Gerötete Augen: Was tun, wenn es juckt und brennt?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess weiß Rat, wenn die Augen gerötet, verklebt, geschwollen sind oder jucken
Expertin Dr. Hess: "Mit antibiotischen Augentropfen hat man das Problem meist nach zwei Tagen wieder im Griff. Dann besteht – sofern es eine bakterielle Konjunktivitis war – auch keine Ansteckungsgefahr mehr. Bis dahin sollten Sie sich möglichst nach jed © privat

Gerade im Frühling kommt es wieder häufig vor – die Augen sind rot, die Blutgefäße sind deutlich sichtbar, es juckt und brennt vielleicht auch. Eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist im Anmarsch. Oft steckt gerade jetzt im Frühling eine Allergie dahinter, aber es gibt auch andere Gründe, die zu einer Konjunktivitis führen können, besonders bei Kindern im Kindergartenalter.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Insgesamt ist diese Symptomatik einer der häufigsten Gründe, warum der Kinderarzt aufgesucht wird. Was können Sie selbst zu Hause tun? Kann man unterscheiden, ob es sich um eine Allergie oder eine Infektion handelt? Wann sollten Sie zum Arzt gehen und wann sollte ein Augenarzt hinzugezogen werden?

 

So erkennen Sie, ob eine Allergie die Ursache sein könnte

Bei einer Allergie sind immer beide Augen betroffen, sie jucken und sind rot. Auch schleimiges Sekret ist oft sichtbar. In diesem Fall helfen antiallergische Augentropfen, zum Beispiel mit Cromoglycinsäure. Auch Naturmedikamente, zum Beispiel Tropfen mit Euphrasia (Augentrost), können Linderung bringen – sofern dagegen keine Allergie besteht. Wenn die Entzündung abgeklungen ist, sollten Betroffene beim Arzt einen Allergietest vornehmen lassen.

Ist nur ein Auge gerötet, kann es sich auch um eine sogenannte irritationsbedingte Konjunktivitis handeln. Die Bindehautentzündung wird zum Beispiel durch vermehrtes Reiben, Zugluft oder einen Fremdkörper ausgelöst. Hier gilt es, die Ursache zu beseitigen, also das Reiben, die Zugluft vermeiden oder den Fremdkörper entfernen. Das Auge kann dazu vorsichtig mit lauwarmem, abgekochtem Wasser ausgewischt werden, hierzu immer vom äußeren Augenwinkel nach innen wischen. Anschließend können ebenfalls beruhigende Augentropfen mit Euphrasia oder zur Nacht eine Augensalbe mit Dexpanthenol verwendet werden. Innerhalb von Stunden sollte sich eine Besserung einstellen. Falls die Beschwerden weiterhin bestehen, ist ein Augenarztbesuch ratsam, um eine Hornhautverletzung, zum Beispiel durch einen Fremdkörper verursacht, auszuschließen.

Sieht man gelblich-grünliches Sekret, das das Auge verklebt, und ist möglicherweise auch die Umgebung des Auges etwas gerötet, dann könnte es sich um eine bakterielle oder virale Augenentzündung handeln. Der Kinderarzt wird dann in der Regel erstmal „blind“ antibiotisch behandeln, d. h. ohne vorher einen Abstrich zu machen. In dem Fall ist das unproblematisch, da in der Regel immer die gleichen Keime Auslöser sind. Mit antibiotischen Augentropfen hat man das Problem meist nach zwei Tagen wieder im Griff. Dann besteht – sofern es eine bakterielle Konjunktivitis war – auch keine Ansteckungsgefahr mehr.

Gerötete Augen beim Kind: Allergien, Bindehautentzündung, Fremdkörper, Augenherpes kommen als Ursachen in Frage
Gerötete Augen bei Kindern: Allergien, Bindehautentzündung, Augenherpes oder ein Fremdkörper im Auge kommen als Ursachen in Frage. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, worauf Sie achten sollten© shutterstock

Bis dahin sollten Sie sich möglichst nach jedem Kontakt mit dem infizierten Auge gründlich die Hände waschen. Wechseln Sie jeden Tag die Handtücher, mit dem Hände und das Gesicht abgetrocknet werden. Waschen Sie sie bei mindestens 60 Grad, besser bei 90 Grad. Auch, wenn nur ein Auge betroffen ist, sollten immer beide Augen behandelt werden, da es meist nur eine Frage der Zeit ist, bis sich unbehandelt auch das andere Auge infiziert.

Stellt sich keine Besserung ein, sollte ein Abstrich gemacht werden, um eine Virusinfektion oder eine Erkrankung mit einem ungewöhnlichen Erreger auszuschließen. Insbesondere die Infektion mit sogenannten Adenoviren kann äußerst unangenehm sein, ist höchst ansteckend – das Kind darf bis zum vollständigen Abklingen nicht in die Kita oder die Schule – und kann Schäden auf der Hornhaut anrichten. Bei dieser Infektion sollte aus meiner Sicht immer noch ein Augenarzt konsultiert werden, um die Hornhaut genau zu untersuchen. Oft wird er – obwohl es eine virale Erkrankung ist – antibiotische Augentropfen verschreiben, um eine bakterielle Superinfektion zu verhindern.

Ist die gesamte Augenumgebung rot, geschwollen, überwärmt, besteht Fieber und ist der Allgemeinzustand des Kindes verschlechtert, sollte immer umgehend eine Vorstellung beim Haus-, Kinder- oder Augenarzt erfolgen. Außerhalb der Praxisöffnungszeiten auch direkt im Krankenhaus. Schlimmstenfalls droht eine Entzündung auch der Augenumgebung, bzw. des gesamten sogenannten Orbitalraumes, mit der Gefahr des Einbruchs der Entzündung in das Gehirn, die dort Hirnhautentzündungen, Hirnabszesse und ähnlich schwere Komplikationen auslösen kann. Daher ist bei Verdacht eine zügige Diagnostik maßgeblich. Bei einem positiven Befund kann die Behandlung mit einem Antibiotikum, in den meisten Fällen im Krankenhaus und über die Vene, unvermeidlich sein.

Schmerzt das Auge plötzlich stark und bestehen zudem Kopfschmerzen, sollte ebenfalls rasch ein Augenarzt aufgesucht werden. Bei Kindern ist das zwar selten, aber auch schon bei den Kleinen kann es zu einem Glaukomanfall (Grüner Star) durch erhöhten Augeninnendruck kommen. Dann ist schnelles Handeln notwendig, um Folgeschäden zu verhindern.

Video: Geheimtipp gegen geschwollene Augen

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