Gesundgeheimnis Coffee-Nap!

Coffee-Nap macht wach
Koffein macht eigentlich gar nicht wach. Es verhindert nur, dass wir nicht müde werden © Fotolia

Ob der Tage zu lang ist oder die Nacht zu kurz war – Müdigkeit macht vor niemandem halt und interessiert sich auch nicht für wichtige Termine, Aufgaben oder Pläne. Um der Ermattung zu entkommen, behelfen wir uns entweder mit Kaffee oder kurzen Schlafeinheiten – sogenannten Power-Naps. Doch aufgepasst! Studien zeigen, es gibt eine viel bessere Alternative, die kaum jemand kennt.

Um für ein Meeting nochmal richtig wach zu sein oder im Büro ein spontanes Konzentrationstief zu überwinden, eignet sich tatsächlich eine Kombination aus beiden Möglichkeiten am besten. Die Formel zum sogenannten Coffee-Nap lautet: Erst einen Kaffee und sofort danach ein kleines Nickerchen.

 

Das sagt die Wissenschaft dazu

Britische Forscher der Loughborough University haben z.B. gezeigt, dass Probanden nach einem Coffee-Nap weniger Fehler machen – im Vergleich zu Menschen, die nur Kaffee getrunken oder einen Power-Nap gemacht haben. Japanische Forscher der Hiroshima University fanden heraus, dass unser Erinnerungsvermögen nach einem Coffee-Nap deutlich besser funktioniert. Und ein US-amerikanisches Forscherteam der Wright State University belegte in einer Studie – die sich mit den Folgen von Schlafentzug beschäftigte –, dass Probanden, die sich mit Kaffee und einem anschließenden Kurzschlaf wach hielten, selbst bei einem Schlafentzug von 24 Stunden praktisch kaum geistige Einschränkungen aufwiesen.

 

Aber stört Kaffee nicht den Schlaf?

Ja, aber erst nach einer gewissen Zeit. Es dauert rund 20 bis 40 Minuten, bis der Kaffee wirkt. Der Grund: Der Weg aus der Tasse in unser Gehirn ist lang. Zuerst erreicht der Kaffee über die Speiseröhre den Dünndarm, wo er resorbiert – also das Koffein vom Körper aufgenommen – wird. Auf diese Weise gelangt das Koffein in die Blutbahn, durchquert den ganzen Körper und landet schließlich im Gehirn. Dort versuchen sich die kleinen Koffein-Moleküle in Rezeptoren zu drängen, die normalerweise von Adenosin – ein Molekül, das uns müde macht – besetzt sind. Je mehr Rezeptoren mit Adenosin besetzt sind, desto müder fühlen wir uns. Koffein selbst macht also gar nicht wach. Es konkurriert viel mehr mit Adenosin um die begehrten Rezeptoren – und blockieren genug Koffein-Moleküle müde-machende Adenosin-Moleküle, fühlen wir uns wacher.

Doch genau da liegt auch ein Problem. Da die beiden Moleküle gleichberechtigt um die Rezeptoren konkurrieren, bleiben immer welche mit Adenosin besetzt. Und da kommt der Kurzschlaf ins Spiel. Der ist nämlich so etwas wie ein natürlicher Feind von Adenosin – ein Grund, wieso wir schlafen, wenn wir müde sind. Schlaf löscht das Schlaf-Molekül. Zudem schüttet der Körper in den ersten 10 bis 20 Minuten nach dem Einschlafen Glückshormone, wie Endorphine und Serotonin, aus – Moleküle also, die ihrerseits Rezeptoren erfolgreich „kapern“ und besetzen. Dieser Effekt funktioniert aber nur, solange tiefe Schlafphasen vermieden werden. Dann baut der Körper nämlich die gerade ausgeschütteten Glückshormone wieder ab und der Blutdruck sinkt. Die Folge: Man fühlt sich noch müder.

 

Wie genau mache ich einen Coffee-Nap?

Für einen solchen Kaffee-Schlaf trinkt man einfach eine Tasse Kaffee. Grundsätzlich gehen aber auch andere koffeinhaltigen Getränke. Wichtig ist nur, dass man es relativ schnell trinkt. Wenn man für das Trinken der Tasse Kaffee 15 Minuten braucht, ist die Coffee-Nap-Chance vertan. Man hat nicht mehr genug Zeit für das Nickerchen – bevor der Kaffee wirkt – da der Körper bereits nach dem ersten Schluck anfängt das Koffein zu absorbieren. Ein leicht abgekühlter Kaffee oder Espresso ist deswegen für den schnellen Konsum besonders zu empfehlen.  

Hat man den Kaffee (schnell) getrunken, versuchen Sie einfach, sofort einzuschlafen – am besten bequem und ungestört. Setzen Sie sich aber nicht unter Druck, sondern bleiben Sie entspannt. Den gewollten Coffee-Nap-Effekt gibt es nämlich nicht nur, wenn Sie von jetzt auf gleich einschlafen. Auch ein entspannter Halbschlaf führt zum Ziel. Bedenken Sie aber, dass sie nicht in einen Tiefschlaf fallen sollten – 15 bis 20 Minuten sind völlig ausreichend. Ein Wecker oder netter Mitmensch kann Ihnen dabei helfen.

Wie gut ist Kaffee aber eigentlich in der Schwangerschaft? Im Video verraten wir es Ihnen.

Hamburg, 4. September 2014

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