Gerötete Augen – wann steckt eine Krankheit dahinter?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess warnt vor Orbitalphlegmone
Expertin Dr. Hess: „Kinder unter fünf Jahren sind häufiger von geröteten Augen betroffen als Kinder, die schon älter sind. Allerdings kann sich bei Nichtbehandlung aus einem periorbitalen Erysipel auch eine Orbitalphlegmone entwickeln.“ © privat

Wie unterscheidet man bei geröteten Kinderaugen eine einfache Reizung von gefährlichen Krankheiten wie dem periorbitalen Erysipel oder einer Orbitalphlegmone? Was sind das für Erkrankungen? Wie werden sie ausgelöst und warum können sie so gefährlich werden? Wie wird behandelt?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Mal ein rotes Auge oder auch eine gerötete Augenumgebung, das kennt wohl jeder. Insbesondere kleine Kinder haben häufiger mal tränende Augen und dann ist die Haut ringsum auch etwas rot – das ist nicht so schlimm. Aber wenn die Augenumgebung –insbesondere nur an einem Auge – hochrot und geschwollen ist, sogar noch Fieber und ein reduzierter Allgemeinzustand hinzukommt, dann ist Vorsicht geboten. Es könnte sich um ein periorbitales Erysipel oder gar eine Orbitalphlegmone handeln und damit ist nicht zu spaßen.

 

Wann ist ein periorbitales Erysipel die Ursache für gerötete Augen?

Kind mit Verdacht auf Orbitalphlegmone
Wenn bei Kindern ein Auge gerötet und geschwollen ist, könnte es sich um ein periorbitales Erysipel oder eine Orbitalphlegmone handeln © Shutterstock

Bei einem periorbitalen Erysipel ist die Umgebung des Auges entzündet, nicht aber die Augenhöhle. Zu dieser Entzündung kommt es durch kleinere Verletzungen am Auge, durch Infekte – zum Beispiel Bindehautentzündungen oder auch Infekte der oberen Luftwege, die sich auf den Bereich ausgebreitet haben. Kinder unter fünf Jahren sind häufiger von geröteten Augen betroffen als Kinder, die schon älter sind. Allerdings kann sich bei Nichtbehandlung aus einem periorbitalen Erysipel auch eine Orbitalphlegmone entwickeln.

 

Gerötete Augen: Wann ist es eine Orbitalphlegmone?

Bei einer Orbitalphlegmone ist nicht nur das umgebende Gewebe, sondern auch die Augenhöhle mitbetroffen. Diese Erkrankung ist aufgrund der Durchbruchmöglichkeit der Entzündung Richtung Gehirn und des Risikos einer Sinusvenenthrombose (eine durch die Entzündung ausgelöste Thrombose in einem Hirngefäß) besonders gefährlich.

Zusätzlich zu Fieber und einem reduzierten Allgemeinzustand kommen oft (anders als beim periorbitalen Erysipel) Sehstörungen hinzu. Das gerötete und geschwollene Auge kann außerdem nicht mehr normal bewegt werden. Zu einer Orbitalphlegmone kommt es oft durch eine Entzündung der Stirn- oder Kieferhöhle, die in die Orbita (Augenhöhle) durchbricht. Die Patienten sind meist älter als fünf Jahre (im Gegensatz zum periorbitalen Erysipel), was unter anderem daran liegt, dass kleine Kinder noch gar keine vollständig ausgebildeten Stirn- und Kieferhöhlen haben und darum seltener an Entzündungen in dem Bereich leiden können.

 

Wie sieht bei einem periorbitalen Erysipel oder einer Orbitalphlegmone die Behandlung aus?

In der Regel sind Bakterien für beide Erkankungen verantwortlich und eine antibiotische Behandlung ist unvermeidlich. Bei Verdacht auf eine Orbitalphlegmone ist es in unklaren Fällen auch nötig, ein Computertomogramm durchzuführen, um den Einbruch der Entzündung in tiefer liegende Strukturen auszuschließen und die Diagnose zu bestätigen.

Bei Orbitalphlegmonen ist ein Aufenthalt im Krankenhaus und eine antibiotische Behandlung über die Vene nicht zu vermeiden. Die möglichen Komplikationen sind zu schwerwiegend, als dass diese Erkrankung ambulant behandelt werden könnte. Bei dem periorbitalen Erysipel kann jedoch oft mit einem oralen Antibiotikum unter engmaschiger Kontrolle durch den betreuenden Kinderarzt therapiert werden.

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