Gesichtslähmung nach Corona-Impfung: So schätzen Experten das Risiko ein

Mona Eichler Health-Redakteurin

Gehört eine Gesichtslähmung, auch Fazialisparese genannt, zu den erwartbaren Nebenwirkungen einer Corona-Impfung? Das Paul-Ehrlich-Institut und andere Experten klären auf.

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Inhalt
  1. Gesichtslähmung nach Corona-Impfung
  2. Gesichtslähmung: Ursache, Symptome und Behandlung
  3. RKI und Deutsche Gesellschaft für Neurologie schätzen Risiko ein

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich viele Menschen derzeit fragen, ob sie eine Gesichtslähmung nach der Corona-Impfung zu befürchten haben. Denn seit Ausbruch der Pandemie haben die meisten nicht nur Angst vor dem Virus an sich. Auch die möglichen Nebenwirkungen, die eine Corona-Schutzimpfung hervorrufen kann, geben immer wieder Anlass zur Sorge. Grund hierfür sind nicht so sehr die typischen Impfnebenwirkungen wie Kopf- und Gliederschmerzen. Vor allem der Skandal um den Vektorimpfstoff AstraZeneca und der darauffolgende Impfstopp hat die Angst vor Nebenwirkungen nach Corona-Impfungen geschürt. 

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Gesichtslähmung nach Corona-Impfung

In seinem aktuellen Sicherheitsbericht führt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Fazialisparese als mögliche Nebenwirkung einer Corona-Impfung auf. Sie ist also auf dem Radar der Experten. Im Zeitraum vom 27.12.2020 (start der Impfkampagne in Deutschland) und dem 30.04.2021 hat das PEI alle gemeldeten Gesichtslähmungen nach Impfstoffen aufgeschlüsselt erfasst. Die ersten Symptome der möglichen Nebenwirkung traten demnach 30 Tage nach der Impfung wie folgt auf: 

  • Comirnaty von Biontech/Pfizer: 72 Fälle
  • Moderna: 3 Fälle
  • Vaxzevria von AstraZeneca: 24 Fälle 

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Gesichtslähmung: Ursache, Symptome und Behandlung

Eine Gesichtslähmung oder Fazialisparese entsteht, wenn der siebte Gehirnnerv (auch Nervus facialis oder mimische Gesichtsnerv) in seiner Funktion beeinträchtigt ist. Über 60% der Erkrankungen sind peripher, das heißt, der Nerv selbst ist geschädigt. Die restlichen 40% treten zentral auf. Dabei ist der Nerv aufgrund einer Störung im Hirn beeinträchtigt. Auslöser für eine periphere Gesichtslähmung können Mittelohrentzündungen, bestimmte Virusinfekte oder Verletzungen des Nervs sein. Auch Impfungen können eine Fazialisparese triggern. 
Laut Deutscher Gesellschaft für Neurologie klingen 95% aller Gesichtslähmungen innerhalb eines Monats von alleine ab. Der Genesungsprozess sollte allerdings immer von einer Ärztin/einem Arzt begleitet werden. Er lässt sich mit Kortikosteroiden beschleunigen. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. 

Zu den Symptomen einer Gesichtslähmung zählen:

  • Hängende Mundwinkel
  • Unvollständiger Lidschluss
  • Beeinträchtigung von Gehör, Speichel- sowie Tränenfluss

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RKI und Deutsche Gesellschaft für Neurologie schätzen Risiko ein

Die Zahlen des PEI lassen es bereits erahnen: Eine Gesichtslähmung nach der Corona-Impfung gehört nicht zu den erwartbaren Nebenwirkungen. Die aufgetretenen Fälle sind im Vergleich zu den aktuell über 32 Millionen Erstimpfungen verschwinden gering.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie schreibt in einem Online-Bericht zu dem Thema: 
 

„Bisher traten Gesichtslähmungen (Fazialisparesen) im zeitlichen Zusammenhang mit der SARS-CoV-2-Impfung nur selten auf. Fazialisparesen sind häufig mit Viruserkrankungen assoziiert, wie Gürtelrose-, Herpes simplex - oder Grippeviren. Auch Impfungen können, wenn auch seltener, die Entwicklung von Fazialisparesen triggern. Das ist womöglich auch bei der Impfung gegen SARS-CoV-2 der Fall, während ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Auftreten von Gesichtslähmungen eher unwahrscheinlich zu sein scheint. Im Hinblick auf Fazialisparesen rechtfertigt die jetzige Datenlage keine Skepsis gegenüber den SARS-CoV-2-Impfstoffen.“

Das RKI kommt mit Blick auf mögliche Gesichtslähmungen nach der Corona-Impfung zu dem Schluss: „Lymphknotenvergrößerungen und Lähmungen in einer Gesichtshälfte (Fazialisparese), die in einigen Fällen auftraten, sind vorübergehende Phänomene. Ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den Lähmungen und der Impfung besteht, ist fraglich und bedarf weiterer Untersuchungen.“

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Quellen:
Sicherheitsbericht: Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19 (Stand 7. Mai), in: pei.de
Faktenboxen zur mRNA-Schutzimpfung gegen COVID-19 (Stand 14. Mai), in: rki.de
Gesichtslähmung in Folge der Corona-Impfung?, in: dgn.org
Gesichtslähmung – Definition und Häufigkeit, in: hno-aerzte-im-netz.de

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