonoide (Pflanzenfarbstoffe) auf das Gedächtnis und die Herzgesundheit. Zudem wirkt dunkle Schokolade stresslindernd in Prüfungssituationen. Bei allen Gesundheitsvorteilen von Schokolade gilt: Die Wirkung ist umso ausgeprägter, je höher der Kakaoanteil ist.

 

Kakao in Gefahr – Forscher suchen Auswege

Der Rettung des Kakaos hat sich nun der Schokoriegel-Hersteller Mars angenommen. Er arbeitet dabei mit der renommierten Biochemikerin und Molekularbiologin Dr. Jennifer Doudna zusammen, die an der Entwicklung der Genschere CRISPR mitbeteiligt war. Mit der Genschere ist es möglich, Abschnitte der Pflanzen-DNA herauszuschneiden und auszutauschen. Das Ziel: eine unempfindlichere Kakaopflanze zu züchten, die weniger wählerisch ist, was ihren Standort betrifft und gleichzeitig weniger anfällig ist für Pilzbefall.

Ob das Horrorszenario einer Welt ohne Schokolade eintreffen wird oder ob der Wissenschaft die Rettung des Kakaos gelingt, steht in den Sternen. Bis zum Jahr 2050 bleibt uns also nichts anderes übrig als zu hoffen und die noch vorhandene Schokolade doppelt zu genießen – denn die Selbstaufzucht von Kakao zu Hause ist eben wegen des hohen Anspruchs der Pflanze an ihre Umgebung ein eher hoffnungsloses Unterfangen.

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