Gesundheits-Podcast: Warum eine Prostata-OP oft unnötig ist

Ines Fedder

Man sagt ja: „Männer machen gerne einmal einen auf ‚dicke Hose‘.“ Wenn es aber um das Thema Prostata-Vorsorge geht, sind viele dann doch peinlich berührt. Wir nicht. In einer neuen Folge VITATALK sprechen wir unter anderem mit Prof. Dr. med. Christian Wülfing, Chefarzt der Urologie der Asklepios Klinik Altona. Er erklärt uns, warum eine Vorsorge-Untersuchung für Männer ab 50 so wichtig ist und was man genau unter einem „Kätzchen-Krebs“ versteht.  

Mann fasst sich an die Hose
Foto:  ljubaphoto/iStock
Inhalt
  1. Prostata-Vorsorgeuntersuchung: Angst vor Impotenz und Inkontinenz
  2. Ärger beim Wasserlassen? Erste Anzeichen bei Prostata-Problemen
  3. Diagonse Prostatakrebs: Was passiert bei einer Operation?

In Deutschland sterben im Jahr 12.000 Männer an den Folgen von Prostatakrebs. Dabei gibt es bei einer frühzeitigen Erkennung sehr gute Heilungschancen. Einer, der ganz genau weiß, wie man mit der Diagnose Prostatakrebs umgeht, ist Michael Roth, ehemaliger Handball-Nationalspieler und Gesicht der Kampagne "Urologie für alle". Die Kampagne informiert ausführlich über die Wichtigkeit einer regelmäßigen Darmkrebsvorsorge. Er und sein Zwillingsbruder Uli Roth erkrankten kurz hintereinander im Alter von 40 Jahren an Prostatakrebs. „Über das Organ – wie wichtig es eigentlich ist – darüber wusste ich vor der Diagnose gar nichts“, berichtet der Ex-Nationalspieler. Dabei ist die Drüse, die zwischen der Blase und dem Ende des Darms sitzt, immens wichtig. Die Prostata produziert nämlich genau den Teil der Samenflüssigkeit, der den Spermien das Schwimmen ermöglicht. Durch ihre Lage am Blasenhals verschließt sie außerdem die Harnblase. Wird sie also entfernt, kann sich das auch auf die Potenz und das Wasserlassen auswirken.

 

Prostata-Vorsorgeuntersuchung: Angst vor Impotenz und Inkontinenz

Das bedeutet für viele Männer daher: Angst vor Impotenz und Inkontinenz. Und auch die Vorsorgeuntersuchung selbst lässt viele Männer zurückschrecken. Warum? Ein Teil der Prostata-Vorsorgeuntersuchung besteht aus einer Abtastung der Drüse durch den After, die für viele als unangenehm empfunden wird – zu Unrecht, wie Michael Roth findet. „Es ist nicht so, dass man es jeden Tag machen muss, es ist aber auch nicht so schlimm, wie es häufig dargestellt wird“, erklärt er.

Was genau bei einer Vorsorgeuntersuchung passiert, darüber gibt uns Prof. Dr. med. Christian Wülfing, Chefarzt der Urologie der Asklepios Klinik Altona & Asklepios Westklinikum Hamburg Auskunft. Er ist zudem Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. Er erklärt: Eine Vorsorgeuntersuchung empfiehlt sich für alle Männer spätestens im Alter von 50 Jahren. Die Vorsorgeuntersuchung erfolgt durch den Urologen, der dann zunächst eine Abtastuntersuchung durchführt. Ebenfalls erfolgen können eine Ultraschalluntersuchung und ein Bluttest, bei dem der sogenannte PSA-Wert Auskunft über eine mögliche Entzündung gibt. Bei Verdacht auf Prostatakrebs kann eine Biopsie (Gewebeprobenentnahme) erfolgen.

 

Ärger beim Wasserlassen? Erste Anzeichen bei Prostata-Problemen

Wer Probleme beim Wasserlassen hat, muss allerdings nicht gleich sofort an Krebs denken. „Die Prostata kann sich auch entzünden, wenn man sich zum Beispiel unterkühlt oder einen Harnwegsinfekt durch Bakterien im Urin hat. So etwas merkt man in der Regel und die Schmerzen können durch Antibiotika behandelt werden“, erklärt Prof. Dr. med. Christian Wülfing. Ebenfalls ein häufiger Grund für Schmerzen beim Wasserlassen: Die gutartige Vergrößerung der Prostata. „Das ist eine Erkrankung im Alter, die bei vielen Männern ab 50 Jahren losgeht.“ Erste Anzeichen sind:

  • Vermehrter Harndrang
  • Das Gefühl, dass sich die Blase nicht richtig entleert

Ben Stiller
Service Ben Stiller: So habe ich meinen Prostata-Krebs besiegt

 

Diagonse Prostatakrebs: Was passiert bei einer Operation?

Spätestens bei diesen Anzeichen sollte ein Arzt aufgesucht werden. Handelt es sich tatsächlich um Prostatakrebs und nicht nur um eine gutartige Vergrößerung der Prostata, unterscheidet Prof. Dr. med. Christian Wülfing in „Kätzchen-Krebs“ (Krebszellen nur punktuell an einem kleinen Punkt der Prostata) und „Tiger-Krebs“ (die gesamte Prostata ist befallen). Bei starkem Krebsbefall sollte die Prostata entfernt werden. Und genau davor haben viele Patienten Angst. Denn: Fast alle Männer leiden nach der Operation an einer vorübergehenden Inkontinenz, die man aber mit Training gut in den Griff bekommen kann, erklärt der Mediziner. Ebenfalls eine große Sorge vieler Patienten: Das Liebesleben.

„Ganz eng an der Prostata entlang verlaufen die Nerven, die wir Männer brauchen, um eine Erektion zu bekommen“, erklärt Dr. Wülfing. „Und wenn diese Nerven mit entfernt werden, weil man eben sehr großzügig die Prostata entfernt, dann wird es zu Potenzstörungen kommen.“ Es kann so kommen, muss es aber keinesfalls. „Man kann heute bei vielen Patienten die Nerven durch spezielle Operationstechniken schonen. Die Operation hat in den letzten drei Jahrzehnten enorm an Professionalität gewonnen", so der Experte.

Neue Folge VITATALK: Gesundheitspodcast online hören

Warum die Entfernung der Prostata längst nicht bei jedem Patienten notwendig ist und schon gar kein Liebeskiller sein muss und wie man mit dem Tabu-Thema „Prostata“ richtig umgeht, hören Sie in einer neuen Folge VITATALK – mit Antje Radünz, Handball-Legende Michael Roth und Prof. Dr. med. Christian Wülfing.

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