Geheimnis der Hautalterung entschlüsselt

Verena Elson Medizinredakteurin

Haut wirkt so lange frisch und jung, wie Fettpolster unter der Oberfläche sie straff und glatt halten. Schwindet diese Fettschicht, lässt uns das immer älter aussehen. Doch warum schafft es die Haut ab einem bestimmten Alter nicht mehr, dieses Unterhautfettgewebe aufrechtzuerhalten? Darauf haben Forscher jetzt eine Antwort gefunden.

Warum verhält sich junge Haut anders als alte? Das haben Forscher jetzt herausgefunden
Warum verhält sich junge Haut anders als alte? Das haben Forscher jetzt herausgefunden Foto:  romrodinka/iStock

Die sogenannten Fibroblasten spielen eine wichtige Rolle für Aussehen und Gesundheit unserer Haut. Diese Hautzellen haben die Aufgabe, neue Bindegewebszellen zu produzieren und die Haut so fest und elastisch zu halten. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle bei der Wundheilung.

Einige Fibroblasten haben die Fähigkeit, eine Fettschicht unter der Hautoberfläche zu bilden – diese verleiht der Haut ein fülliges, straffes Aussehen und produziert ein Peptid, dass bei der Bekämpfung von Infektionen eine Schlüsselrolle spielt.

„Babys haben eine Menge von diesem Fett unter der Haut, was ihre Haut von Natur aus gut darin macht, einige Formen von Infektionen zu bekämpfen“, erklärt Richard Gallo von der University of California San Diego School of Medicine. „Gealterte Fibroblasten verlieren die Fähigkeit, Fett unter der Haut zu bilden.“ 

Die Frage, warum dieser Prozess mit fortschreitendem Alter immer weniger funktioniert, konnte bisher nicht im Detail geklärt werden. Gallo und sein Team sind dem „Übeltäter“ in ihrer aktuellen Studie auf die Schliche gekommen.

Unsere Haut ist eines der größten Organe unseres Körpers
Beauty Das Wunderwerk Haut

 

Wachstumsfaktor verursacht Hautalterung

Dem Team gelang es, genau auszumachen, welcher Stoff die Bildung des Unterhautfettgewebes sabotiert: Das Protein mit dem Namen TGF-β (Transformin growth factor-β) gehört zu den sogenannten Zytokinen – das sind Proteine, die Wachstum und Teilung von Zellen regulieren. Wie die Wissenschaftler feststellten, hält dieser Wachstumsfaktor die Fibroblasten mit zunehmendem Alter an der Bildung der Unterhautfettschicht ab und verhindert so auch die Bildung des antibakteriellen Peptids, das die Haut vor Infektionen schützt.

In Versuchen mit Mäusen verwendeten die Forscher Medikamente, um den TGF-β-Signalweg zu blockieren. So gelang es ihnen, die Funktion der Fibroblasten wiederherzustellen: Die Haut der Nager war wieder in der Lage, Unterhautfettgewebe zu bilden. In der Folge war sie nicht nur straffer und elastischer, sie konnte sich auch wieder besser gegen Infektionen zur Wehr setzen.

 

Besser als Botox – kann man menschliche Haut auch so verjüngen?

Gäbe es eine solche Therapie für Menschen, wäre sie als Jungbrunnen für unsere Haut wohl unschlagbar: Sie würde uns nicht nur jünger erscheinen lassen, sondern auch widerstandsfähiger gegen Infektionen machen und zudem die Wundheilung beschleunigen, die im Alter meist langsamer voranschreitet.

Als Schönheitselixier würde die Behandlung die Botox-Spritze etwa weit übertreffen – denn während Botox nur an einzelnen Körperstellen angewendet werden kann, würde eine TGF-β-blockierende Spritze am ganzen Körper wirken und nicht mit dem künstlich wirkenden Wachs-Effekt einer Botox-Spritze einhergehen.

Die App Sunface zeigt Nutzern, wie ungeschütztes Sonnen ihre Hautalterung beschleunigt
Service App zeigt: So lässt die Sonne das Gesicht altern

Dennoch: Versuche an Menschen sind zunächst nicht geplant. Denn noch kann niemand einschätzen, welche Nebenwirkungen ein solcher Eingriff in den Zellstoffwechsel hätte. Die Forscher sehen ihre Studie eher als Meilenstein in der Forschung zur Alterung unserer Haut. Welche Therapien sich daraus entwickeln lassen, will das Team in weiteren Experimenten testen.

Bis dahin gilt: Mit natürlichen Mitteln lässt sich die Hautalterung zwar nicht rückgängig machen, aber verzögern. Dazu gehören Vitamin-A-haltige Lebensmittel wie Möhren oder Kartoffeln (davon reicht eine pro Tag aus). Der Nährstoff kann zwar die jugendliche Fettschicht unter der Haut nicht erhalten – doch er sorgt dafür, dass sich die obere Hautschicht besser erneuert und auch das wirkt der Hautalterung entgegen.

Extrem wirksam, wenn auch nur vorbeugend, ist außerdem der konsequente Schutz vor UV-Strahlung. Denn häufiges Sonnenbaden gilt als der Faktor, der die Hautalterung am stärksten vorantreibt.

 

Quelle:
Gallo, R. et al. (2018): Age-Related Loss of Innate Immune Antimicrobial Function of Dermal Fat Is Mediated by Transforming Growth Factor Beta, in: Immunity.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2019 praxisvita.de. All rights reserved.