Genick gebrochen - Wie man das überlebt

Ein Krankenwagen fährt schnell
Meike hatte unglaubliches Glück – ihren Genickbruch überlebte sie nicht nur – sie trug auch keine Lähmung davon © Fotolia

Als Meike an jenem Dezembermorgen erwachte, freute sie sich schon auf Weihnachten. Auf das Fest, auf den Baum und natürlich die Fußballschuhe, die sie sich gewünscht hatte. Doch ein paar Stunden später schien der Traum geplatzt. Dass sie heute noch lebt, grenzt an ein Wunder. Teil zwei unserer Reihe.

Es war der Tag vor dem ersten Advent 2008. Die damals 14-Jährige wollte mit einer Freundin Kerzen für den Kranz besorgen, da passierte es: An einer roten Ampel rannte Meike noch schnell über die Straße – und wurde von einem Fahrzeug erfasst. Das Auto schleuderte sie 25 Meter weit durch die Luft, bevor sie aufs Pflaster prallte und das Bewusstsein verlor.

 

Meike überlebte einen Genickbruch

Dass ihr Genick gebrochen war, ahnte keiner der Helfer am Unfallort. Aber sie hatte riesiges Glück: Das Rückenmark war nicht ganz durchtrennt. Und weil die Sanitäter Meike nicht beatmen mussten, beugten sie ihren Kopf auch nicht in den Nacken. Eine einzige Bewegung wäre ihr Todesurteil gewesen. Denn wird das Rückenmark durchtrennt, wird das Atem- und Kreislaufzentrum zerstört und es kommt zum sofortigen Tod.

Fast zwei Wochen lang liegt Meike danach im künstlichen Koma. Ihre Mutter und ihre drei Geschwister bangen, zittern, warten. Es dauert 13 lange Tage, bis sie die Augen wieder aufschlägt. Was für ein Moment für die dankbare Mutter: „Mama“, flüstert ihre Tochter, „der ganze Himmel muss voller Schutzengel gewesen sein.“

Aber Meike hat den Unfall nicht nur überlebt – sie ist auch nicht gelähmt. Das verbliebene Rückenmark haben die Ärzte inzwischen mit Stiften stabilisiert. Dennoch muss Meike zunächst ein riesiges Metallgestell tragen. Wochenlang übt sie in der Reha das Gehen, Schritt für Schritt auf den Klinikfluren. Immer hat sie dabei ihr Ziel vor Augen: irgendwann wieder im Tor ihres Fußballvereins zu stehen.

Doch dann gibt es Komplikationen mit dem Schienbein, das bei dem Unfall zertrümmert worden ist. Die Knochen sind falsch zusammengewachsen. Wieder OPs, sechs an der Zahl, wieder Reha. Wieder muss sie das Gehen ganz neu lernen. Nun weiß sie: Das Fußballtor muss noch eine Weile warten.

Meike kämpft weiter. Ihr altes Leben hat sie nicht wieder bekommen. Aber ein neues bekam sie geschenkt. Und das wird sie meistern, bestimmt.

 

Der Fall Bert Trautmann

1956 schrieb ein deutscher Fußballer mit einem ähnlichen Fall Geschichte: Bernhard Carl Trautmann (genannt Bert Trautmann), damals Torhüter von Manchester City, stieß heftig mit einem anderen Spieler zusammen. Die Folge: Genickbruch! Dennoch spielte er weiter und führte sein Team zum Sieg – obwohl er der Bewusstlosigkeit nahe war. Für seine englischen Kollegen wurde er in dem Moment zur Legende.

Hamburg, 13. November 2015

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