Gelbfieber: Die Entdeckung der Killermücken

Carlos Finlay, Entdecker der Gelbfiebermücke
Carlos Finlay war der erste, der Moskitos als Überträger des Gelbfiebers in Verdacht hatte. Leider glaubt ihm damals niemand – sonst hätten tausende Todesfälle verhindert werden können © Corbis

Der Arzt Carlos Finlay verdächtigte Anfang des 19. Jahrhunderts eine kleine Stechmücke, das Gelbfieber zu übertragen – und wurde dafür ausgelacht. Den Beweis lieferten Forscher später in einem lebensgefährlichen Selbstversuch. Lesen Sie hier die tragische Geschichte.

Hätte man auf den kubanischen Augenarzt Carlos Finlay (1833-1915) gehört, wäre die Gelbfieber-Katastrophe am Panamakanal wahrscheinlich nie passiert. Finlay war der erste Mediziner, der die Stechmücke (Aedes aegypti) als Überträger und damit Ursache des Gelbfiebers in Erwägung zog. Seine Moskito-Theorie erregte jedoch bei anderen Wissenschaftlern lange Zeit nur Hohn und Spott. „Die Mücken haben mit dem Gelbfieber ebenso viel zu tun wie die Frösche mit dem Wetter“, lachten sie ihn aus. Dabei waren Finlays Versuche ziemlich eindeutig: Sechs gesunde Menschen waren an Gelbfieber erkrankt, nachdem sie von Mücken gestochen worden waren, die er vorher an Gelbfieberkranken hatte saugen lassen. Die Bekämpfung der Mücken war für ihn so die einzige Vorbeugung gegen Gelbfieber.

 

Gelbfieber auf Kuba

Finlay hatte in seiner Heimat Kuba immer wieder fürchterliche Gelbfieber-Epidemien miterlebt. Als die Amerikaner 1898 die Insel besetzten, sagten sie der Seuche den Kampf an. Leider glaubten sie aber, dass allein Schmutz und Unrat Schuld am Gelbfieber seien. Entsprechend begannen sie, die heruntergekommene Altstadt von Havanna zu reinigen und zu desinfizieren. Vergeblich! Im Jahr 1900 brach eine der schlimmsten Gelbfieberepidemien auf der Insel aus, bei der Tausende von Menschen ums Leben kamen. Jetzt lächelte man nicht mehr über Finlay und seine Moskito-Theorie.

 

Tödlicher Selbstversuch

Stattdessen ging eine Gelbfieberkommission daran, sie nachzuprüfen. Zwei ihrer Mitglieder, die Ärzte James Carroll (1854-1907) und Jesse Lazear (1866-1900), starteten einen geradezu heldenhaften Selbstversuch. Sie ließen sich von Stechmücken piksen, die vorher an Gelbfieberkranken gesaugt hatten. Nach drei Tagen fantasierten beide Mediziner in Fieberträumen. Während Carroll die Krise überwand, trat bei Lazear das gefürchtete schwarze Erbrechen auf. Er starb mit nur 34 Jahren. Diesem tragischen Tod folgten mehrere großangelegte, ebenfalls gefährliche Versuche. Dabei zeigte sich, dass Personen selbst in der saubersten Umgebung erkrankten, wenn sie von einer infizierten Mücke gestochen wurden. Waren jedoch keine Mücken da, blieben sie auch dann noch gesund, wenn sie vom Gelbfieber „verpestete“ Wäsche trugen. Damit war die Stechmücke endgültig als Überträger identifiziert.

Als die Amerikaner 1904 den Panamakanal weiterbauten, setzten sie Moskito-Brigaden ein, die zunächst überall stehende Gewässer und Sümpfe trockenlegten und die Moskitos ausräucherten. Die Wohnungen der Arbeiter wurden mit Netzen geschützt. Zum ersten Mal gelang es so, das Gelbfieber auszurotten. 1914 konnte der Panamakanal endlich eröffnet werden.

 

Impfung ist der beste Schutz vor Gelbfieber

Das Gelbfiebervirus wurde 1901 nachgewiesen. In den 1930er-Jahren entwickelte der Mikrobiologe Max Theiler (1899-1972) einen Impfstoff gegen die Seuche und erhielt dafür 1951 den Medizin-Nobelpreis.

Die vorbeugende Impfung ist immer noch der beste Schutz, denn ist die Krankheit erst einmal ausgebrochen, ist eine Behandlung schwierig. Der Schutz hält etwa zehn Jahre. Bei Reisen in betroffene Gebiete wird eine Impfung dringend empfohlen. Daneben bekämpfen viele Länder die Gelbfiebermücke, indem ihre Brutgebiete und Larven zerstört werden. Die Mücke ist auch deshalb gefährlich, weil sie noch andere Krankheiten wie etwa das Denguefieber überträgt. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation erkranken jährlich weltweit 200.000 Menschen am Gelbfieber, vor allem in Afrika, aber auch in Südamerika. Etwa 30.000 Personen im Jahr sterben heute noch an der Seuche.

Lesen Sie hier, wie das Gelbfieber die Arbeiter beim bau des Panamakanals dahinraffte.

 

Nie wieder Mückenstiche

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