Gelenkschmerzen am ganzen Körper: Eine schwierige Diagnose

Hinter Gelenkschmerzen am ganzen Körper können verschiedene Ursachen stecken. Deshalb ist die Diagnose oftmals sehr schwer zu stellen. Welche Möglichkeiten es gibt: der Überblick.

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Manchmal ist es Verschleiß, aber es kann auch eine entzündliche Erkrankung sein: Gelenkschmerzen am ganzen Körper können ganz verschiedene Ursachen haben. Das macht es den Ärzt:innen schwer, eine genaue Diagnose zu stellen. Betroffene leiden oftmals jahrelang und sind in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. Auf welche Symptome man achten sollte und wie die Schmerzen gelindert werden können.

Arthrose kann zu Gelenkschmerzen am ganzen Körper führen

Schon ab einem Alter von 30 Jahren beginnen die Gelenke zu verschleißen: Der Gelenkknorpel nutzt sich mehr und mehr ab und regeneriert sich nicht mehr von allein – eine schmerzhafte Arthrose droht, die ständig für Schmerzen in den Gelenken sorgt. Besonders häufig sind Knie und Hüfte betroffen, aber auch in anderen Gelenken wie der Lenden- oder Halswirbelsäule, Schultern, Fingern oder Zehen kann eine Arthrose auftreten.

Führt eine Arthrose zu Schmerzen in den Gelenken, kann die Ursache des Verschleißes zum Beispiel im Übergewicht liegen. Auch das Alter spielt eine Rolle, ebenso wie Veranlagung und Überbelastung.

Bei bohrenden oder stechenden Schmerzen, die in den Gelenken am ganzen Körper auftreten können, sollte man sich rechtzeitig in ärztliche Behandlung begeben, um mit Schmerzmitteln und gezielten physiotherapeutischen Übungen dagegen anzugehen. Auch eine Ernährungsumstellung mit wenig tierischen Fetten, viel Omega-3-Fettsäuren und Gemüse sowie eine Gewichtsreduzierung können helfen.

Alle Gelenke schmerzen plötzlich: Ist es eine akute Arthritis?

Bei plötzlichen Gelenkschmerzen am ganzen Körper kann eine akute Arthritis dahinterstecken, eine Entzündung der Gelenke. Sie tritt innerhalb von Stunden oder Tagen auf und macht sich durch einen schnell einsetzenden Schmerz, Bewegungseinschränkungen und Gelenkergüsse sowie geschwollene, gerötete und erwärmte Gelenke bemerkbar. Unbehandelt kann die akute Arthritis den Knorpel schnell zerstören und das Gelenk schädigen.

Oftmals sind Bakterien oder Viren Auslöser der Arthritis, aber auch andere Erkrankungen können dazu führen.

Diese Ursachen können für eine akute Arthritis verantwortlich sein:

  • Eine bakterielle Infektion durch Staphylokokken oder Streptokokken

  • Eine Virusinfektion, zum Beispiel Röteln, Mumps oder Hepatitis B, aber auch Chlamydien und Salmonellen

  • Eine Infektion mit Borrelien nach einem Zeckenbiss (Lyme-Arthritis)

  • Eine beginnende rheumatoide Arthritis

Vermutet man eine akute Arthritis hinter den Beschwerden, sollte man die Gelenke schonen und kühlen. Bei einem Arztbesuch kann die genaue Ursache durch eine Blutuntersuchung geklärt werden. Zusätzlich wird häufig eine Untersuchung durch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomografie angewandt, um eine genaue Diagnose zu stellen. Manchmal ist auch eine Gelenkpunktion oder eine Gelenkspiegelung notwendig.

Bakterielle Infektionen werden in der Regel mit Antibiotika behandelt. Außerdem werden schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente verschrieben. Zudem werden die betroffenen Gelenke geschient, eventuell auch gespült oder punktiert. Kühlende Quarkwickel können außerdem die Schmerzen reduzieren.

Chronische Gelenkschmerzen bei rheumatoider Arthritis (Gelenkrheuma)

Wenn mehrere Gelenke schmerzen, könnte auch eine chronische Arthritis der Grund sein. Am häufigsten ist die sogenannte rheumatoide Arthritis, auch chronisches Gelenkrheuma oder chronische Polyarthritis. Dabei entzünden sich mehrere Gelenke, da das Immunsystem die Gelenke und das Bindegewebe angreift. Die rheumatoide Arthritis zählt daher zu den Autoimmunerkrankungen, obwohl die genauen Ursachen bislang noch unbekannt sind.

Folgende Symptome weisen auf chronisches Gelenkrheuma hin:

  • Schmerzen in mehreren kleinen und großen Gelenken

  • Morgensteifigkeit

  • Fieber

  • Schwächegefühl

  • Müdigkeit

  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust

Die Krankheit kann plötzlich oder schleichend beginnen und tritt in Schüben auf. Im Laufe der Zeit werden Knorpel, Knochen und Gelenkbänder zerstört. Verformungen der Gelenke, Instabilität und Narbenbildungen sind die Folge.

Hände mit rheumatoider Arthritis
Typisch für rheumatoide Arthritis sind verformte und geschwollene Fingergelenke Foto: iStock/ANGEL OCTAVIO BURGUETTE MORALES

Stellt man Anzeichen einer chronischen Arthritis fest, sollte man sich in ärztliche Behandlung begeben. Nach einer eingehenden körperlichen Untersuchung, Bluttests und eventuell einer Gelenkpunktion erfolgt die der Ursache entsprechende Behandlung, beispielsweise durch Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems, entzündungshemmende Arzneien oder Kälte- bzw. Wärmebehandlungen.

Auch eine Physiotherapie ist wichtig, damit die Gelenke beweglich bleiben und die umliegende Muskulatur gestärkt wird. Zudem können sich ganzheitliche Bewegungsformen wie Tai-Chi und Qi Gong positiv auswirken.

Eine weitere Möglichkeit für chronische Gelenkschmerzen ist die sogenannte Psoriasis-Arthritis: Sie entwickelt sich in manchen Fällen aus der Hautkrankheit Schuppenflechte (Psoriasis) und zählt ebenfalls zu den Autoimmunerkrankungen.

Fibromyalgie: Muskel- und Gelenkschmerzen am ganzen Körper

Wenn sämtliche Gelenke schmerzen, liegt möglicherweise eine Fibromyalgie vor (auch „Faser-Muskel-Schmerz“, FSM), eine rheumatische Erkrankung (Weichteilrheumatismus). Bei der chronischen Schmerzkrankheit tun häufig Gelenke am ganzen Körper weh, weil die umgebenden Muskeln, Sehnen, Bänder sowie das Fettgewebe der Unterhaut – die sogenannten „Weichteile“ – betroffen sein können, nicht aber die Gelenke selbst. Meist leiden Frauen unter Fibromyalgie.

Was die Erkrankung auslöst, ist noch nicht bekannt, vermutlich spielen die Gene, familiäre Veranlagung, Stress und Überlastung eine Rolle. Die Diagnose ist schwierig, weil hinter den Muskel- und Gelenkschmerzen am ganzen Körper auch viele andere Ursachen stecken können.

Bei Fibromyalgie können folgende Symptome in verschiedener Intensität auftreten:

  • Starke Schmerzen im ganzen Körper – in Gelenken, Knochen, Muskeln und Sehnen

  • Berührungsempfindlichkeit bzw. Druckschmerzpunkte

  • Steife Gliedmaßen

  • Müdigkeit

  • Schlaflosigkeit

  • Brennender Hautschmerz

  • Kopfschmerzen

  • Herzrasen

  • Depressive Verstimmungen und Angst

Obwohl Fibromyalgie keine Schäden an Gelenken, Muskeln oder Organen anrichtet, beeinträchtigt die Krankheit die Lebensqualität stark. Umso wichtiger ist es, dass die Diagnose schnell gestellt wird. Dazu müssen andere Ursachen erst einmal ausgeschlossen und dann eingehende klinische Untersuchungen durchgeführt werden. Die Behandlung zielt darauf ab, die chronischen Schmerzen zu lindern, den Schlaf zu verbessern und Müdigkeit zu reduzieren.

Dazu erfolgt meist eine Kombination verschiedener Therapien, zum Beispiel durch schmerzstillende Medikamente wie Antirheumatika und Analgetika, physikalische und psychologische Therapien und Entspannungstechniken.

Gelenkschmerzen: Ganzer Körper bei Gicht betroffen

Wenn alle Gelenke schmerzen, könnte auch Gicht der Auslöser sein. Dabei handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, verursacht durch einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie). Kleine Harnsäurekristalle lagern sich dann in den Gelenken ab und führen zu Entzündungen, die schubhaft auftreten.

Die Schmerzen setzen bei einem akuten Gichtanfall plötzlich ein, meist nachts oder früh am Morgen. Das Gelenk schwillt an, ist gerötet, warm und sehr berührungsempfindlich. In der Regel ist anfangs ein Gelenk betroffen, meist das Großzehgrundgelenk. Dann kommen weitere Gelenke an Fingern und Hand dazu, später auch Knie-, Sprung- oder Ellenbogengelenke. Nach und nach sorgt Gicht für schmerzende Gelenke am ganzen Körper.  

Ursache ist meist, dass zu wenig Harnsäure über die Nieren ausgeschieden wird. Daneben kommt eine purinreiche Ernährung als Ursache infrage: Purin steckt in vielen Lebensmitteln, es wird bei gesunden Menschen zu Harnsäure abgebaut und ausgeschieden. Bei Gichtpateint:innen ist dieser Prozess gestört. Purin kommt in Fleisch, Wurst, Innereien und Fisch, aber auch in Hülsenfrüchten, Spargel, Kohl und Spinat vor. Darüber hinaus können auch alkoholische Getränke einen Gichtanfall auslösen.

Bei Gelenkschmerzen im ganzen Körper kann eine Blutuntersuchung einen erhöhten Harnsäurespiegel und damit Gicht nachweisen. Neben entsprechenden Medikamenten sollten die Betroffenen dann vor allem ihre Ernährung anpassen und auf einen gesunden Lebenswandel achten.

Wechseljahre führen zu Gelenkschmerzen im ganzen Körper

Frauen in der Menopause stellen oft fest, dass ihre Gelenke schmerzen. Schuld daran ist der sinkende Östrogenspiegel, der den Hormonhaushalt durcheinanderbringt.

Die genaue Ursache ist bislang noch nicht erforscht. Eine Theorie besagt, dass Östrogen einen schützenden Effekt auf die Gelenke hat und den Knorpelabbau entgegenwirkt – wird weniger Östrogen produziert, nimmt auch der Schutz ab. Doch auch der fehlende Schlaf, Stress und Anspannung durch die Hormon-Disbalance sowie zu wenig körperliche Bewegung könnten Schmerzen in den Gelenken am ganzen Körper begünstigen.

Ältere Frau hält sich die schmerzende Schulter
Frauen in den Wechseljahren leiden häufig unter Schmerzen im Schultergelenk Foto: iStock/InnerVisionPRO

Bei Gelenkschmerzen in den Wechseljahren kann eine Hormonersatztherapie helfen. Diese ist allerdings umstritten und kommt für viele Frauen nicht infrage. Dann kann auch eine ausgewogene Ernährung mit wenig tierischen und vielen pflanzlichen Produkten hilfreich sein. Betroffene Frauen sollten viel Wasser oder Kräutertee trinken, auf Kaffee und Alkohol verzichten und sich viel bewegen. Daneben können auch natürliche Mittel mit Mönchspfeffer oder Traubensilberkerze die Beschwerden lindern.

Gelenkschmerzen am ganzen Körper: Ursachen klären

Es gibt viele Gründe, warum verschiedene Gelenke schmerzen. Es kann auch an Kälte liegen oder an zu intensiver sportlicher Aktivität, die Gelenkschmerzen am ganzen Körper verursacht. Diese Beschwerden klingen jedoch rasch ab.

Daneben können Krankheiten zu Gelenkschmerzen führen, die nicht direkt etwas mit den Gelenken zu tun haben: beispielsweise eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis), die chronisch-rheumatische Entzündung Morbus Bechterew oder das Löfgren-Syndrom – eine seltene entzündliche Erkrankung, die unter anderem zu Gelenkschmerzen, Schwellungen der Lymphknoten an der Lunge sowie Gewichtsverlust führen kann.

Wichtig ist es daher, die genauen Ursachen der Beschwerden frühzeitig zu klären, um gegen die Gelenkschmerzen am ganzen Körper gezielt vorgehen zu können und sie effektiv zu behandeln.