Gelüftet: Das Gesundgeheimnis des grünen Tees

Grüner Tee
Ein Wirkstoff in grünem Tee zerstört Krebszellen, verschont aber gesundes Gewebe – warum das so ist, haben US-Forscher jetzt erstmals herausgefunden © Fotolia

Grüner Tee zerstört Krebszellen – das haben zahlreiche Studien gezeigt. Doch wie schafft er es, zwischen gesunden und kranken Zellen zu unterscheiden? US-Forscher haben jetzt die Antwort auf diese Frage gefunden.

Grüner Tee senkt den Blutzuckerspiegel, schützt vor Infektionen, vertreibt Erschöpfung – und wirkt gegen verschiedene Formen von Krebs. Doch wie er das Tumorwachstum stoppt, konnte bisher niemand nachweisen.

 

Auf der Suche nach dem Mechanismus, der sich dahinter verbirgt, ist ein bestimmter Inhaltstoff des grünen Tees schon seit Längerem im Fokus der Forscher. Das sogenannte Epigallocatechingallat (EGCG) ist bekannt dafür, Krebszellen zu zerstören, gesunde Zellen aber zu verschonen. Unklar war bisher, warum der Stoff so gezielt wirkt. Auf diese Frage haben die Wissenschaftler der Pennsylvania State University jetzt eine Antwort gefunden.

 

 

Kann grüner Tee zwischen Gut und Böse unterscheiden?

Die Forscher konzentrierten sich in ihrer aktuellen Studie auf die Wirkung von EGCG bei Mundhöhlenkrebs. Zu Beginn der Studie stand fest: EGCG greift die Mitochondrien (die Kraftwerke) der Krebszellen an – und zwar, indem es sie oxidativem Stress aussetzt. Das bedeutet: Es setzt sogenannte reaktive Sauerstoffspezies frei – bestimmte Formen von Sauerstoff, die für den Körper schädlich sind. Die Mitochondrien geben diesen oxidativen Stress an den Rest der Zelle weiter – bis sich die Zelle schließlich selbst vollständig zerstört. Gleichzeitig werden die Abwehrreaktionen der Zelle gegen oxidativen Stress aktiviert – das beschleunigt diesen Zerstörungsprozess zusätzlich.

 

Bei gesunden Zellen dagegen löst EGCG einen gegenteiligen Effekt aus: Hier wird der Selbstschutz der Zelle vor oxidativem Stress sogar verstärkt.

 

Um den Grund für dieses Phänomen herauszufinden, züchteten die Forscher im Labor Zellen von Mundhöhlenkrebs und gesunde Zellen. Dann brachten sie beide mit EGCG in Kontakt und beobachteten die Entwicklung.

 

 

Protein spielt Schlüsselrolle

Das Ergebnis des Experiments: Die Crux der Anti-Krebs-Wirkung von grünem Tee liegt in einem bestimmten Protein, dem sogenannten Sirtuin 3 (SIRT3). Dieses Protein hat die Aufgabe, die Zelle vor oxidativem Stress zu schützen.

 

Schon bei verschiedenen Studien in anderen Zusammenhängen war aufgefallen, dass sich Sirtuin 3 in Krebszellen anders verhält als in gesunden Zellen. So auch hier: In Krebszellen wird seine Schutzwirkung durch den Kontakt mit EGCG gestoppt – in gesunden Zellen dagegen verstärkt. Das unterschiedliche Verhalten von Sirtuinen in Krebszellen und gesunden Zellen wird schon seit Längerem erforscht und ist noch nicht endgültig geklärt.

 

Nach Ansicht der Studienleiter sind die Ergebnisse ihrer Untersuchungen auch auf andere Krebsarten übertragbar. In weiteren Studien wollen sie testen, ob sich neue Therapiemaßnahmen aus ihren Erkenntnissen entwickeln lassen. Bis dahin gilt: Grüner Tee schützt vor Krebs – Experten empfehlen zwei Tassen pro Tag.

 

Hamburg, 31. Januar 2015

 

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