Gelbfieber breitet sich aus – und der Impfstoff ist fast alle

Rasmus Cloes Medizinredakteur

Gelbfieber breitet sich rasant in Südwest- und Zentralafrika aus. Der Ausbruch alarmiert Experten und birgt extreme Gefahren, wenn er nicht schnell unter Kontrolle gebracht wird.

Während die Seuchenschützer der Welt fast ihre gesamte Aufmerksamkeit der Zika-Epidemie in Nord- und Südamerika widmen, breitet sich das Gelbfieber fast unbemerkt aus. Ausgangspunkt war Luanda, die Hauptstadt Angolas. Dort kam es im Dezember zu ersten Fällen. Von dort wanderte es seitdem in sechs weitere Provinzen. Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten bislang 375 Personen, 168 starben.

Und das ist vermutlich erst der Anfang. Schon jetzt geht die WHO davon aus, dass Infizierte nach Kenia, Mauretanien, Kongo und sogar China weitergereist sind.

 

Gelbfieber lässt sich nicht behandeln

Das größte Problem dabei: Eine wirksame Behandlung gibt bislang nicht. Schutz bietet nur eine Impfung. Um einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern, müssen 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung geimpft sein, schätzt die WHO. Laut offiziellen Angaben der angolanischen Regierung stehen 77 Prozent der Bevölkerung unter Impfschutz. Das müsste reichen.

Die tatsächliche Zahl geschützter Personen wird in einigen Regionen vermutlich aber deutlich niedriger liegen. Ursachen dafür könnte eine Knappheit des Impfstoffs im Jahr 2013 sein, die einige Gegenden unterversorgt zurückließ. Auch ist es möglich, dass Menschen zwar die Impfung erhielten, die Ampullen aber wirkungslos waren, weil zuvor deren Kühlkette unterbrochen wurde. Ein häufiges Problem in einigen afrikanischen Ländern.

Klein aber tödlich: Eine Mücke der Gattung Aedes
Klein aber tödlich: Eine Mücke der Gattung Aedes © shutterstock

Die sicherste Lösung wäre, jetzt noch einmal die gesamte Bevölkerung zu impfen. Die WHO hat nun auch ihren gesamten Vorrat an Gelbfieberimpfstoff – sechs Millionen Dosen – nach Luanda geschickt. Für die 20 Millionen Einwohner des Landes ist das allerdings deutlich zu wenig. Schon jetzt können die Hersteller nur mit großer Mühe den Bedarf decken.

 

Mücken verbreiten Gelbfieber

Sollte sich der Ausbruch auf Angola beschränken, sollte es dennoch möglich sein. Doch in den umliegenden Ländern beginnt gerade die sogenannte Denguefieber-Saison – einer Infektionskrankheit, die von der Aedes Mücke übertragen wird. Sie überträgt auch Zika – und Gelbfieber.

John Woodall, ein ehemaliger Experte für Tropenkrankheiten der WHO,  warnte am Montag: „Schaut euch an, wie schnell sich Zika auf der Welt verbreitet hat! Aber die Krankheit tötet niemanden. Beim Gelbfieber sterben 20 Prozent der Ungeimpften.“ Er schätzt, dass alle Hersteller des Impfstoffs bis Ende des Jahres etwa 40 Millionen Dosen  produzieren könnten. Und fügt an: „Aber allein China bräuchte 300 Millionen, wenn es sich in den vom Denguefieber betroffenen Provinzen ausbreitet.“ Dort gab es vor einigen Wochen einen Gelbfieberfall. Der Erkrankte starb. Ob er andere Personen angesteckt hat, ist noch unklar.

 

Gelbfieber in Deutschland?

In Deutschland besteht bislang noch keine direkte Gefahr. Wie lange das allerdings so bleibt, ist unklar. Im Juli letzten Jahres berichteten Wissenschaftler des Friedrich Loeffler-Instituts, dass sie erstmals Eier, Larven, Puppen und ausgewachsene Exemplare der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictusim Osten Freiburgs nachweisen konnten. Der Grund: Wegen des milden Winters konnte die Wärme liebende Mücke wohl überleben. In Südeuropa war sie in den letzten Jahren für mehrere Ausbrüche und Fälle des Chikungunya- und des Dengue-Fiebers verantwortlich. Auch das Gelbfieber könnte sie übertragen.

Hamburg, 01. April 2015

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