Gewichtszunahme – ist die Schilddrüse schuld?

Die Schilddrüse ist ein unterschätztes Organ: Sie steuert viele Körperfunktionen und bei Störungen gerät der gesamte Organismus aus dem Gleichgewicht. Die Folge kann zum Beispiel eine Gewichtszunahme sein. Sind Ihre Schilddrüsenhormone im Gleichgewicht? Erfahren Sie mehr und machen Sie den Test!

Herzrasen, unreine Haut, Gewichtszunahme und Erschöpfung: Manchmal tun sich selbst Ärzte schwer, hier die richtige Diagnose zu stellen. Oft haben solche Beschwerden jedoch nur einen Auslöser – die Schilddrüse. Fast jeder dritte Deutsche lebt mit einer Fehlfunktion der Schilddrüse. "Dabei können Ärzte mit einfachen Untersuchungen herausfinden, ob das Organ richtig arbeitet", sagt Prof. Jochen Kußmann, Chefarzt für Endokrine Chirurgie der Schön Klinik Hamburg. Störungen können mit Medikamenten einfach und wirksam behoben werden bei richtiger Diagnose. Prof. Kußmann erklärt die fünf wichtigsten Symptome.

 

Plötzliche Gewichtszunahme oder schwankendes Gewicht

Die Schilddrüsenhormone wirken sich auf den Fettstoffwechsel und den Magen aus.

Unterfunktion: Betroffene müssen auf einmal mit einer Gewichtszunahme kämpfen – obwohl sie eigentlich keinen Appetit haben und sich gesund ernähren.

Zunehmen bei Schilddrüsenfehlfunktion
Weil sich Schilddrüsenhormone auch auf den Fettstoffwechsel auswirken, kann plötzliche Gewichtszunahme oder –abnahme auf eine Funktionsstörung der Schilddrüse hinweisen© Fotolia

Überfunktion: Der Körper verbraucht so viel Energie, dass Patienten rasch abnehmen. Zudem klagen viele über heftige Magenschmerzen.

 

Dauernd müde, leicht reizbar?

Die Hormone der Schilddrüse steuern unsere Psyche und das Schlafverhalten.

Unterfunktion: Der Stoffwechsel ist sehr langsam. Dadurch fehlt wichtige Energie. Betroffene sind deshalb ständig müde und fühlen sich erschöpft.

Überfunktion: Wenn zu viele Hormone im Körper vorhanden sind, macht das die Personen leicht reizbar – auch Stimmungsschwankungen sind häufig die Folge. Zusätzlich leiden sie unter Schlafstörungen.

 

Herzbeschwerden durch Fehlfunktion der Schilddrüse

Wenn das Herz rast oder sogar hüpft, kann durchaus eine Störung der Schilddrüse der versteckte Auslöser sein.

Unterfunktion: Alles im Körper verläuft in aller Ruhe – so auch der Puls. Der Blutdruck hingegen ist erhöht. Wird die Fehlfunktion der Schilddrüse nicht behandelt, kann das auf längere Sicht sogar zu einer Herzmuskelschwäche führen. Durch die Unterfunktion ist auch der Stoffwechsel langsam – das kann eine Gewichtszunahme begünstigen.

Überfunktion: Der schnelle Stoffwechsel kann Herzrhythmusstörungen auslösen. Gleichzeitig ist der Puls bei Betroffenen immer erhöht.

Frau hat Haarausfall
Eine kranke Schilddrüse kann zu Haarausfall führen© Fotolia
 

Hautprobleme oder Haarausfall

Das kleine Organ sorgt für eine reibungslose Zellerneuerung von Haaren und Haut.

Unterfunktion: Die Zellen werden nur äußerst langsam frisch gebildet. Dadurch wird die Haut schuppig und trocken. Wasser lagert sich ein, sodass sie leicht aufgeschwemmt wirkt.

Überfunktion: Wenn sich die Haut rasch erneuert, ist sie weich und rosig. Betroffene leiden aber dafür häufiger unter unangenehmem Haarausfall.

 

Gestörte Temperaturempfinden: Starkes Schwitzen und Frieren

Die Hormone der Schilddrüse regeln unter anderem auch das Wärme- und Kälteempfinden unseres Körpers.

Unterfunktion: Leidtragende frieren sehr schnell und reagieren empfindlich auf Kältereize.

Überfunktion: Der hohe Energieverbrauch lässt Betroffene rasch schwitzen. Der gesamte Organismus läuft auf Hochtouren – daher reagieren sie äußerst wärmeempfindlich.

 

Tipp zum Vorbeugen von Schilddrüsenproblemen

Mit Jod (Tagesbedarf von Erwachsenen: 180-200 Mikrogramm) können wir über die Ernährung unsere Schilddrüse schützen. Beste Lieferanten des Spurenelements sind Seefisch, Brot und Milch. Schellfisch enthält z. B. auf 100 g ganze 240 Mikrogramm Jod – eine Portion würde damit Ihren Tagesbedarf decken. Wer Meeresfrüchte nicht mag, kann z. B. mit 100 g Feldsalat seine Jodbilanz schon um 55 Mikrogramm verbessern. Außerdem sinnvoll: Zum Würzen der Speisen besser Jodsalz benutzen.

 

Leiden Sie an einer Schilddrüsenerkrankung? Machen Sie den Selbst-Test!

  • Rast Ihr Puls in letzter Zeit auch in Ruhe?
  • Leiden Sie seit kurzem unter Haarausfall?
  • Ohne Ihr Zutun leiden Sie unter einer Gewichtszunahme?
  • Sind Sie momentan besonders leicht reizbar?
  • Finden Sie nachts keinen erholsamen Schlaf?
  • Leiden Sie unter geröteten Augen?
  • Schwitzen oder frieren Sie leichter als andere?
  • Gibt es in Ihrer Familie Schilddrüsenprobleme?

Auswertung: Wenn Sie mindestens zwei Aussagen mit Ja beantworten können, sind das womöglich erste Hinweise auf eine Schilddrüsenerkrankung. Ein Arztbesuch bringt Gewissheit. Denn zur Diagnose reichen mittlerweile ein einfacher Bluttest und eine Ultraschall-Untersuchung (Individuelle Gesundheitsleistung, zwischen 40-80 Euro) vollkommen aus. Wutde beispielsweise eine Unterfunktion der Schilddrüse erkannt, können Sie nun konkret dagegen mit Medikamenten angenehen und eine Gewichtszunahme vermeiden.

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