Gestresste Mutter – Gesundes Baby?

Schwangere Frau hält ein Handy in der Hand
Stress in der Schwangerschaft kann verschiedene Konsequenzen für das Baby haben - negative und positive © Alamy

Eine Schwangerschaft stellt das Leben der meisten Frauen ziemlich auf den Kopf. Stress bei der werdenden Mutter wurde dabei bisher als negativ für die Entwicklung des Babys angesehen. Forscher stellen jetzt klar: Leichter Stress ist gut für die Entwicklung des Babys.

Schwangerschaftskurs, Arztbesuche, Behördengänge und Kinderzimmereinrichtung. Schon während der Schwangerschaft haben werdende Mütter viel um die Ohren. Stress ist eine der Folgen. Bisher wurde Stress bei der Mutter als ausschließlich negativ für die Entwicklung des Babys eingeschätzt. So soll ein dadurch erhöhtes Cortisol-Level nicht nur das Wachstum des Fötus beeinträchtigen und einen verfrühten Geburtstermin begünstigen, sondern auch das Risiko für psychische Störungen und körperliche Erkrankungen steigern. Die Angst vor einer Schädigung des Babys führt bei einigen Schwangeren zu zusätzlichem Stress. Forscher der Universität Basel haben nun eine gute Nachricht für gestresste und besorgte Mütter: Moderater Stress kann Ihrem Baby auch gut tun. Die Psychologin Eva Unternaehrer und ihr Team fanden heraus, dass erhöhte Werte des Stresshormons Cortisol zu mehr Oxitocynrezeptoren beim Säugling führen. Dadurch kann sich das Schwangerschaftshormon, das besonders für die enge Bindung zwischen Mutter und Kind sorgt, aber auch mit der Fähigkeit zur Stresstoleranz und positiven Gefühlen wie Liebe und Vertrauen in Zusammenhang gebracht wird, besser seine Wirkung entfalten.

 

Stress verändert die DNA des Embryos

Für die Untersuchung wurden 100 Mütter und ihre Babys während und nach der Schwangerschaft untersucht. Die Mütter gaben dabei Auskunft zu belastenden Ereignissen und ihrem psychischen Befinden. Außerdem wurden die Cortisolwerte im Speichel der Mütter und das Nabelschnurblut der Neugeborenen untersucht. Es zeigte sich, dass erhöhte Konzentrationen mütterlicher Stresshormone epigenetische Veränderungen – also molekulare Veränderungen an der DNA, die das Ablesen von genetischen Informationen steuern – beim Kind verursachten. Babys von gestressten Müttern hatten bei der Geburt eine reduzierte Methylierung des Oxytocinrezeptor-Gens. Das bedeutet, dass das Gen besser aktiviert wird und mehr Oxytocinrezeptoren produziert werden. Kurz: Das „Schmuse-Hormon“ wirkt stärker beim Neugeborenen. Die positiven Auswirkungen sind vielfältig. So kann die Bindung zwischen Mutter und Baby vertieft werden und das Kind wird in Bezug auf soziale Interaktionen gestärkt. „Oxytocin spielt eine wichtige Rolle bei sozialen Prozessen und der Anpassung an Stress. Der Mechanismus könnte darauf hinweisen, dass Babys in diesen Fällen besser mit Herausforderungen und Belastungen fertig werden", erklärt die Forschergruppe, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift Social Cognitive and Affective Neuroscience veröffentlicht wurden.

 

Trotzdem: Stress vermeiden, so gut es geht

Allerdings sollte sich jede werdende Mutter darüber im Klaren sein, dass chronischer starker Stress weder für die eigene Gesundheit, noch für die Entwicklung des Embryos positiv ist. Eine Empfehlung, sich absichtlich unter Stress zu setzen, geben die Wissenschaftler aus Basel also nicht. Allgemein steckt die Forschung in diesem Bereich noch in den Anfängen. „Nötig ist ein umfassenderes Verständnis der psychobiologischen Prozesse, die es dem Menschen erlauben, trotz Stress und Belastungen auch langfristig und über Generationen hinweg gesund zu bleiben “, erklärt Professor Gunther Meinlschmidt, Senior-Autor der Studie. Darauf aufbauend könne man versuchen, Resilienzprozesse zu fördern, um der Entstehung psychischer Störungen und körperlicher Erkrankungen vorzubeugen. In vorherigen Experimenten hatte das Team von Meinlschmidt bereits zeigen können, dass die Plazenta bei Müttern, die während der Schwangerschaft Stress ausgesetzt waren, stärker wuchs als bei ungestressten Schwangeren. Und so bleibt als Essenz der Ergebnisse: Stress in der Schwangerschaft sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Tritt er dennoch auf, sollten sich Mütter jedoch keine zu großen Sorgen machen, da dies zu zusätzlichem Stress führt. Außerdem kann das Baby sogar durch eine verbesserte Oxytocin-Ausschüttung profitieren.

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Hamburg, 17. Mai 2016

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