Gesundheitspodcast VITATALK: Notfall oder nicht? Muss mein krankes Kind in die Notaufnahme?

Christoph Krelle

Plötzliches Fieber, Magenkrämpfe, Schläfrigkeit – Ihr Kind wird krank, ausgerechnet am Wochenende: Und nun? Fahren Sie mit ihm direkt zur Notfallambulanz? Das ist oft unnötig, weiß eine Krankenschwester und Mutter, die in der aktuellen Podcast-Folge VITATALK aus ihrem Alltag in der Notfallambulanz berichtet. Wann wird Ihr krankes Kind zum Notfall, wann ist eine Selbstbehandlung sinnvoller? Eine Orientierungshilfe.

Überfüllte Wartebereiche in der Notfallambulanz lassen sich vermeiden – denn nicht alle Beschwerden sind immer gleich ein Notfall.
Überfüllte Wartebereiche in der Notfallambulanz lassen sich vermeiden – denn nicht alle Beschwerden sind immer gleich ein Notfall Foto:  istock/Spotmatik

Eltern sorgen sich um ihre Kinder, haben Angst um sie. Das ist ihr natürlicher Schutzinstinkt. Laut einer Umfrage der Betriebskrankenkasse Pronova BKK fürchten sich mehr als die Hälfte aller Mütter und Väter in Deutschland am meisten davor, dass ihre Kinder krank werden könnten. Doch wegen jedem ersten Anzeichen einer möglichen Erkrankung oder wegen typischen Alltagsbeschwerden wie Fieber, Übelkeit oder Durchfall sofort die Notfallambulanz aufzusuchen, ist in den meisten Fällen übertrieben.

Trotzdem passiert es. So berichtet eine Krankenschwester im aktuellen VITATALK, sie habe an einem Tag 65 Patienten in der Notfallambulanz versorgt, davon waren aber nur zehn Notfälle. Sie versichert, in einer Ambulanz „bleibt kein Kind unbeobachtet“, doch wenn es einmal zu längeren Wartezeiten von bis zu zwei, drei Stunden kommt, mögen die Eltern bitte Verständnis haben. Denn die Notfälle müssen vorgezogen werden. Die Krankenschwester, die selbst auch Mutter ist und die Sorgen vieler Eltern verstehen kann, sagt: „Seid froh, wenn ihr warten dürft, denn dann ist euer Kind kein Notfall.“

 

Wann muss mein krankes Kind in die Notfallambulanz?

Bei Alltagsbeschwerden wie einer Erkältung, Magen-Darm-Beschwerden oder einem Insektenstich ist ein Besuch in der Notfallambulanz in der Regel unnötig. Diese können meist auch ohne ärztliche Diagnose mit Hausmitteln oder rezeptfreien Arzneimitteln gut selbst behandelt werden.

Bei hohem Fieber, also Messwerten ab 39 Grad, zeigen sich häufig erst nach ein bis zwei Tagen weitere Symptome wie Schnupfen oder Husten, weiß die Expertin. Erst dann sei ein Arzt in der Lage, eine genaue Diagnose zu stellen – weshalb ein voriger Besuch sowohl in der Notfallambulanz als auch beim Hausarzt übereilt sei. Aber: „Nach drei Tagen mit hohem Fieber ohne erkennbare Ursache sollte das Kind in jedem Fall vom Kinderarzt untersucht werden.“

Ein Kind hingegen, das kaum noch trinkt und „somnolent“ ist, also ungewöhnlich schläfrig und benommen wirkt, sollten die Eltern sofort in die Notaufnahme bringen. Auch bei einer gräulichen Gesichtsfarbe, einem gefleckt bräunlichen oder gelblichen Teint besteht sofortiger Handlungsbedarf, die Ursache könnte eine Vergiftung sein. Oder hat ein Kind zum Beispiel neben erhöhtem Fieber einen steifen Nacken, ist auch dies ein Fall für die Ärzte in der Notfallambulanz, denn diese Symptome sprechen für eine Hirnhautentzündung.

 

Üben Sie Geduld, wenn es kein Notfall ist

Im Zweifel ist es immer besser, mit seinem kranken Kind in die Klinik zu fahren – das hat schon häufig Leben gerettet. Bevor Sie sich jedoch dazu entschließen, empfiehlt die Expertin, erst einmal zu „überlegen, ob Ihr Kind wirklich sehr krank ist“ und der sofortigen Behandlung bedarf. Denn wenn es dann doch kein Notfall ist, werden Sie in einer Notfallambulanz ohnehin warten müssen.

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