Gelbsucht: Eine verunreinigte Spritze kann eine Epidemie auslösen

Hepatitis B und C werden vor allem durch verunreinigte Gegenstände weiterverbreitet
Hepatitis B und C werden vor allem durch verunreinigte Gegenstände weiterverbreitet. Dazu gehören unter anderem Spritzen, Kanülen, Ohrstecher oder Tätowier-Instrumente © Fotolia

Wird beim impfen, tätowieren oder beim harmlosen Ohrloch-Stechen nicht steril gearbeitet, kann dies gefährliche Folgen haben. Viele Menschen ahnen lange nichts von der Ansteckung – bis sich ihre Augen und Haut langsam gelb verfärben. Was sich hinter der sogenannten Gelbsucht verbergen kann, erfahren Sie hier.

Eine schwere Gelbsuchtepidemie suchte im Herbst 1883 die Nervenheilanstalt in Merzig an der Saar heim. 144 von 510 Anstaltsinsassen waren infiziert. Sie alle erkrankten einige Monate nach einer Pocken-Impfaktion in der Klinik. Niemand jedoch sah den Zusammenhang. Damals wusste man noch nicht, dass die gefährlichere Variante der Gelbsucht, Hepatitis B, eine sehr lange Inkubationszeit hat. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit können bis zu sechs Monate vergehen. Die Anstaltsleitung rühmte sich, dass mit großer Sorgfalt geimpft worden sei: "Nach jeder einzelnen Operation wurden die Lanzetten durch einen Gehilfen abgewaschen und sauber abgeputzt." Aber steril ist wohl etwas anderes. Da man immer dieselbe Lanzette benutzte, bedurfte es nur einer erkrankten Person, um den Virus bei der Massenimpfung in der ganzen Anstalt zu übertragen.

 

Drogenkranke sind besonders gefährdet

Auch heute werden Hepatitis B und C vor allem durch verunreinigte Gegenstände weiterverbreitet. Dazu gehören unter anderem Spritzen, Kanülen, Ohrstecher oder Tätowier-Instrumente. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass besonders viele Drogenkonsumenten mit Hepatitis C infiziert sind. Nach einer jüngst veröffentlichten Statistik leiden weltweit etwa zehn Millionen Drogenkranke unter Hepatitis C, das sind zwei Drittel aller Fixer.

Bei jedem Zehnten führt die Krankheit schließlich zu Leberzirrhose oder Leberkrebs – und damit zum Tod. Auch bei uns in Deutschland sind 75 Prozent aller Fixer mit dem Virus infiziert.

Während des Zweiten Weltkriegs kam es an verschiedenen Fronten zu schlimmen Gelbsuchtepidemien, so unter anderem in Nordafrika und an der Ostfront. Insgesamt waren in den sechs Kriegsjahren fünf bis sechs Millionen deutsche Soldaten an Gelbsucht erkrankt. Nimmt man die Zivilbevölkerung hinzu, waren es zehn Millionen Menschen. Während dieses Krieges konnte man zum ersten Mal Verwundete, die viel Blut verloren hatten, durch Bluttransfusionen retten. Ohne dass man es wusste, wurden dabei auch Hepatitis-Viren übertragen. Die Blutüberträger schienen äußerlich gesund, trugen aber den gefährlichen Krankheitskeim längst in sich. Erst später ging man dazu über, das Blut der Probanden vor der Übertragung auf Hepatitis-Viren zu überprüfen.

 

Unterschätzte Seuche

Gelbsucht ist wahrscheinlich eine der am meisten unterschätzten Seuchen überhaupt. Hepatitis C zum Beispiel ist sehr viel verbreiteter als Aids. Etwa 170 Millionen Menschen sind weltweit infiziert, 350 000 kostet die Krankheit jährlich das Leben. Das Virus hat sich auch in den Lebern von mindestens einer halben Million Bundesbürger festgesetzt. Wahrscheinlich ist die Zahl sogar noch größer. Weil die meisten keine Beschwerden haben, ahnen sie nichts davon. Etwa bei der Hälfte der Neuinfizierten bekommt die Immunabwehr den Erreger in den Griff. Die anderen werden zu chronisch Infizierten. Ein Teil von ihnen erkrankt Jahrzehnte später an Leberzirrhose oder an Krebs. Anders als bei Hepatitis A und B gibt es bei Hepatitis C noch keine Schutzimpfung. Im schlimmsten Fall müssen chronisch Erkrankte eine neue Leber verpflanzt bekommen. Doch sie können nun Hoffnung schöpfen. Mit einer neuen Therapie (Direct Acting Antivirals, DAA) gelingt es, die Enyzme des Virus zu blockieren und damit die Vermehrung zu unterbrechen.

 

Hepatitis C – der unheimliche Virus

Dieser Virus wurde erst 1988 entdeckt. Man schätzt, dass weltweit etwa 170 Millionen Menschen infiziert sind, viele wissen es aber nicht. Die Übertragung erfolgt meist durch Blutkontakt, wie etwa über kontaminierte Spritzen.

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