Gehirnnebel senkt Intelligenzquotienten: COVID macht laut Studie 10 Jahre älter

Eine COVID-Erkrankung scheint tatsächlich „Gehirnnebel“ hervorzurufen und sogar den Intelligenzquotienten zu senken. In einer aktuellen Studie untersuchten britische Forscher:innen mithilfe von Intelligenztests die Auswirkungen von COVID-19 – die Studie brachte Erstaunliches hervor.

JW Video Platzhalter
Zustimmen & weiterlesen
Um diese Story zu erzählen, hat unsere Redaktion ein Video ausgewählt, das an dieser Stelle den Artikel ergänzt.

Für das Abspielen des Videos nutzen wir den JW Player der Firma Longtail Ad Solutions, Inc.. Weitere Informationen zum JW Player findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bevor wir das Video anzeigen, benötigen wir Deine Einwilligung. Die Einwilligung kannst Du jederzeit widerrufen, z.B. in unserem Datenschutzmanager.

Weitere Informationen dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Von den Langzeitauswirkungen einer durchgemachten COVID-19-Erkrankung und einer verminderten Leistungsfähigkeit infolge von Long COVID wird viel berichtet, erforscht ist bisher jedoch wenig. Bekannt ist, dass viele COVID-Erkrankte auch lange nach ihrer Genesung mit Schwäche und Konzentrationsproblemen zu kämpfen haben.

Britische Wissenschaftler:innen des Imperial College London bestätigen nun in einer Veröffentlichung im EClinicalMagazine, dass die Erkrankung das kognitive Leistungsvermögen beeinträchtigt. Der sogenannte Gehirnnebel senkt demnach tatsächlich den Intelligenzquotienten.

Großer Intelligenztest mit mehr als 80.000 Proband:innen

Die Forschenden wertete Daten zur geistigen Leistungsfähigkeit von 81.337 Menschen zwischen Januar und Dezember 2020 aus. Davon waren 12.689 mit Sars-CoV-2 infiziert und unterschiedlich schwer erkrankt. 275 Erkrankte machten den Test sowohl vor als auch nach ihrer Infektion. Erhoben wurden die Daten im Rahmen des „Great British Intelligence Test“, dabei wurden beeinflussende Faktoren wie Alter, Geschlecht, Muttersprache und Bildungsniveau herausgerechnet.

Gehirnnebel sorgt für abnehmende Intelligenz

Das Ergebnis der Studie ist eindeutig: Im Vergleich zu Nicht-Erkrankten schnitten die vom Coronavirus Genesenen bei den Tests deutlich schlechter ab. Besonders beim logischen Denken, Planen und Problemlösungen zeigten die ehemals COVID-Erkrankten hohe Defizite. Diese machten sich durch einen „Gehirnnebel“, durch Konzentrationsprobleme und sogar Wortfindungsstörungen bemerkbar. Das bestätigt bisherige Vermutungen, dass COVID-19 neben den körperlichen auch für geistige Spätfolgen sorgen kann.

Gehirne Genesener um 10 Jahre älter

Gegenüber nicht an COVID-19 erkrankten Personen schnitten die Genesenen deutlich schlechter ab. Im Durchschnitt lag der Intelligenzquotient dieser Gruppe um sieben Punkte unter dem der anderen Teilnehmer:innen. In Jahren gemessen, wären diese Menschen zehn Jahre älter, was die Leistungsfähigkeit ihrer Gehirne betrifft.

Je schwerer die durchgemachte Erkrankung, desto deutlicher die Gehirnalterung. Die Forscher:innen um den Neurowissenschaftler Adam Hampshire stellten fest, dass Patient:innen, die intensivmedizinisch behandelt oder beatmet werden mussten, besonders schlecht abschnitten.

Aber auch weniger schwer Erkrankte hatten mit deutlichen kognitiven Einschränkungen zu kämpfen. Die Studienautoren bestätigten in der Veröffentlichung, dass solche Defizite vor der Erkrankung nicht bestanden hatten.

Die Studie entstand eher zufällig während der Pandemie, brachte jedoch interessante Ergebnisse, was Long COVID Symptome betrifft. Im Höhepunkt des Lockdowns im Mai 2020 ergänzten die Forscher:innen den britischen Intelligenztest und förderten die erstaunlichen Ergebnisse zutage, dass der Gehirnnebel tatsächlich den Intelligenzquotienten Genesener senkt und das Gehirn bis zu zehn Jahre älter machen kann.

Quellen:

Cognitive deficits in people who have recovered from COVID-19, in: thelancet.com

Corona-Folgen: Erkrankung löst Gehirnnebel aus, in: fr.de