Geschlechtsverkehr nach der Geburt

Michelle Kröger
Paar kuschelt
© iStock/Pekic
Inhalt
  1. Keine Lust auf Geschlechtsverkehr - ist das normal?
  2. Wie lange sollte ich nach der Geburt warten?
  3. Schmerzen beim Sex nach der Geburt
  4. Sex nach der Geburt: Rückbildungskurs besuchen
  5. Was tun bei Scheidentrockenheit?
  6. Tipps für das erste Mal nach der Geburt
  7. Wie schnell kann ich nach der Geburt wieder schwanger werden?

Nach der Geburt steigt bei den frischgebackenen Eltern die Lust auf Sex schnell wieder an. Doch gibt es eigentlich etwas zu beachten? Und ab wann nach der Geburt ist Sex denn nun wirklich okay? Wir verraten es Ihnen.

Beim Thema Geschlechtsverkehr nach der Geburt sind viele Eltern unsicher. Ist Sex nach der Geburt wirklich unbedenklich? Worauf sollte ich dabei achten? Und wie schnell kann ich nach der Geburt eigentlich wieder schwanger werden?

Das Baby ist da - und mit ihm ein Chaos der Gefühle. Die Hormone spielen verrückt und die Mutter ist meist ausschließlich auf das neugeborene Kind konzentriert. Sexuelle Lust? Fehlanzeige. Die Libido ist direkt nach der Geburt häufig nur sehr schwach ausgeprägt. Trotzdem kommt sie nach einer Weile wieder zurück: die Lust auf Sex.

 

Keine Lust auf Geschlechtsverkehr - ist das normal?

Die Geburt liegt hinter Ihnen, aber Sie verspüren einfach keine sexuelle Lust? Das ist keine Seltenheit und ganz natürlich. Schuld ist das Stillhormon Prolaktin. Aber auch ein Dammriss oder -schnitt kann die Lust auf Geschlechtsverkehr nach der Geburt vermindern. Wichtig zu wissen: Hier gibt es keine Regel und kein Muss. Jede Frau entscheidet selbst, wann sie wieder bereit ist, mit ihrem Partner zu schlafen. Hören Sie einfach auf Ihren Körper. Übrigens haben häufig auch frischgebackene Väter nach der Geburt Ihres Kindes Berührungsängste. Sie wollen ihrer Frau nicht weh tun und trauen sich deshalb nicht so richtig, sie anzufassen. Durchschnittlich haben die meisten Elternpaare etwa drei Monate nach der Entbindung wieder Sex. Doch die Enthaltsamkeit kann sich auch bis über ein Jahr ziehen. 

Mutter mit Baby nach der Geburt
Nach der Gburt sollte alles wieder vollständig verheilt sein, wenn Sie mit dem Geschlechtsverkehr beginnen © iStock/AleMoraes244
 

Wie lange sollte ich nach der Geburt warten?

Frauenärzte raten dazu, nach der Geburt vier bis sechs Wochen mit dem Geschlechtsverkehr zu warten. Der Grund: Mit der Ablösung der Plazenta bleibt eine Wunde in der Gebärmutter zurück und diese muss zunächst einmal verheilen. In der Zeit der Heilung (und des Wochenflusses) besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Achten Sie deshalb auf Ihren Wochenfluss. Denn bleibt dieser irgendwann aus, ist meist auch die Wunde vollständig verheilt. Wer schon früher sexuelle Lust verspürt und Sex haben möchte, sollte unbedingt ein Kondom benutzen, um eine Infektion zu vermeiden. 

 

Schmerzen beim Sex nach der Geburt

Bei den meisten Paaren fühlt sich der erste Geschlechtsverkehr nach der Geburt an wie das erste Mal. Unsicherheit macht sich breit. Und bei der Frau häufig auch die Angst vor Schmerzen. Dass Sie beim ersten Mal nach der Entbindung leichte Schmerzen verspüren, ist ganz normal. Treten jedoch stärkere Schmerzen auf, sprechen Sie das zur Vorsicht bei Ihrem Frauenarzt an. In den ersten sechs Wochen kann es schmerzhaft sein, wenn der Penis beim Sex gegen die noch nicht vollständig zurückgebildete Gebärmutter drückt. Deshalb und auch aufgrund der Infektionsgefahr raten Ärzte dazu, vier bis sechs Wochen mit dem Geschlechtsverkehr zu warten.

 
 

Sex nach der Geburt: Rückbildungskurs besuchen

Sie haben das Gefühl, dass Ihre Vagina zu weit ist? Keine Angst, sie wird sich wieder zurückbilden. Die Vagina einer Frau ist sehr elastisch, sie dehnt sich bei der Geburt extrem aus. Jedoch zieht sie sich nach der Geburt auch wieder schnell zusammen. Besuchen Sie zur Unterstützung einen Rückbildungskurs. Mit gezielten Gymnastik-Übungen stärken Sie den Beckenboden und Ihr Wohlgefühl beim Sex nach der Geburt. So bleibt auch die Blase beim Geschlechtsverkehr dicht. 

Und auch die äußeren Geschlechtsorgane sehen innerhalb der ersten zwei Wochen meist wieder normal aus. Sie haben eine Dammnaht? Hiermit kann es etwas länger dauern, etwa drei Wochen. Auch Blutergüsse oder Schwellungen klingen meist innerhalb von zwei Wochen ab. Versuchen Sie, gelassen zu bleiben.

 

Was tun bei Scheidentrockenheit?

Wenn Sie Ihr Baby stillen, ist der Östrogenspiegel im Blut niedrig. Es klingt komisch, doch genau das wirkt sich auf die Schleimdrüsen in der Vagina aus. Es entsteht weniger Sekret als sonst. Das bedeutet aber eigentlich nur, dass Sie und Ihr Partner ein bisschen mehr Geduld haben müssen, bis Sie untenrum feucht sind. Alternativ können Sie auch ein Gleitmittel verwenden. 

 

Tipps für das erste Mal nach der Geburt

  1. Das erste Mal nach der Geburt ist oftmals etwas komisch. Genau deshalb sollten Sie es langsam angehen lassen. Setzen Sie sich nicht unter Druck und finden Sie Ihr eigenes Körpergefühl wieder.
  2. Wählen Sie zu Anfang eine Stellung, bei der der Penis nicht so tief in die Vagina eindringt. Zum Beispiel die Löffelchen-Stellung.
  3. Sie sind noch ein wenig druckempfindlich? Versuchen Sie es doch einmal mit Gleitgel. 
  4. Sprechen Sie offen miteinander. Zusammen finden Sie die für Sie beste Sex-Variante. 
Frau mit Kind schwanger
Auch direkt nach der Geburt können Frauen wieder schwanger werden. © iStock/pidjoe
 

Wie schnell kann ich nach der Geburt wieder schwanger werden?

Es gibt viele Mythen darum, dass man in der Stillzeit nicht schwanger werden kann. Das ist ein großer Irrtum. Stillen dient nicht zur Verhütung. Sobald zwischen dem Stillen mehr als vier Stunden liegen, ist der Prolaktinspiegel im Blut nicht mehr hoch genug, um den Eisprung zu unterdrücken. Sie können also wieder schwanger werden. Greifen Sie also zu einem Kondom oder lassen Sie sich von Ihrem Frauenarzt über andere geeignete Verhütungsmethoden nach der Geburt beraten. Zumindest, wenn Sie nicht sofort wieder schwanger werden möchten.  

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