Gegenstand verschluckt – wann muss ich zum Arzt gehen?

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Auf dem Röntgenbild kann der Arzt sehen, wo der verschluckte Gegenstand hängengeblieben ist © alamy

Da hat man doch so gründlich gekaut und trotzdem steckt plötzlich eine Fischgräte im Hals. Und wo ist auf einmal der Schlüssel, mit dem das Kind eben noch gespielt hat?

Unabsichtlich verschluckte Gegenstände können unter Umständen gefährlich werden. Zum Beispiel, weil sie in der Speiseröhre feststecken oder durch scharfe Kanten die inneren Organe verletzen können. Besonders gefährlich wird es bei Batterien, diese können durch die Magensäure korrodieren. Es besteht die Gefahr, dass Batteriesäure austritt und lebensgefährliche Verätzungen im Verdauungstrakt bewirkt. Ein sofortiger Anruf beim Notarzt ist dann unumgänglich!

Aber was ist bei harmloseren Gegenständen wie Münzen, Kirschkernen oder Kaugummis zu beachten? PraxisVITA erklärt, was bei welcher Art von verschlucktem Gegenstand zu beachten ist.

 

Fremdkörper in der Luftröhre

Zunächst ist erst einmal wichtig zu wissen, wo sich der Gegenstand befindet. Hustet der Betroffene und hat starke Luftnot? Dann befindet sich der Fremdkörper wahrscheinlich in der Luftröhre. Wenn auch durch Rückenklopfen und Wassertrinken keine Besserung eintritt, kann der sogenannte „Heimlich-Griff“ helfen: Dazu von hinten an den Betroffenen herantreten und beide Arme um die Hüfte des anderen schlingen. Jetzt die Faust im sogenannte epigastrischen Winkel (Bereich, wo sich die Rippenbögen treffen) platzieren und mit der anderen Hand umfassen. Jetzt die Faust mit Unterstützung der anderen Hand mehrmals kräftig in die Bauchdecke in Richtung Zwerchfell drücken. Bei Ohnmacht sofort mit der Mund-zu-Mund-Beatmung beginnen. Verfärbt sich das Gesicht des Betroffenen blau, war die Sauerstoffversorgung zu lang unterbrochen. In diesem Fall muss der Notarzt einen Luftröhrenschnitt durchführen, um die Atmung über den Kehlkopf zu ermöglichen.

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Wo ist schon wieder der Hausschlüssel? Manchmal weiß das Röntgenbild die Antwort© alamy
 

Fremdkörper in der Speiseröhre

Hat der Betroffene zwar keine Luftnot aber dafür starke Schluckbeschwerden, Würgen und ein Enge- oder Fremdkörpergefühl im Hals, spricht vieles dafür, dass etwas in der Speiseröhre hängen geblieben ist. Dort befinden sich drei natürliche Engstellen, an denen Gegenstände stecken bleiben können: in Höhe des Kehlkopfes (Ösophagusmund), an der Kreuzung des Aortenbogens (Aortenenge) und vor dem Eintritt in den Magen (Ösophagussphinkter).

Festsitzende Gegenstände können hier vor allem gefährlich werden, wenn sie scharfe Kanten besitzen, wie etwa Glassplitter oder Nägel. Sie können dann zu Schnittverletzungen und starken Blutungen führen. Aber auch stumpfkantige Gegenstände können so starken Druck auf die Speiseröhrenwand ausüben, dass es zu Durchblutungsstörungen der Schleimhaut kommt. Um die Lage abzuschätzen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der durch Röntgenaufnahmen einschätzen kann, wo genau sich der Fremdkörper befindet. Im Anschluss kann der Gegenstand durch eine Speiseröhrenspiegelung entfernt oder in den Magen vorgeschoben werden. Stumpfe Objekte wie Kirschkerne, Münzen oder Zähne können von dort meistens problemlos den weiteren Verdauungstrakt passieren.

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Bei scharfkantigen Gegenständen sofort zum Arzt!© alamy
 

Fremdkörper in Magen oder Darm

Ist der verschluckte Gegenstand bereits ungehindert in den Verdauungstrakt gewandert, reicht bei unproblematischen Formen eine ärztliche Überwachung alle ein bis zwei Wochen. Kirschkerne, Münzen oder Knöpfe können sich schon mal ein paar Tage Zeit lassen, sollten dann aber ausgeschieden werden. Um dies sicherzustellen, muss der Stuhl entsprechend geprüft werden. Anders als der Volksglaube behauptet, verbleiben Kaugummis nicht sieben Jahre im Magen, bis sie verdaut werden. Genau wie andere unverdauliche Nahrungsbestandteile landen sie nach wenigen Tagen in der Toilette. Nur die Farbe hat sich bis dahin eventuell verändert. Objekte die zwar durch ihre Form keinen unmittelbaren Schaden auslösen aber trotzdem gefährlich sind, stellen Batterien und Magnete dar. Batterien können wie bereits beschrieben, erodieren und lebensgefährliche Batteriesäure entweichen lassen. Stellen Sie fest, dass Sie oder Ihr Kind eine Batterie verschluckt haben, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.

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Objekte, wie Nadeln können schwere Verletzungen im Verdauungstrakt auslösen© alamy

Auch Magnete stellen eine Gefahr dar. Heften diese sich im Körper aneinander, können sie zum Beispiel Gewebe einklemmen und so zu schweren Durchblutungsstörungen und Gewebezerstörungen, bis hin zum Darmdurchbruch führen.

Magnete, Batterien aber auch große Geldstücke, die irgendwo hängengeblieben sind, müssen mit Hilfe einer Magenspiegelung entfernt werden. Dazu wird ein Schlauch durch die Speiseröhre bis in den Magen geschoben. Durch Zangen oder Schlingen kann der Gegenstand dann entfernt werden.

 

Beachten Sie die Klorollen-Regel

Da Kleinkinder ihre Umwelt noch stark über alle Sinne auskundschaften, passiert es häufig, dass sie unbekannte Objekte erstmal in den Mund nehmen. Das wird zwar auch aus hygienischer Hinsicht von Eltern nicht immer begrüßt, ist aber meistens ungefährlich. Mit riskanten Gegenständen, die das Interesse des Kleinkindes wecken könnten, also Rasierklingen, Uhrenbatterien oder Reißzwecken, sollten Kinder nicht allein gelassen werden. Der Expertenrat lautet in dieser Hinsicht: Alles, was durch eine Klopapierrolle passt, ist für Kinder gefährlich. Ist der Fall eingetreten, sofort zum Arzt!

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 13. August 2016

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