Gel statt Spritze für Diabetiker

Verena Elson Medizinredakteurin
Ampullen mit Insulin
Bei Diabetikern muss der Blutzuckerspiegel „von außen“ reguliert werden – das birgt die Gefahr von Fehlern, die lebensgefährliche Folgen haben können. Mediziner forschen darum an Entwicklungen, die im Körper den Blutzuckerspiegel messen und selbstständig © iStock/brakenj

Das lästige Insulinspritzen könnte für Diabetiker bald wegfallen: Japanische Forscher haben ein Gel entwickelt, dass im Körper selbstständig den Blutzuckerspiegel kontrolliert und bei Bedarf Insulin freisetzt.

Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon: Es hat die Aufgabe, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Dazu bindet es sich an die Oberfläche von Körperzellen und veranlasst sie, Glukose aus dem Blut herauszufiltern und als „Kraftstoff“ abzuspeichern. Funktioniert diese Steuerung nicht richtig, steigt der Blutzuckerspiegel dauerhaft zu hoch an – dann spricht man von Diabetes.

Bei Typ-I-Diabetikern ist der Grund dafür, dass die Bauchspeicheldrüse – die Produktionsstätte des Insulins – nicht richtig arbeitet. Bei Menschen mit Typ-II-Diabetes reagiert der Körper nicht mehr richtig auf das Insulin und der Blutzuckersiegel bleibt trotz funktionierender Bauchspeicheldrüse zu hoch.

Typ-I-Diabetiker und Menschen mit starkem Typ-II-Diabetes müssen ihren Blutzuckerspiegel darum selbst „von außen“ regeln, indem sie ihn regelmäßig messen und sich bei Bedarf Insulin spritzen. Diese Aufgabe birgt eine enorm große Verantwortung – denn zu viel oder zu wenig Insulin können zu einer Unter- oder Überzuckerung führen und beides ist potenziell lebensgefährlich.

Eine Entwicklung von Wissenschaftlern der Tokyo Medical and Dental University soll Diabetikern die Regulierung ihres Blutzuckerspiegels komplett abnehmen: Das „smarte“ Gel misst kontinuierlich den Glukosespiegel im Blut und veranlasst bei Bedarf die Freisetzung von Insulin in den Blutstrom.

 

Smartes Gel kontrolliert Blutzuckerspiegel

Dazu wird ein mit Insulin gefüllter Katheter unter die Haut gebracht. Das Gel dient als „Türsteher“ an der Öffnung des Katheters und verhindert, dass das Insulin ins Blut fließt. Kommt es jedoch mit Glukose in Berührung, ändert es seinen Zustand und wird für kurze Zeit durchlässig, sodass genug Insulin freigesetzt wird, um den Blutzuckerspiegel wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Ähnliche Entwicklungen scheiterten in der Vergangenheit daran, dass die Mediziner „Schranken“ auf Proteinbasis verwendeten. Der Nachteil dabei: Solche natürlichen Materialen zerfallen nach einiger Zeit und sind darum nicht für den dauerhaften Gebrauch geeignet. Um dieses Problem zu umgehen, verwendete das japanische Team ein rein synthetisches Gel.

 

Ist das smarte Gel die Insulinspritze der Zukunft?

Bisher wurde das Insulingel an Mäusen getestet – mit vielversprechenden Ergebnissen. Rund drei Wochen lang kontrollierte das Gel den Blutzuckerspiegel der diabeteskranken Tiere. Aktuell finden weitere Versuche mit größeren Tieren statt, bevor Testreihen mit Menschen beginnen.

Verlaufen diese erfolgreich, könnte das Gel auch hierzulande tatsächlich die Insulinspritze ersetzen – allerdings dürften bis dahin noch einige Jahre vergehen.

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