Gesundheitspodcast: Pflege und Pflegebedürftigkeit: Was steht mir eigentlich zu?

Rieke Heinze Medizinredakteurin

Mit jeder Sekunde werden wir älter – eine Wahrheit, der wir uns in manchen Momenten besonders stellen müssen. Einer dieser Momente: die Pflege. Oder besser, wenn die Pflege im Alter auf einmal im Jetzt angekommen ist. 

ältere Frau mit Kopfhöreren, die lacht
Ein Pflegeheim kann ein Ort der Erholung und Zufriedenheit im Alter sein Foto:  iStock/Cecilie_Arcurs
Inhalt
  1. Gesundheitspodcast Pflegebedürftigkeit
  2. Pflegeunterstützung: Was bekomme ich und welche Leistungen stehen mir zu?
  3. Pflegegrad und Pflegebedürftigkeit - wo ist der Unterschied? 
  4. Was sind Begutachtungsrichtlinien? 
  5. Welche Pflegegrade gibt es?
  6. Einstufung des Pflegegrades - welche Probleme sind typisch?
  7. VITATALK: Der Gesundheitspodcast online

Irgendwann wird aus 'Später' ein 'Jetzt'. Das mag jetzt poetisch klingen, beinhaltet aber einen harten Kern: Irgendwann kommt das Alter und mit dem Alter auch die Möglichkeit der Pflege. Aber nicht nur das Alter kann uns dazu zwingen, uns mit dem Thema der Pflegebedürftigkeit auseinanderzusetzen. Ein Unfall oder eine Krankheit können Eltern, Geschwister und Familienangehörige schnell und ohne Vorwarnung in einen Pflegefall verwandeln. 

 

Gesundheitspodcast Pflegebedürftigkeit

Im neuen Gesundheitspodcast "Pflege und Pflegebedürftigkeit: was steht mir eigentlich zu?" befassen wir uns näher mit der schwierigen Situation, wenn ein Verwandter ein Pflegefall wird. 

 

Pflegeunterstützung: Was bekomme ich und welche Leistungen stehen mir zu?

Die wichtigsten Fragen beim Thema Pflege: Was steht mir überhaupt in welchem Maße zu? Der Bürokratie-Dschungel scheint endlos und die Antworten alles andere als eindeutig. Julian Engelhart, Fachmann bei Dr. Weigl & Partner, der Pflegeberatung für Deutschland, weiß, wie unübersichtlich der Prozess für die Angehörigen sein kann. Er empfiehlt die ersten drei Schritte, die eigentlich jeder, der plötzlich einen Pflegebedürftigen in der Familie hat, gehen sollte. 

  1. Treten Sie in Verbindung mit Ihrer Krankenkasse. Erläutern Sie die Situation und nutzen Sie die Gelegenheit, Bedenken aus dem Weg zu räumen und Fragen zu klären. 
  2. Antrag stellen. Das klingt einfacher, als es ist. Hilfe beim Ausfüllen der Formulare bieten aber Krankenkassen oder Pflegeberatungen an. 
  3. Auf den MBK, den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, warten. Privatversicherte wenden sich an den medicproof. Die Dienste bewerten Pflegegrad und Pflegebedürftigkeit der Patienten und die häusliche Situation. 

Pflege und Betreuung
Alter & Pflege Pflegeheim und Pflege daheim – was Sie unbedingt wissen sollten

 

Pflegegrad und Pflegebedürftigkeit - wo ist der Unterschied? 

Kurz gesagt: Der Pflegegrad wird nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit entschieden. Die Art des Pflegegrades entscheidet schließlich über die Leistungen, die einem zustehen. Abhängig sind die natürlich auch von der Situation des Patienten: Ist eine häusliche Pflege möglich oder nicht? Dabei geht es nicht nur um den Zustand des Pflegebedürftigen, sondern auch um die familiäre Situation: Gibt es jemanden, der sich kümmern kann und will? Weitere Pflegemöglichkeiten sind die stationäre Pflege, sprich das Pflegeheim oder die ambulante Pflege. Hier teilt sich der Entscheidungspfad noch ein weiteres Mal auf: Unterschieden wird zwischen einer kompletten Sachleistung oder einer Kombination aus gestellter Pflegeunterstützung morgens und abends zusammen mit der privaten Pflege tagsüber.

 

Was sind Begutachtungsrichtlinien? 

Um die Situation im Einzelfall einzuschätzen, kommt der medizinische Dienst der Krankenkassen vorbei und verschafft sich ein Bild über die genaue Situation. Die Einschätzung erfolgt über sechs Module, in denen eine bestimmte Punktzahl vergeben werden kann. Je mehr Punkte der Patient sammelt, desto pflegebedürftiger ist er. 

Module, aus denen die Begutachtungsrichtlinien bestehen: 

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten 
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Umgang mit krankheitsbedingten Belastungen

Ältere Frau sitzt am Tisch und kontrolliert Rechnungen
Alter & Pflege Pflegegrad erfolgreich hochstufen

 

Welche Pflegegrade gibt es?

Abhängig vom Ergebnis der Begutachtung wird der Pflegegrad vergeben. 

Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 4:  schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an das Pflegepersonal

 

Einstufung des Pflegegrades - welche Probleme sind typisch?

Julian Engelhart formuliert es ganz klar: Jeder dritte Pflegegrad wird zu Beginn zu niedrig eingestuft. Woran das liegt? Der Gutachter erlebt nur einen Moment im Leben der Betroffenen, eine umfassende Einschätzung der Situation ist im Grunde nicht möglich. Außerdem ist die Familie auf den Besuch vorbereitet und wirkt so oft organisierter, als sie es tatsächlich ist. 

Und zum Abschluss noch ein wichtiger Tipp unseres Experten: Planen Sie für den Ernstfall. Auch, wenn wir eigentlich noch gar nicht an das Alter und erst recht nicht an die Pflege denken wollen; je besser vorbereitet wir sind, desto einfach und leichter wird es für alle Beteiligten werden. Und so schlimm es sein mag: Um ein Pflegefall zu werden, muss man nicht alt werden. Unfälle und Krankheiten reichen aus, um einen gesunden Menschen und seine Familie in diese außergewöhnliche Situation zu bringen.  

 

VITATALK: Der Gesundheitspodcast online

Hier gibt es noch mehr VITATALK! Hören Sie rein! Entweder hier bei uns, auf iTunesTuneInSoundcloud und podcast.de.

Unsere Experten

Julian Engelhart ist Fachmann bei Dr. Weigl & Partner, der Pflegeberatung für Deutschland. 

Quelle: Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen. Richtlinien des GKV-Spitzenverbades zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Aufgerufen 01.10.2019

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